Underground, Köln

Geschrieben von Pensen

Traurige Tage liegen hinter uns. Bleierne Zeit im Überfluss. Alltägliches, unerträgliches Leben. Schon schön, aber scheisse. Drei Ewigkeitseinheiten (Tage) mussten wir durchstehen, um uns endlich wieder mit Gemeinsamkeit zu belohnen. Ok, Krzinga und ich haben geschummelt, uns vorgestern (Montag) zum Getränk mit anschliessender, klirrend kalter Plakatierungsaction getroffen. Ein Hauch Tourambiente, aber jetzt wird endlich wieder ernsthaft angegriffen. Heijeijaijei, wie machen das nur die ganzen Leute, die nicht auf Tour sind..? Unverständlich. Hu. Es ist wieder ziemlich früh und wir treffen uns wieder ziemlich am Proberaum. Als wir fertich geladen haben überlegt Schali (schön Schälchen!) ob er den Busschlüssel mit als erstes im hintersten, tiefsten Case hinterlegt hat. Hat er nach minutenlangen Horrordauerschockzustand dann doch nicht. Jackentasche. Och schön. Na, dann können wir ja. Herrgott sind wir alle ambitioniert und gut drauf. Fast schon anstrengend, wenn wir uns nicht gegenseitig so besonders gut finden würden. Timmey wird auf dem Weg an einer Raste eingesammelt- und wie ein rohes Storchenei behandelt. Aber wieso denn nur? Berlin, drei Tage zuvor. Timmey schleppt mich und Krzinga (Jeweils einen unter jeden Arm geklemmt) die Kellertreppe zum White Trash herunter und hebelt sich tatsächlich irgendwas aus. Wir halten das Wehwehchen vor Ort für übertrieben und zu vernachlässigen (Alkohol). Aber manchmal unterschätzt man durch Eigenüberschätzung Dinge. In Wahrheit sind wir heilfroh, dass Timmey sich überhaupt aus dem Bett in die große weite Welt geschält hat. Ausser leise sprechen, lächeln und rauchen geht gar nix. So lieben wir ihn. Witzich, dass man seine größten Stärken noch als letzte Fähigkeit vorm Stillstand des Ganzen bewahrt. Körper : Mysterium+Haut+ Freude. Schöm Tin. So, jetzt nach Köln. Sowohl UMJ als auch DAS PACK haben hervorragende Erinnerungen an diese Stadt und vor allem auch an diesen Club: das 'Underground'. Nicht nur im Konzertraum sondern auch in der nur ein paar Hinterhofschritte entfernten 'Künstlerwohnung' wurden legendäre Abende zelebriert. So wie grade die UMJs vor ein paar Wochen mit 'Jaya the Cat'. Unfassbar. Onkelchen nimmt uns bester Stimmung in Empfang. Selten geiler Tüt. Dann Bus ausladen, Club vollfüllen und ankommen, wenn ihr wisst was ich meine. Die Bühne ist über Eck, so dass wir Quasi zwei Rückseiten haben. Perfekt. Wir haben ja auch zwei Banner mit. Dragan dekoriert dementsprechend die Wände. Links UMJ, rechts DP. Mehr geht nich. JD holt leckerstes Essen vom Türken nebenan und Schorli bemerkt, dass heute Welt-Soundcheck-Tag ist: 12.12.`12, einszwoeinszwoeinszwo ('…Mikrofoncheck, hier kommt der Typ der meist viel zu stoned rapt' (Dynamite Deluxe). Hu. Da Timmey wie gesagt nix heben darf deutet er mit dackelhaften Schlafzimmerblick bittend auf Kisten & Kästen die da und da hinsollen. Üben für später, wenn er groß und stark ist. Es scheint ihm zu gefallen und ich lass mich aufopferungsvoll temporär delegieren. Wenn nicht für Timmey, für wen dann? Dsüß. Krzinga und ich lassen es uns auch nicht nehmen eine umkämpfte Partie Miniaturbasketball zu spielen. Hat Onkel neu. Am Schlagzeug dran. Geschenkt gekriegt von meinem Mitbewohner Kristen. Sport beginnt im kleinen. Und endet im Kreuzbandriss. Wir beschliessen ausgelassen klein zu bleiben. Funsportler. Unsympathisch aber valide. Dann ist Einlass und um 20:30h die Urbans. Menschen fluten den Raum und wir stehen am Merch und trinken abgefüllte Mische aus Plastikflaschen. Ein Hauch von Jugendlichkeit durchströmt mich. UMJ muss schon wieder Zugaben spielen. Herrgott. Dann folgt das für mich schönste Konzert dieser Tour. So eine ausgelassene Emotionspeitsche wir hier wurde selten geschwungen. Es passt einfach alles. Die einzelnen Zustände der Menschen greifen so zahnradmäßich ineinander, dass das Uhrwerk 'Rock' lauter tickt denn je. Pünktlich zu 'Schwach sein' fällt dann auch die Anlage aus und wir spielen unplugged mit E-Gitarre weiter. Kann auch nicht jeder. Und Köln reagiert mit innerlichen Anfeuerungsrufen, was sich als aufmerksames Schweigen äußert. Einfach gaaal. Und schwups, Anlage repariert (Auch hier geht nochmal der Dank raus an die kompetente Technikerin des Underground). Herrje war das ein zauberhaftes Konzert! Danach wird noch geschnackt am Merch, Fotos mit der Suppenmafia gemacht und heldenhaft der Bus geladen. Erst dann gehen wir Pflicht bewusst an die Bar und sitzen zusammen, den Tag abfeiernd mit den Clubcrew am Tresen. Zur späteren Stunde verlagern wir das ganze plus Partyreif aka der Ring of Fire(ein Kreisförmiges Audiosystem welches JD bei Tschibo zu ner Packung Kaffe dazu bekommen hat oder so..) nach oben ins Schlafgemach. Krzinga ist DJ und JD ist JD. Ecki und co sind auch noch dabei und überhaupt sowieso alle, weil die architektonische Struktur des Raumes gar nix anderes zulässt. Stockbetten plus Sofaecke ist für Nichtschlafen wie gemacht. Und das können wir gut. Glücklich wieder ein Haufen zu sein, lümmeln wir uns rum und irgendwann fallen wir dann doch in eine Art Schönheitsstarre mit ohne Reden und Augen zu. Ach das ist dieser Schlaf… Traumhaft. Köln, besonderes Lob an deine Einwohner. Vielen Dank und bis nächstes mal.
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