Jubez, Karlsruhe

Geschrieben von Pensen

Matschepatsche. Im Gehirn und im Auge. Dennis Genial steht nämlich in Supermän-Unterbuxe vor mir und erzählt von seiner Nacht. Ich versteh nicht mal die Hälfte, nehm' meine Ohrstöpsel raus aber einen Tick zu spät um den Zusammenhang zu erfassen. Grundtenor der Story war wohl: Nachts, Ausgesperrt, Zufällig seinen neuen besten Freund Lukas gefunden (Im Aufenthaltsraum), der wiederum hat sein Bett nicht gefunden, Dennis dann wegen einem besoffenen Araber die Großherzigkeit von Lukas bekommen, dann in Lukas' Bett gepennt. Was is los? Tierisch.

Ich hab das Gefühl, dass heute der erste Tag der Schwäche ist. Na ja, sagen wir der Menschlichkeit kombiniert mit Körper. Wir sind halt auch einfach keine Maschinen. Lukas ist ernsthaft kodderig und er erzählt auf Nachfrage mit etwas brüchiger Stimme, dass er nicht schlafen konnte, und noch einen kleinen Nachtspaziergang unternommen hat. Barfuß im Regen durch den Kiez von Zürich versteht sich, weil er seine Schuhe vergessen hatte, nicht mehr die Kraft hatte sie zu holen und die Socken ja nu wirklich nicht nass werden lassen wollte.
Frische Luft tut immer gut und wir beglückwünschen ihn, dass er nicht in eine Spritze oder so getreten ist. Sanft guckt er fragend rüber und ist sich der Erleichterung unsererseits nicht ganz im klaren. Und da haben wir's mal wieder. Wer sich ständig Sorgen macht, tritt auch in Spritzen. Derjenige, der das Leben positiv und frei von Zweifeln nimmt, ist auch über Gleichnamigen erhaben. HimmerHerrgott wie wunderbar.
Nach einem kurzen "Scheiße, mein Pass ist weg, wir müssen Lieder noch mal in Club"-Abstecher, fahren wir ohne Komplikationen durch das Zollhaus an der Grenzen und lassen Glassplitter und Zerstreuung zurück. Wir sind nämlich clevererweise nur mit einem Bus unterwegs, damit wir die schweizer Veniette sparen, die ca tausend Mark für zwanzig Minuten kostet. Neun Sitze, Neun Herren. Das nenn ich Auslastung. Kurz vorm Zielparkplatz des anderen Busses muss doch noch mal wegen Übelkeit rechts ran gefahren werden. Alles wird gut.
Nach Karlsruhe fahren wir immer gerne. Nach kurzem Mittagsaufenthalt im Hotel geht's ins "Jubez". Wir spielen heute zum ersten mal im kleineren Saal. Wundert mich, hätte man eigentlich auch schon früher drauf kommen können, denn der große war immer viel zu groß. Wegen der Größe.
Nett werden wir umtüdelt und Laden, Aufbau, Soundcheck ist wie jeden Tag, nur geiler. Der liebevolle Koch brilliert mit mehren Gängen und tischt zum Schluss noch Mohnmuß mit Himbeerglitsche auf. Schmeckt nicht soo gut.. Hu.
Der Backstageraum ist ein mit Glasscheiben abgetrennter Raum im Foyer, kommt einer Art Pförtnerhaus gleich. Wie Alf linse ich hin und wieder durch die geschlossenen Lammellen der Jalousie und bin begeistert ob der Massen die strömen.
Liedfett wird gefeiert und das tägliche "Kater"-Geträller macht erneut Freude. Der Raum ist voller fröhlicher Leute. Dann wir. Herrlich. Müdigkeit verflogen, wie das immer von Statten geht. Wunder Körper. Oder ist es am Ende doch das Herz was entscheidet?
Nach dem Schlittschuh-Lied habe ich die Ehre zum ersten mal auf dieser Tour selber das Handy von sprinder zu finden. Dafür ist eigentlich Carsten zuständig, aber diesmal war ich schneller. Per Selbstabholer wird es dem rechtmäßigen Besitzer mit Handumdrehen zugeführt. Kein Ding, Digga.
Später haben wir noch ein nettes Pläuschchen mit einer kompletten Theatergruppe und dem einzig höflichen Wikinger der Welt. Viele sind grob und roh, dieser nicht.
Dann heißt es zügig Abfahrt ins Hotel, ein Hauch von Bettschwere liegt in der Luft. Urs, Carsten und Ich sind heute Gastgeber zum Schlummertrunk und begrüßen Lukas, sprinder und Scheidi. Das Damentennis treibt uns unter die Decken und so endet der Tag mit dem Wissen, das morgen zum Frühstück Federer gegen Murray spielt. Also schnell schlafen, dass man morgen für die Tenniseinheit fit ist. Gute Nacht liebes Karlsruhe, dass war mal wieder zauberhaft.

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