White Trash, Berlin

Geschrieben von Pensen

Es ist 10:50h und mitten in der Nacht. Tiefste Nacht. Fürchterlich. Was is?! Wecker. Schlinn. Aber schöm. Wir sind augenscheinlich immer noch in Dresden, Künstlerwohnung der Groove Station. Das ist das Gute. Wenn ich so in die Runde gucke fällt mir wieder mal auf, dass es zu schön ist nicht alleine unterwegs zu sein. Man fällt einfach nicht so auf. Und das würde glaub ich heute jeder einzelne, aber in der Gruppe sind wir unsichtbar. Fische können das auch. Stell dir vor eine wunderschöne Meerjungfrau schwimmt morgens an einer übernächtigt miefenden Schrottforelle vorbei. Eben. Angeekelt würde sie mit der Schwanzflosse die Richtung ändern und vorwurfsvollst abdrehen. Aber im Schwarm, also im Verbund von Schuppentieren, passiert das nicht. Die Königin des Ozeans würde nur beiläufig grüßend an einem lustigen Fischhaufen vorbeileiten und denken: Die kommen bestimmt von der Arbeit. Wahrscheinlich sogar wichtige, von irgend jemand zu erledigende, schwere Arbeit. Und Vielen lieben Dank, dass die jemand tut.' Ach, ist das alles schön. Essen? Deftiger als Joghurt mit versprengten Cornflakes ist eindeutig nicht drin. Zumindest schmeckst nach Erdbeer. Hu. Ahh, Lebensgeister kehren zurück, aber lassen sich Zeit. Konn. Abfahrt. 'Berlin, Berlin wir fahren jetzt dahin'. Heute das erste mal im 'White Trash'. Als wir ankommen ist die Tür auf, Heizung an und Licht gibt's auch. Nur fehlt es an Menschen. Hu. Andere Städte, andere Sitten. Bei uns in Hamburg wär längst irgend ein Heini eingekehrt und sagen wir mal hätte sich zumindest umgeschaut. Hier nicht. Alle latschen wohl erzogen an der Eingangstür vorbei. Mysteriös. Mir gefällst. Wir laden unsere tonnenschwere Backline (Sachen) die 450 Stufen in den Kellerclub. Kein Problem, da wir alle gut im Saft stehen und ausgeschlafene Sportskanonen waren. Einige der Crew gehen danach essen, weil es nur noch schwer auszuhalten ist. Ich hingegen entscheide mich auf 18h zu warten, denn da öffnet die hauseigene Küche. Und die ist bekannt für ihre schmuddelig durchtriebenen Superburger, was sich dann auch glücklicherweise bestätigt. Manchmal gibt es einfach kein besseres, eindeutigeres Wiederherstellungsessen. Danke lieber Futtergott. Onkel hat ja heute Heimspiel und es haben sich illustre Gäste wie Busfahrerpapst Soelve, Matze von den Ohrbooten, Stoew, Tim, Mama Lingner und tatsächlich nach einem Jahr Freundschaftsabzinenz der legendäre Anatol angekündigt. Der ja sogar mit Bild im 'Macht doch was ihr wollt'-Cover zu sehen ist. Die Freude hält sich in Grenzen und… Nee, kleiner Tscherz. Es ist auf Anhieb wie Früher, das bedeutet diebische Freude wegen nichts. Er war schlicht zu lange weg und das merkt er auch selber ('Endlich wieder normale Menschen'). Der Club füllt sich, da kommt Timmey in den Backstage und informiert uns, dass die Jungs mit dem zehn Literfass jetzt da sind. Bitte was ? Und tatsächlich. 'Döner', seines Zeichens Bierbrauer alter Schule und sein Kumpel Moritz haben samt Zapfenlage dieses hochpraktikable Mitbringsel unterm Arm. Zauberhaft. Noch gucken wir uns etwas ängstlich bis ungläubig mit Zweifel an unseren eigenen Fähigkeiten in die Augen, aber ich kann dich jetzt schon beruhigen. Auch das wird am Ende des Tages erledigt sein. Es ist auch alles viel Arbeit. Fass wie Büro. Dann Spielen die 'Urbans'. Man kennt die in Berlin. Es wird gebounzt und geklatscht. Ich hab das Gefühl, dass es heute besonders fett klingt, und geh zu Schali um es ihm direkt mitzuteilen. Sieht er auch so. Rapfaust diesdas. (Übereinstimmungshandschlag). Dann DAS PACK: Es ist eine für mich interessant ungewohnte Stimmung. Totales Abgehen in den Songs und dann Stille dazwischen. Ist natürlich für die hochintelligenten Moderationen meinerseits die perfekte Mischung, aber ich muss mich erstmal dran gewöhnen. Also das jemand zuhört. Hu. Zum Ende des Konzerts mischt sich der Raum mit einströmenden Partygästen. Denn nach uns ist Disse. Cool. Das macht immer Spass abgekämpft Merchkisten durch feiernde SamstagnachtMenschen zu schleppen. Tschuldigung, Kann ich ma, Vorsicht, nein das ist nicht für dich und nein es ist auch keine Kühlkiste. Haha. Witzich. Tschuldigung, Vorsicht, darf ich mal..etc. Hölle. Aber wir fassen alle mit an und dann ist doch letztendlich tatsächlich Feierabend. Puh. Ach Moment. Stichwort Zehn Liter. Okidoki. Ab zurück in den winzigen Backstageraum und den letzten hauch Sauerstoff wegatmen. Man sitz zwischen Rücksäcken, Getränkekisten, Sofalehnen und netten Leuten. Bis alles leer ist. Es ist schon wieder 5h oder 6h. Völlig geil: das 'Hotel' ist fußläufig. Kurzer Hand haben wir instinktiv Anatol eingesackt, und ab in Hostel. Wir haben zwei Vierbettzimmer. Ich bin mit Krzinga, Dragul und Anatol. Stockbetten. Und das um diese Uhrzeit. Krzinga hat Untenschlafvorrecht, wegen hühnenhafter Körpergestalt und ich will einfach unten schlafen. Anatol auch. Ich reibe darauf hin Körperteile am nackten Kissen um Argumente für sein verschwinden von meinem Bett zu sammeln. Funktioniert. Das man auch immer diskutieren muss. Dann merkt Krizinga, dass er den 'Urban Majik Johnson' -Banner in seiner Umhängetasche mit hat. Ehrensache das der sofort unter krachenden Gardinenstangen aufgehängt werden muss. Völlig klar. Dann fällt gleich wenn die Sonne aufgeht ein 'UMJ' Schatten in den Raum. Das wird n Schauspiel. Achso, es ist ja Winter. Egal. Was soll ich sagen, ich würde gerne ma schreiben, dass wir nicht unter willenlosem Spastigegacker einpennen. Wär aber gelogen. Und das muss ja nu Wirklich nicht sein. Leute, eine vier Tage Rutsche geht zu Ende. Ich freu mich schon auf nächsten Mittwoch wenn es ENDLICH weitergeht. Danke Berlin und gute Nacht.
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