Barfly, Sonthofen

Geschrieben von Pensen

Herjeh. Timmey sieht gebraucht aus. Eine weitere sehr kurze Nacht liegt hinter ihm, obwohl er als erster ins Bett gegangen ist. Das ist der Preis einer Künstlerwohnung. Alle Stunde kommt ein verstrahltes Mitglied der Gruppe, begreift das Türöffne-System nicht, rüttelt und bollert bis Timmey doch aufstehen muss. Es ist die Hölle. Der letzte, der heute dazu kam ist Phillip Pöhner Fußballgott. Er berichtet, immer noch leicht derangiert, dass er verzweifelt die Wohnung auf dem verwirrend großen Gelände nicht gefunden hat und entkräftet sich einfach irgendwo hingelegt hat. Draußen. Im Garten. Dann nach zwei Stunden völlig durchgefroren aufgewacht ist und erstmal wütend war. Wegen Kälte. Diese Wut hat er aber in Mut umgemünzt und doch tatsächlich einen Menschen vom haus gefragt hat, wo sein Bett ist. Fürsorglich wurde er dann zur ca 75m entfernten Penne gebracht. Man muss auch mal was wagen.
Kaffee gibt's heute bei Rewe und Vegetarier Carsten empfiehlt mir das "Fleischbredl", oder wie das heißt. Warmer Leberkäse vom Fleischtresen. Meine körperliche Rettung. Und schon geht sie los die wilde Fahrt, ab nach Sonthofen. Da waren wir tatsächlich noch nie. Nach Ankunft ist es Liebe auf den ersten Blick. Unser Hotel verfügt nämlich über tausend Sterne. Zumindest wäre das verdient. Warum?  Sobald man durch das Foyer tritt, des Restaurant links liegen lässt öffnet sich eine etwa 20qm große Oase. Eine Hähnchenoase. Es gibt ernsthaft halbe Grillhähnchen im inneren des Hotels. Nicht an der Straße, an einer Durchreiche oder im Frühstücksraum. Nein mit in den Tiefen des Hauses. So ähnlich stell ich mir illegale Pokerräume in den untiefen windiger Spielhöllen vor. Sonthofen. Jetzt schon geil.
Die üppige Wohnung läd ein zum Mittagsschlaf. Zum Club latschen Timmey, Carsti und ich zu Fuß. Alles voller Berge links und rechts. Sehnsüchtig blickt Carsti den weißen Gipfeln hinterher, der alte Skihase. Dabei fährt er eigentlich Snowboard, aber das Wort "Snowboardhase" gibt es meines Wissens nicht und so schere ich ihn über einen kam mit diesem längst überholten Doppelbrettvolk.
Das "Barfly" ist ein angepunkter Kellerclub mit besonders netter Bewirtung. Gastgeber Daniel lässt es uns an nicht fehlen und wir nehmen die Arbeit auf. Der Ladeweg ist zur Vergnügung der Gruppe durch eine Tiefgarage, so das die Gegenstände mit Rollen besonders beliebt sind. Kreisförmig gehts hinab und alle rufen "Gut!". Cakegod Dennis ist wieder mal von der Kuchenplatte begeistert. Da muss man erst Tausend Kilometerfahren um endlich mal gut behandelt zu werden. In München gestern Torte, heute Teilchen. Ächt dsüß.
Nach Aufbau & Soundcheck heißt es Burger satt im gegenüberliegenden Cafe, welches auch zum Veranstalterinventar gehört. Die Bedienungen lächeln sehr nett und einige von uns werden etwas nervös. Schnell wieder runter ins Dunkle.
Was uns heute erwartet weiß keiner. Zehn Leute? Zwanzig? Als Liedfett beginnt ist der Laden rammelvoll und die Tanzparty steigt. Hu. Beim DAS PACK Konzert ist die Stimmung nicht minder gut, jedoch lässt der Alkohol leichte Konzentrationsschwächen, der klugen Texte gegenüber, durchscheinen. Trotzdem ein wunderbares Gemetzel.
Im Backstageraum ist ordentlich was los, für seine Größe besonders viel. Ein Highlight wird das Lied von Rudi Völler, was wir doch ernsthaft bis hundert schaffen. Wir haben selber Pipi in den Augen ob unserer Qualität als Gruppe. Später tauscht noch Lukas sein belangloses Shirt gegen ein T-Shirt der Extraklasse. Mit Herz drauf. Sitzt wie ne zwei.
Irgendwann spazieren Dennis Genial und ich durchs nächtliche Sonthofen und müssen leider Timmey erneut um den Schlaf bringen, da es nur einen Schlüssel gibt und sein vorbereiteter Keil in der Türspalte von gehässigen Motorrad-Rockern entfernt wurde. Er kann seine Freude uns zu sehen nicht so gut zeigen, aber Verständlich ist es schon, nach 5 Stockwerken halbnackt. Fänd' ich auch klasse. Nachher kommen die andern, hoffentlich in zeitlich versetzten, kleinen Gruppierungen, so dass immer was los ist. Und dann wird gepennt! Vielen Dank Sonthofen für diesen Abend. Gute Nacht.

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