Exil, Göttingen

Geschrieben von Pensen

Es ist 9:07h, ich schalte mein Handy an. Viele Nachrichten. Das ist kein gutes Zeichen. Mit Kaffee in der Hand widme ich mich dem handlichen Kommunikationsgerät. Ach du Schiete: Unser lieber Urs kotzt im Strahl halb Hannover voll. Schön. Und das erst seit heute Nacht. Hhmm. Wir telefonieren verständnisvoll miteinander und seine brüchige Stimme lässt auch seine kurz unter 40° Grad hohe Körpersafttemperatur markant vermitteln. Gute Besserung mein Freund! Und nu? Ich überlege kurz mit Timmey was jetzt zu tun ist ,und unser favorisierter SuperplanB wird wahrhaftig in die Tat umgesetzt. Und wem haben wir das zu verdanken? Dem legendären Oll Schmidt, seines Zeichens Alleskönner, UKB Schlagzeuger, Schröders Bassist undundund… Eine Freude und Beruhigung das er dabei ist! Und dann treff ich mich mit Dragan, der mir von seinen Verletzungen erzählt. Das Fieber von vor zwei Wochen ist weg aber dafür hat er sich das Knie verdreht und ist vor vier Tagen beim Saufen mit Schali rückenklatschermäßich abgesegelt. Beim Anlehnen an die Wand einer Kiezkneipe zu Hamburg stellte sich heraus, dass die Wand eine Tür war. Die fröhlich aufgeht, wenn man sich besoffen gegenlehnt. Das wiederum wusste Dragan aber nicht und fiel ungebremst auf den Betonboden des Getränkelagers. Laut seinen Berichten hat kein Mensch das bemerkt und er lag mit Sternen vor den Augen mindestens zwei Tage einfach nur so da. Oder zwei Minuten. Ist ja auch egal. Zur Strafe hat er zumindest so viel Bier geklaut wie er tragen konnte. Gut gemacht alter Junge! Wie auch immer, er kann zumindest nix heben, nur sabbeln und delegieren. Coolgut. EIn Glück das Onkel auch schon in Hamburg ist und die Backline aus dem Proberaum sich zu zweit quasi wie von selbst läd. Auf los geht's rund. Wir hören best gelaunt sehr laut sehr altes AC/DC Material und sind natürlich verzaubert. Heute spielen wir in Göttingen, im Exil. Kennen wir schon, war immer gut und nett. Die absolute Sensation ist deshalb die Bandkonstellation: Wir sind das erste mal als eine Art Doppelprogramm zusammen mit unseren liebgewonnenen Spezialfreunden von 'Montreal' unterwegs. Ach herrlich. Die Jungs sind schon vor Ort und es gibt ein großes Hallo! Timmey, Sabby und Oll kommen auch dazu und die ganze Familie ist vereint. Es wird gerödelt und gebaut, hingestellt und soundgecheckt. Die Vorverkaufszahl kommt stimmungsaufhellend noch sahnehäubchenhaft dazu und siehe da, als um 21:30h DAS PACK beginnt ist der Laden voll. Traumhaft. Kurz zuvor kommt es noch zur nächsten Unglaublichkeit, denn Rüdiger Bierhorst von den Monsters of Liedermaching kommt mit Freundin Alex als Überraschungsgast vorbei! Also mehr geht nu wirklich nicht. Unser Konzert macht uns mächtig Spass, sehr entspannt alles. Großes Pogogeballer und Zugehöre gleicher maßen und selbst der westeuropäisch anmutende Afrofrisurenmann verletzt sich kein mal bei seinen artistischen Rückwärtssaltos auf die Bühne. Erstaunlich robust. Aber das allerschönste kommt ja noch: Montreal. Wir packen schnell alles ein und nehmen noch kühle Mischbrausegetränke im Zeitsparmodus ein und ab dafür. Montreal: Höchst sympathische Band mit Witz und Qualität. Ich stehe in der zweiten Reihe, singe so gut ich kann mit und reiche dem crowdsurfenden Max Power den ein oder andern Sambuca. Später stehe ich bei Timmey am Stand und wir finden alles, uns in den Armen haltend, sehr gut. Der Backstagebereich im Exil ist ein Mittelding zwischen Küche, Getränkelager, Indoorterrasse (wegen Plastikgartenmöbel) und gekachelter Sofaecke. Aber dafür klein. Wir sind alle sehr groß und vor allem viele. Trotzdem passen alle rein und reden so laut wie sie können. Und ich mindestens vorneweg, wegen nachweisslich guter Laune. Niko von Monster-Artists ist mit Kollegen auch zu Besuch und es wird geschnackt und gut klargekommen. Dank Onkel haben wir heute einen Fahrer und laden über den Altlastenfahrstuhl den Bus. So, ab ins Hostel. Wegen 'elf Ab-Hostel' (Religiöser Weihnachtswitz). Vierbettzimmer, Stockbetten. Da kommt man zumindest nicht auf Alleinseingedanken. Obwohl wir ne halbe Stunde früher als die Montreals vom Club losgefahren sind treffen wir uns am Parkplatz gegenüber des Hostels. ( Ja nein, wir haben den uns ans Herz gelegten Polizei-Kundenparkplatz nicht gefunden). 'Hirsch' kann vortrefflich Situationen lesen und geht zielstrebig samt Merchkasse zum schlecht beleuchteten Parkscheinautomat. Und dann schmeisst er auch noch eine Runde parken für DAS PACK. Schwarzenbeck, vielen Dank für deine Menschen. Wir lümmeln uns alle noch zwischen Wänden, Betten und Waschbecken als Häufchen zusammen, und schlummertrunken noch n büschn vor uns hin und hören überzeugt Georg Kreisler über Yonas Handy. Hirsch kennt den fast gar nicht und bekommt zurecht von uns abfällig bemitleidende Blicke. Das ist natürlich Quatsch den Herrn Kreisler nicht zu lieben. Auf der anderen Seite bin ich schon wieder neidisch auf ihn, weil er noch so viel vor hat im Leben. Hab ich selbstverständlich auch, aber ich weiss ja nicht was, weil ich es ja nicht kenne. Ihr wisst schon was ich meine. Und jetzt, nach dem überstandenen Weltuntergang, scheinen wir ja doch alle noch viel zusammen vor zu haben. Gut so. War das ein fabulöser Auftakt mit MontrePack. Bitte mehr davon. Dankeschön. Aber der größte Dank gilt heute Olli, dem Soundfeuerwehrmann des Tages. Rettungstat vom Feinsten, denke ich, und eier mit Onkel irgendwann nach 4 Uhr in unser Traumareal (Zimmer). Vergnügt lass ich mir den Tag noch mal kommen, gedanklich, und finde Göttingen, deren Bewohner und die Zugereisten extra klasse. Gute Nacht.

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