Underground, Köln

Geschrieben von Pensen

Herrlich. Neun Stunden Schlaf. Ich fühl mich wie neun Mensch. Bereit für die Künstlerwohnung im "Underground". Denn Köln steht heute auf dem Programm, und allein das ist schon eine Feier im kleinen Kreise wert. Aufsitzen und Abfahrt.

Nach 190km und einigen ergiebigen Telefonaten später stehen wir auf dem Parkplatz, der uns schon mal einen Plattfuß beschert hat, und wir im Schnee nach Hildesheim danach für 80km zehn Stunden gebraucht haben. Das war ne schöne Zeit... Heute gibt es direkt nur Good News (engl für cooles Info-Gerede), denn der Vorverkauf liegt schon deutlich über der Menschenanzahl, die letztes mal im Ganzen da war. Erfreulich geschmackssicheres Köln.
SO ist es uns auch vergönnt zum ersten mal, nicht als Support, im großen Saal zu spielen. Schick sieht es hier aus, mit neuem Bühnenteppich, schön viel Platz und ner Menge Fun. Nach getanem Soundcheck läuft uns zur großen Freude Costa von der Sondaschule in die Arme. Wir reden gebildet daher und mampfen Pizza. Klasse Beruf denk ich mal wieder. Carsten kommt dazu und erzählt so Sachen wir "gleich kratzen wir an der 300ter-Marke". Verwirrt der Arme, aber ne Stunde später wird mir dieses wunderbare Ausmaß der Situation selber klar. Ohgottogottogott. Wir kratze eher an der 400ter Marke. Schlinn. Aber schöm.
Ich guck mir Liedfett von hinter der Bühne an und kriege leichte Anflüge von irgendwas. Fühlt sich gut an, ist aber auch aufregend. Wir sind mächtig gut gelaunt, natürlich auch mit dem Wissen im Gepäck, dass Timmey heute seinen 50sten Gig als Drummer und DAS PACK-SuperMäm hat. Besser als hier, heute und auf diese Weise kann man ein Jubiläum auch nicht feiern.
Wir gehen auf die Bühne und ein Sturm der Euphorie schwappt uns wellenartig entgegen. Wir peitschen zurück und die Brecher bauen sich immer weiter auf und brechen im rauschenden SchaumInferno der Sympathie über uns alles zusammen. Körpersäfte der Ausgelassenheit ölen die wachsweichen Körper im Takte der Musik. Und wir dürfen auf der Bühne stehen und untermalen. Eine Ehre.
Vor "Mein Schwan" teilen wir die JubiläumsParty mit und Carsti kommt samt entflammter Zigarre auf die Bühne und beglückt damit einen ohne hin schon strahlenden Timmey. Wir singen alles zusammen das gute Lied "Zigarren-Karl", welches noch keiner vorher kannte. Dann gibt's "Mein Schwan" mit formschönen Zwei-Meter-Aufblas-Pimmel und die vom Flötengott Nils gebastelte "Mandy" mit original Telefon im Popo bei "Weils geils" zu genießen. Welch reizende Menschen existieren. Beim Schlittschuh-Lied kommen die Liedfetts mit Costa im Arm dazu und spätestens jetzt ist die Familien-Jubiläums-Leben ist schön-Feier eröffnet. Zeit, bitte bleib stehen.
Tut sie aber nicht, und so geht es doch irgendwann mit wehenden Fahnen zu ende. Herjeh. Es wir dnoch am Merch gechnackt und geknipst und dann, durch den nicht aufhören wollenden Regen, unsere DInge in den Bus geladen. Endlich Feierabend, und zwar für alle.
Also ab nach oben in den Backstage/Schlafraum-Bereich und rumlungern. Eine besonders nette Runde ist vor Ort, denn unter anderem ist auch Ecki zu Besuch, der wiederum bald scheinfrei ist. Über Ursis Partykoffer wird kecke Musi abgespielt und sich gegenseitig klasse gefunden. Irgendwann ist Disco genug gewesen und die "Dschungel, Dschungel" Schreie werden lauter. Das lässt sich Cattarsti nicht zwei mal sagen und fünf Minuten später steht der Stream. Brett laut über den Partykoffer Brabbelt Mola wahnsinniges Schrottwort-Gewitter ins ClipMikrophons seiner BalancierWeste. Hölle. Aber ächd dsüß. Ein stöhnender Lukas direkt über mir (Stockbetten, ist eh klar) empfiehlt: "Alder, mach ma die Augen zu , erst dann wird ernsthaft pervers". Nur weinge Sekunden halte ich durch und muss zur Akkustischen Zertstreuung wieder hingucken. Doch bald hat Carsten die Schnauze voll und steht unter wildem Gepöbel von Urs den Rechner aus. Das Gepöbel klingt aber eher noch nach einem zu schlachtenen Pavian, oder so. Ganz schrill und leidend teilt Urs uns seine Trauer mit. Verstehen kann ich ihn ja, aber in ein paar Stunden geht's ja schon nach Osnabrück.
Köln, das war aussergewöhnlich. In tiefer Dankbarkeit lässt es sich auch besser schlafen, Gute Nacht ihr Lieben Leute.

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