Treibsand, Lübeck

Geschrieben von Pensen

Diverse Telefonate zwischen den "Gelben Engeln" und Krassi reißen mich sanft aus dem Schlaf. Der Liedfett-Bus ist seit gestern nicht mehr abschließbar und Ando Scheidi steht schon wieder an dem selbigen in eisiger Kälte. Da Probleme zum Lösen ausgedacht wurden, haben sie bei guter Bearbeitung immer nur eine kurze Lebensdauer. So auch hier. Schon bald gibt's grünes Licht und der kleinste Convoy der Welt nimmt wieder Fahrt auf.

Heute ist Tourabschluss. Traurig aber wahr. Endlich, aber jetzt schon. Wie schade, aber schön. Ich bin top fit und kaputt gleichzeitig. Wir nehmen Kurs auf Ikea Moorfleet, denn da steigen gleich noch Hirsch & Mo dazu. Frohen Mutes quetschen wir uns durch die Menschenmassen (Samstag Nachmittag) und hoffen irgendwie immer noch, dass unser lieb gewonnenes Crew-Schwein sich vielleicht bis hier hin verirrt hat. Aber der Strohhalm im tiefen Teich der Hoffnung lässt sich nicht so einfach greifen. Da Urs und Timmey schon auf Privatwagen umgesattelt haben, sind nur noch Dennis, Krassi und ich im Bus. Um so schöner, als die Jungs von "Montreal" am Treffpunkt Hot Dog-Stand in unsere ungewaschenen Arme fallen. Fröhliches Geplauder lässt uns schon bald Vorm Club stehen. Es ist so dermaßen kalt, minus 10° Grad mindestens. Vor zweidrei Tagen waren wir noch im Allgäu bei 14 Grad plus, und jetzt das. Unwahrscheinlich.
Die Liedfetts sind auch schon da und Armin, der Superkoch, brutzelt unablässig Köstlichkeiten und lässt den Strom der geil belegten Tabletts niemals abbrechen. Der Kamin im Backstage ist bereits entzündet und durch der rustikalen Stil der dicken Holzmöbel will man sofort dänisch reden und Wollpullis tragen. Herrlich.
Dann grüßt das tägliche Murmeltier Laden, Aufbau und Soundcheck und Armin fragt , wann wir den Warm essen wollen. Hu. Ach so, es gibt tatsächlich noch n Hauptgang. Herjeh. Jetzt aber mit dem naschen aufhören, damit gleich noch was passt.
Da ja nun letztes Konzert ist haben die Liedfettis etwas ganz köstliches angerührt. "RapsSchnaps, RapsSchnaps, alles saufen mit" wird geträllert auf die fluffige Melodie von "Waschzwang". Rum Mit Honig vermengt ergibt diese gesunde Leckerei. Kommt sehr gut an, die Zeit verstreicht und bald sind wir kurz vorm Gig. Da kommen auch schon zwei junge Herren herein, die sich vielsagend um sprinder setzen. Erst peil ich es gar nicht, aber der kleine vom Frieden und Toleranz durchströmte Sympath hat doch tatsächlich das falsche T-Shirt an. Es ist eine Art 80-Jahre/Modemagazin-Style-Hemd, welches beim näheren hinsehen eine oben rum unbekleidete Dame zeigt. Für die etwas schreckhaften ToleranzVerfechter ein nicht tolerierbares Unterfangen. Und so muss der kleine Mann ein anderes T-Shirt anziehen. Später erfasse ich erst die Situation und stehe etwas verwirrt da. Ich dachte immer, das Respekt auf Gegenseitigkeit beruht, und so lange niemand zu Schaden kommt, es ein an zu strebenes Wertegefühl ist. Ist hier auch genauso, nur sind die Spielregeln etwas anders. Na ja, denke ich, jeder wie er kann. Ich bin auch nur tolerant, bis ich keinen Bock mehr habe, und es so läuft wie ICH das will.
Der Stimmung tut das alles keinen Abbruch, denn der RapsSchnaps macht einen hervorragenden Job. Die Hütte ist brechend voll und die eisigen Temperaturen werden weggetanzt. Wir widmen unser Konzert heute, wie eigentlich immer, dem Frieden und der Menschlichkeit und der Meinungsfreiheit undundund.. Kommt gut an, denke ich, und mache zu Ausgleich Pimmelwitze. Kommt auch gut an. Komisch. Ach ja, der gute alte Samstagabend. Was du nicht alles schon möglich gemacht hast, in deiner Jahrtausend alten Geschichte. Respekt, auf jeden, aber jetzt erst mal Saufen. Freude ist menschlich.
Zum Schlittschuh-Lied ist Hirsch heute auch dabei und es ist ein InDenArmenGeliege sondergleichen. Die Stimmung kippt leicht ins Rührseelige, weil langsam durchsickert, dass es das nun mit der "Auszeit für Beauty" gewesen ist.
Beim Bus-Einladen ist ca 35°Grad Temperaturunterschied zu überstehen. 25° Im Club und minus 10° vor der Tür. DIe Liedfetts warten noch mit dem Laden, weil der Bus wieder nicht zugeht. Timmey und Urs sind schon Richtung Heimat unterwegs, während der Rest noch müde aber glücklich zusammensitzt. Sprinder verewigt uns unter Einsatz seines Lebens an einer noch unbeschriebenen Stelle an der Backstagewand, muss aber dafür sehr hoch klettern und sich gewaltig vom Balkon lehnen. Ob es der Ausnahmesituation der Aktion zuzuschreiben ist oder seiner Armlänge, man weiss es nicht, aber für alle Buchstaben fehlt die Kraft, Körperlänge, Konzentration oder Wichtigkeit. Denn die Hauptsache ist doch, dass es uns gefällt, und das tut es: "Auszeit für Beuty" steht dort in großen Lettern geschrieben und ein verliebter Applaus ist ihm sicher.
Dann heißt es Abschied nehmen, aber nur bis in einer Woche, denn da ist die "Hamburger Superschande" im Logo. Das wird auch schon wieder was.
Gegen 2:30h sind wir dann in Hamburg. Dennis, der harte Hund, muss jetzt noch via Moorburg nach Maschen. Und das alles ohne zu Murren. Gottgleich. Carsten und ich meiern uns in meine Küche und stoßen noch einmal auf den Feierabend an, finden uns alle gut, und lullern dann irgendwann in die Koje.
Leute, war das schön. Carsten, Lukas, Claudio, sprinder, Haartool, Philipp, Dennis, Scheidi, Timmey, Urs & Ich. Welch kesse Mannschaft. In tiefstem Dank winken wir noch mal zum Schluss dieser Traumhaften Klassenfahrt euch allen, die da gekommen sind, verzaubert zu. Unglaublich, wie viele Geschmackssichere Menschen es doch gibt. Kommt doch wieder, wir tun es auf jeden Fall. Es war pure Freude und ich brüll mit einer Träne im Knopfloch noch mal so laut ich kann "Ruf!" und es klingelt ein ohrenbetäubenes "Gut" in meinem Kopf zurück. Alder, werd ich jetzt gut pennen. Pies!

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