Underground, Köln

Geschrieben von Pensen

Es geht wieder los. Die zweite von drei Päckchen/Rogers Rutschen drängt sich in die Realität. Drei Tage Pause für vier vergangene Konzerte reichen knapp, ganz knapp zur Erholung aus. Bei Manchen. Ich treffe Nico aka "Der flotte Otto" am Hamburger Hauptbahnhof, eingefallene Wangen, blässlich um die Nase und irgendwie gesamtheitlich etwas untersetzt. Tatsächlich sind die Folgen der Energy-Drink Überdosis immer noch brisant. Verdammt. Die Rede ist von BauchKrümmerAusgangsEntzündung. Auf Deutsch: Essen? Gerne. Direkt alles raus scheissen? Ja, genau. Herrje. Zum Glück hat eine gute Seele Eiweißbrote mit veganer Wurst in Frischkäse eingetubbert, sogar genug für zwei. Wir teilen als Freunde und teilen, auch wiederum die kausale Freude, denn das KackKack bleibt körperintern. Kleine Erfolge des Großen Mannes sind manchmal mehr wert als andersrum.
Am Kölner Hauptbahnhof stößt Soelve dazu, dem noch n büschn kodderich vom Flug ist. Team Goslar kommt mit dem Auto. Kraftfahrzeugstriathlon des Irrsinns. Die Umweltbilanz des Das Pack's am heutigen Tag kann es locker mit mehreren Fußballmannschaften in Auswärtsmission aufnehmen. Fett. Hatten wir auch noch nicht. Direkt n Baum spenden.
Mit dem Taxi knuspern wir durch den Regen ins Underground, wo wir die lieb gewonnenen Rogers-Kollegen begrüßen. Im legendären Backstageraum teilen wir standardgemäß leckere Käsebrötchen mit Nagetieren aller Art. Offensichtlich ist heute der Tag der großzügigen Teilung. Im positivem Sinne.
Da heute auch noch Soelves erster Tag ist, stellen wir uns gegenseitig immer wieder vor und spielen Kennenlernspiele, leicht bekleidet mit Nutella eingeschmiert. Läuft gut und dann ist auch schon Soundcheck. Chris aka KlingonenHenry bzw ChubakkaGeorge ist A1 motiviert, kabelt und huscht über die Bühne. Es ist unsere erste tatsächliche Zusammenarbeit, denn Urs ist ja vom Tourtross abgesprungen, wir senden herzlichste Grüße nach Plön. Schön Dickie.
Der Sound ist jetzt schon gut, obwohl das Gitarrenmikro nicht so richtig will. Das eröffnet mir hingegen die Chance das Ganze mit sanfter WellnesMusik zu untermalen. Alle werden leicht esoterisch, reiben sich erneut mit Nutella ein und wollen sich ein zweites mal kennenlernen. "Nein" sage ich, lass uns doch erstmal den Soundcheck beendet. Aber alle sind Feuer und Flamme und wir rekeln uns im Sitzkreis bis 18h vor der Bühne und werfen offene TofuPackungen links hinterrücks über unsere Schultern. Das soll in Asien Glück bringen und GitarrenMikrophone zum Leben erwecken. Klappt alles einwandfrei und wir können innerlich aufgeräumt, glücklich und zufrieden zum Essen gehen. Fleisch mit Sachen. Geht gut.
Wir sitzen nett zusammen, stossen an und treiben uns gefühlsmäßig fast in eine Art Feierabendrunde hinein, wunderschön, aber Vorsicht, Schnaps ist Schnaps und Köln ist Köln. Deshalb preisen wir die volle Konzentration und übernehmen nach "Stereogold" das Bühnengeschehen. Teile meiner Familie sind zu meiner großen Freude da und Timmey und Olli haben sowieso Bock. Das Underground ist sehr gut voll, es darf getanzt werden. Mir unbekannte RogersFans haben ein paar Dosen Bier mitgebracht, wovon ich mir, nicht ohne vor gefragt zu haben, zwei Dosen auf die Bühne stelle. Schon bald erklingt einer unser größten Erfolge "Dosenbier" durch den Saal. Schmeckt gut, klingt, ist gut. Und Köln nicht minder. Wir haben mächtig Fun und überziehen, wegen offensichtlich kompletten Kontrollverlust wissentlich drei Minuten. Jetzt ist alles egal. Nice.
Da Herr Schmidt vorhin in seiner unvergleichlichen Elktriker-Baumeister Art das Licht im Backstageraum heil gemacht, können wir uns nun für einen Moment in die zauberhaft ausgeleuchtete Sofaecke meiern. Jedoch nicht von langer Dauer, denn es will Akkustik Klampfe gedaddelt werden. Gesagt getan, danach an den Merchstand, Olli wird der Mafia vorgestellt und alles ist ganz klasse.
Da morgen die Strecke wieder mit Länge zu glänzen versucht, sind wir wiederum versucht, so wenig kurz wie möglich zu schlafen. Halbwegs zügig wird geladen und dann schnell mit dem Taxi ins 3 Kilometer entfernte Hotel. Die Taxifahrerin ist wider erwartend aus der Region, wenn mal nicht sogar aus dieser Stadt. Herrgott welch Dialektik. Ich halte mit meinem breitesten Hamburgerisch dagegen, wohin sie Handyvideos von den büttensten Büttenrednern der Welt anmacht. Das kann sie tun, denn die Fahrt geht offensichtlich jetzt schon nach München. Wir überqueren Brücken und Seen, gleiten durch nächtliche Wälder und Felder, kratzen hier und da noch mal die Autobahn und nach gefühlten 120km bekommen wir langsam Durst und Hunger. Der Wald wird tiefer, die Nacht noch schwärzer. Dann biegt sie in einen noch schwärzeren, noch verlasseneren Waldweg ein und eine Hütte kommt schemenhaft zum Vorschein. Sie ist über und über mit Pfeffernuss und Mandelkern überzogen, es ist unglaublich. Wir haben zwar ein bischen Angst, aber doch auch solchen Hunger. Die Taxidame wirfst sich ein Tuch um die Birne und macht mit ihren knöcherden Fingern Folge zu leistende Handbewegungen. "Kommt meine kleinen, hier ist es warm. Hier könnt ihr wohnen und arbeiten und ich geb' euch auch ne Steuernummer". Hä? Komische Buttercreme-Hexe. Wir hauen ihr n paar vors Maul, Timmey kommt in den Ofen, ich muss Grätel sein und Olli wird gemästet bis er fett genug ist, um den im Kerker eingesperrten Soelve auszulösen. Das ganze kann Jahre dauern, denke ich. Doch die Zeit vergeht wie im Flüge, die olle Hexe sirbt alsbald jämmerlich an Vögelgrippe und wir können uns mit Entknotungstricks befreien. Fröhlich laufen wir Arm in Arm singend zum Wald hinaus und checken im Hotel ein. Ein Glück gibt's "Hangover 2" im TV, wir sind nicht die einzigen die verrückte Abendteuer meistern müssen. Dies Gefühl nicht allein auf der Welt zu sein, lässt uns beruhigt einschlummern.
Vielen Dank liebes Köln, das war mal wieder was. Geiles Ding. Bis bald und gute Nacht.

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