Museumskeller, Erfurt

Geschrieben von Pensen

Urs ist weg. Vermutlich entführt, oder duscht. An Wassergeräuschen, die durch die Badezimmertür dringen, mutmaße ich, dass er duscht. Oder ist es jemand fremdes? Der Entführer vielleicht, der sich beim Urs-Zerstückeln schmutzig gemacht hat und nun seine blutüberströmte Weste wieder weiß waschen will. Ich werd noch irre. In Lauerstellung und bereit sofort loszuschlagen hocke ich hinterm Sessel und warte ab. Da endlich: Von innen wird der Schlüssel umgedreht und mit einem mörderischen quietschen öffnet sich zeitlupenhaft die Tür. Meine innere Anspannung ist kaum noch zu ertragen. 

"Bad ist jetzt frei" sagt Urs. Ich, cool: "Jo Danke, ich hatte hinterm Sessel meinen Schlüssel verloren" und merke erst später wie dämlich meine Positionsausrede ist, weil was zur Hölle soll ich mit irgendeinem Schlüssel auf Tour. Durch Urs Desinteresse bleibt mir aber eine Gegenfrage erspart. Hu.

Durch ein gottgleiches Routing haben wir heute wieder nur eine Strecke von 158km zurück zu legen. Was nur tun mit überschüssiger Freizeit? Wir stellen uns vor, dass wir eine Damenvolleyballmannschaft sind, die keine Lust auf trainieren hat. Trinken dazu Kaffe in der Lobby und lungern wegen der selbst aufgelegen Trainingspause, kaputt von den letzten Punktspielen, zwei Stunden rum. Dann hetzen wir, wie die Bekloppten zu den Bussen, damit wir die verloren Zeit wieder aufholen. Ist doch ganz klar, dass es hin und wieder Stress gibt. Als alte Tourhasen bringt uns das aber nicht aus der Ruhe, und ich bitte Timmey, den an Dennis angesetzten Schwitzkasten zu lockern, denn er hat doch sein ganzes Leben noch vor sich. Aus Hektik verhaut Urs dann auch noch Carsten, den ich dann wieder verteitige und den Liedfetts die Schuld gebe. Woraufhin wir als Gruppe deren Bus anzünden, aber eigentlich aus Freundschaft. Scheint ihnen nicht zu gefallen, aber nur weil sie grade nackt auf der Rückbank zu viert Patiencen legen. Wir äußern unsere Falschspielvermutungen. Sofort dreschen sie willenlos aufeinander ein. 

Mit zwei nagelneu gekauften Sprintern setzen wir unsere Tour gutgelaunt fort uns freuen uns wie Bolle auf Erfurt. Die Wurstplatten im legendären Museumskeller sind wieder herzzereißend und wir essen alles brav auf. Mit einem Haps. Dennis sogar mit Pelle und in einem Stück. Dafür ist das warme essen heute vegetarisch, weil weiß ich auch nicht mehr. Irgendein Informationfluss muss falsch gelaufen sein, macht aber gar nix, schmeckt hervorragend. 

Durch Kennenlernspiele bekommen wir mit, dass Ando Scheidi gewissenhaft gedient hat. Kaum vorstellbar, bei seinem sonnigen Gemüt. Fröhlich stimmen wir das gute Lied "Scheidi Schieß" an und fühlen uns gut verteidigt im Ernstfall. Herrschen tut hier nur die gute Stimmung.

DAS PACK ist die erste Band des Abends und betritt die Bühne, nicht ohne den prall gefüllten Raum zu bestaunen. Herjeh ist das schön. Eine Partymeute wie aus dem Bilderbuch. Aber das teure, gebunden, und extra groß zum umblättern. Herrlich. Es wird tatsächlich so wild, dass u.a. Monitore durch die Gegend wirbeln und Dennis Genial hat alle Hände voll zu tun, sich in die Brandung zu schmeißen. Schweiß läuft mir ins Auge, und einige Sanitäter umgarnen mich mit Wattestäbchen. Super lieb, wie ich finde. Nach 20 minütiger Tupf-Pause kann das Konzert dann auch endlich weitergehen. Was für ein Geballer. Erfurt, du heißer Lachs!

Liedfett zeihen auch ordentlich einen vom Leder und es wird nett geschnackt mit Reiner, Achim, JR, Elias und Consorten.

Das mit Abstand asiozialste ist heute aber die Kombination von steiler Kellertreppe und tonnenschwerem Merchcase. Die vier Stärksten der Gruppe (Lukas ist auch dabei) wuchten das Ding Problemlos (ohne das sich jemand das Gesicht aufschlägt und rückwärts hinfällt) binnen Sekunden an die Oberfläche der Welt. Dann latschen wir gemeinsam die 1000 Meter durchs nächtliche Erfurt in die pittoreske Fahrradpension. Lümmelnd sagen wir uns auf der üppigen Dachterrasse Gute Nacht und Urs und Ich genießen die TV-Apparat freie Zone.Da stört auch der Quängel-Anruf von Carsten nicht, der anscheinend ohne Flimmerkiste nicht leben kann. Morgen schenk ich ihm n Buch. Wegen Therapie. Danke Erfurt und Jena und überhaupt, wir kommen wieder. Schlaf gut.

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