Scheune, Dresden

Geschrieben von Pensen

Ach herrje, 6:34h. Hä, watt? Wecker? Ach Ursi! Süß. Ich erspähe durch's Halbdunkel einen unterhosierten PartyTiger mit herzzerreißenden Versuchen möglichst leise und gruppentauglich zu sein. Alleine der Versuch setzt in die Tat um. Kurz darauf sägt es in voller Lautstärke vom Hochbett herunter. Danke & Gute Nacht Berlin. Dschütz.
Drei Stunden später hält's Olli nicht mehr aus, und verlässt als erster die Schnarche Noah. Dann wird's auf einmal still und leidende AuaAua-Laute sind zu vernehmen, und dann kommt eine sympathisch aufgequollene Alkfresse mit gut verstecktem Gehirn  zum Vorschein. Zur Sicherheit ist oben ein Fangnetz gespannt, dass keiner rausfallen kann. Dort liegt nun Ursens Gesicht drin. Ich muss an "Hängematte" von Sondaschule denken. Stichwort "Karomuster". Doch hier nicht am Arsch sondern im Gesicht. Och schön.
Das Frühstück ist unfassbar reichhaltig, diverse Gemüse-Kombinationen des Irrsinns werden aufgefahren, selbst Hotel eigene Coconut-Water-Cans (Dosen) sind hier am Start. Das Zeug schmeckt grauenvoll, aber es gibt es. Olli vermisst einfach ma n büschn Müsli und Obstsalat. Aber so einfach ist die neue Welt nicht mehr, die unbestritten hier in Berlin ihren Anfang genommen hat. Hip und gesund, wir werden alle sterben. Zwischen jugendlich kulturell interessierten Halbspaniern schlabber ich an meinem Erbsen/Ingwer/Fotzennuss-Pesto-Smoothie rum. Hölle. Ich find's tierisch.
Das Wetter ist unsäglich osterlich, frühlingshaft und Pullover-tauglich. Wir spazieren, grade Ursi in die Gegenwind-Sonne blinzelnd zum Bus und singen Lieder der Überlegenheit. Dabei müssen wir an der Berliner Mauer vorbei. Herrgott wie easy wir das eigentlich haben im Gegensatz zu damals und den Leuten. Wir kotzen heutzutage über RöhrenJeans-IngwerteeVollbartSpastis, und die wiederum hatten ma einfach ne Mauer vor der Nase. Im Verhältnis ähnlich einschneidend fürs Leben, aber irgendwie scheinen mir die Verhältnisse früher etwas elementarer gewesen zu sein. Ein leichter Schauer der Dankbarkeit läuft mir den Rücken runter.
Ab nach Dresden. Die Rogers sind schon am Venue, vor dessen Türen Timmey und ich seiner Zeit entschieden haben, dass er vom Merchstand auf dei Bühne befördert wird. Legendäre Scheisse. Hier und da werden die Augenringe tiefer, man hat wohl gestern noch den ein oder anderen Tanz gewagt, sowie es mit einem BoxAutomaten aufgenommen. Und gewonnen, Ehrensache.
Wir lümmeln auf der Feuerleiter in der Sonne, bauen auf, Soundchecken und so. Neu seit heute auf der Tour: "Stereogold". Auf anhieb nette Jungs. Ausserdem bemerke ich , dass wir heute zum ersten mal alle gemeinsam die Busse entladen. Langsam geht die Tour los. Nice.
Dann mache ich noch einen vorabendlichen Ausflug per Pedis in Richtung Elbe, immer wieder süß durch die Neustadt zu schlendern, gutes Flair. Auch dieser wunderhübsch vertraute Fluss ist auch noch da und ich mach n paar Touristenfotos. Also von Touristen, hu. Zurück im Club gibt's selbst gemachte Pizza und Curryglitsche. Sehr lecker, danke fürs Kochen.
Punkt acht legen Stereogold los, danach wir. Die Scheune ist wirklich gut gefüllt, eine Freude das alles. Heute nehmen wir uns auch mal wieder etwas mehr Zeit zum erzählen, entsapnnt die ganze Lage. Sogar so entspannt, dass ich das doch sehr gute Lied "Positiv überrascht" vergesse. Egal, ballern. Der Schweiß tropft aus allen Richtungen und die NichtTänzer sind offensichtlich zu hause geblieben. Dresden, du heißes Pferd.
Nach den Dschidsch gehen Timmey und ich zum Merch und glänzen verkäuferisch. Dann alles im MiniBackstage eincasen und Rogers gucken. Heute ist offensichtlich Jubiläum eines Edelfans, der das 80ste Konzert besucht. Wird zu recht beklatscht.
Besuch haben wir von Moppel und Eisen, essen tun wir Apfelstrudel und getrunken wird Mexikaner, aber direkt aus'm Kanister. Das bekomme ich relativ spät mit, Timmey hat's augenscheinlich schon früher bemerkt und unterhält sich angeregt mit Gleichgesinnten, gut gelaunten Kanisterliebhabern. Der Bottich Suffpaste kommt glaub ich von dem Rogers-Streetteam. Respekt. Es gibt schlechtere Ideen.
Oben im Backstage ist Nico etwas kodderich zu Mute, irgendwas muss an dem elften RedBull heute schlecht gewesen sein. Erleichtern hilft. Ursi und Olli hingegen sind wieder die Packmeister des Irrsinns, Feuerleiter auf und ab. Dann telefoniere ich noch mit Haartool, aka Holzkneuel bzw Dragam, der in 2km Luftlinie am Alten Schlachthof seine Dinger bringt. Wir winken durch die Nacht, man kann es zwar nur spüren, aber egal. Schön Hardy.
Die Fahrt ins Hotel gleicht einer Karaokebar morgens um 4h aufm Kiez, aber mit Ausfall der MusikAnlage. Acapella Karaoke heißt das glaube ich, und Timmey ist beglaubigter Weltmeister in dieser Disziplin. Ja, und irgendwann kommt Kunze. Hör nicht auf. Leg nicht auf. Wun, der, schön.
Im ArtHotel gibt es Fenster vom Bad ins Zimmer, die man per Knopfdruck zur Milchglasscheibe machen kann und umgekehrt. Schlappe 20min haben wir mächtich Fun damit, der Urs und ich. Dann gucken wir oldschoolhaft über ein stabiles Röhrengerät was Jogi Löw zur Kackleistung seiner Mannschaft zu sagen hat. Stichwort Max Krise, aber Wolsfburg hält ihm die Stange. Nee, is schon klar.
Das ist uns alles doch etwas zu aufregend und so darf es mal wieder nach langer Zeit ein Folge ??? sein, und zack ist es auch schon 3h statt 2h, irgendwas mit Sommerzeit. Schlafenszeit, morgen wieder 450km. Hu.
Liebes Dresden, vielen Dank fürs zahlreiche Erscheinen und Feiern mit uns, bis bald und gute Nacht.

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