Waschhaus, Potsdam

Geschrieben von Pensen

Auszeit für Beauty. Endlich ist es soweit. Liedfett und DAS PACK an einem Abend, auf einer Bühne, viele Abende, viele Bühnen. Diverse verschmitzte Junge Männer mit Absichten zur emotionalen Lautstärke. Jeder mit Ideen, Wünschen, Fragen und Komplexen. Schreit es nicht da nach einer Person voller Mütterlichkeit, Gerechtigkeitsbewusstsein und Autorität? Und ob. Wohl wissend um diesen Umstand klingelt meine Haustür und genau diese Person betritt die Szenerie. Es ist kein anderer als der Merchcowboy Carsten. An dem Namen lässt sich leicht seine Qualität im Bereich Textilverkauf abstrahieren, jedoch sei dir versichert, dass er fern ab davon vortreffliche Gruppendynamische Gemeinschaftskompetenz besitzt. Aus diesem Grund ist er eben nicht nur der Mercher sondern auch der Tourleiter. Für uns alle ein bekannter Luxus, den wir aber auf eigene Faust haben noch nie umsetzen können. Das hat nun ein Ende und die gute Zeit des Lebens bricht an mit dem heutigen Tag. Nie mehr ohne, weiss ich jetzt schon. 

Timmey, er und ich tzutzeln ins pittoreske Moorburg, holen den Bus und treffen uns mit den weltbesten Südländern des Nordens. Haartool und MC Stabilitäzio. WIr sind just am einladen des Gefährts als eine johlend, pöbelnde Gruppe Mensch an uns vorbei saust. Was für Assis. Ich pöbel hinterher und schmeiße wacker Wackersteine und verfehle den Kleinbus nur um wenige Zentimeter. Sie überleben unverletzt, denke ich, und ärgere mich über meine mangelnde Treffsicherheit. Während ich noch so grübel u-törnt der Bus und, oh nein, sie kommen zurück. Jetzt werden wir bestimmt von den ost-eurpäischen Saisonarbeitern zu Klump gehauen. Mit quietschenden Reifen kommt der Wagen zum stehen und ich erwarte schon ins Gesicht meiner Lebensbeendiger zu blicken, doch weit gefehlt. 

Nein, dies sind nicht die erwarteten Beton-Metzgertypen, die unsere Gesichter terminiert hätten, sondern zuckersüße, ungewaschene Sympathen mit sanftem Blick und weicher Haut. Ach nee, die Liedfetts! Hallöchen, Hallöchen! Welch Freude. EInfach umgekehrt um Hallo zu sagen. Instinktiv Characktäre allererster Kajüte. Es herrscht die einhellige Meinung, das die nächsten Wochen ausschlaggebend gut werden.

Wir starten dieses Unterfangen heute in Potsdam, wo der wunderbare Pori vom Waschhaus wieder mit scheinbar ewig guter Laune auf uns wartet. Geiler Typ. 

Am ersten Tag einer Tour hat der Mercher immer siebenfach so viel Arbeit wie sonst, weil die ganz eSchande gezählt, gefaltet und sortiert werden muss. Aber Carsten der alte Fuchs baut mit Hingabe einen Kaufmannsladen, der uns alle Pippi in die Augen treibt. Mir gefallen vor allem das gemeinsame Tourshirt mit schlängelnde Pferden drauf und die DAS PACK-Wollmütze. Auf neudeutsch Beannie genannt. Weder jucken noch Kratzen stellt sich bei tragen dieses Kopfwärmers ein. Mir sehr wichtig, Test bestanden.

Klasse wie Haarkneul und Schorfi alles im Griff haben und so verläuft der Soundcheck wie am Schnürchen. Aufregend allerdings ist unsere Selbstaufgelegte Spezialprüfung heute: Da Timmey und Ich Ende März die neue Platte aufnehmen wollen nahmen wir uns vor jeden Anend drei neue Songs zu spielen.  Fern ab von Fertigkeit und Fähigkeit. Erste "Na ja, vielleicht passt das grad heute nicht" und "Da tuhen wir ja am Ende niemand einen Gefallen mit"-Gedanken kommen auf. Alles Ausreden und Angst. Und die haben ja bekanntlich bbei DAS PACK nix zu erwarten

Nach leckerem Gegesse beginnen die Liedfetts. Gewohnt lässig mit Hang zum Hippiepunk im positivem Sinne verzaubert Mensch und Maschine. Als wir die Bretter betreten merke ich , dass ich schon n Lüttn drin hab, aber zuträglich dem Abned gegenüber. Vielleicht ist es auch die schon beschriebene Aufregung der neuen Songs wegen. Wir spielen sie nämlich tatsächlich, alle drei, und nicht nur zwei oder gar einen.  Erleichtert stellen wir fest , dass diese unsere Kinder auch mit dem Schubs ins Wasser binnen Sekunden das Schwimmen erlernt haben. Ohne quängeln und Rettungsring.  "Yes!" (engl. für "Cool wie?!").

Auch wunderbar: zum Schlittschuh-Lied" kommen die Liedfetts noch mal auf die Bühne und es mutiert in ein Audio-visuelles Inferno des guten Geshcmacks. Lukas singt, Phillp tanzt um sein Leben und sprinder der alte Trompetenkäfer trällert uns in ungeahnte Solosphären plus Handstand mit Hilfestellung zum krönenden Abschluss. Herjeh, wir müssen es morgen wieder tun.

Eingangs erwähnte ich dei neu e Position in der Gruppe, den Tourleiter. Wir latschen von der Bühne und es erwarten uns frische Handtücher und von uns favorisierte Kaltgetränke. Danke Carsti, herzzerreißend.

Nach Merch-Gesprächen und Treppenhausrauchen tanzen wir noch einige Takte zu "Happy Poreppi" und verabschieden uns dann ins 4 Sterne Hotel via Taxi. Denn auch n blindes Schwein knallt ma n Storch, oder wie das heißt. Ich teile mir ein Gemach mit Carsti, und müssen vor Freude an die Montreals und Hirsch denken und machen "Angst in der 9a" an. Aufreibende Kriminalfälle mit Rockertypen und Ganoven. Geht grade noch so.

Mit dem Gefühl eines rund um geglücktem Tourauftakt schlummern wir dann seicht hinfort und möchten uns auf diesem Wege noch einmal bei Potsdam und den netten Bewohnern bedanken. Gute Nacht und bis morgen.

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