Schützengasse, Weimar

Geschrieben von Pensen

Hamburg, 8:32h. Ich wache schreckhaft durch ein unfassbar lautes Handy, welches Schrottmusik als Weckerton dudelt, auf. Aha, denke ich und mach mich auf die Suche. Oho, ein gewisser Onkel liegt auf der Couch im Wohnzimmer direkt daneben und schläft wie ein Stein. Innerliche Ruhe. Herrgott bin ich neidisch. Aber warum liegt der Onkel da? Heute ist das erste Club-Konzert mit dem blonden Ballerkönig. Das wird gut und aufregend. Frischer Kaffee oben rein und eh wir uns versehen treffen wir uns mit der ganzen Supercrew plus den fantastischen 'Urban Majik Johnsons' am Proberaum und laden den für unsere Visionen unterdimensionierten Bus. Und schon geht's bester Laune los. Gute Laune lässt nämlich selbst Politik in den Schatten stellen. Wichtig also. Intelligente Gespräche lassen die bleierne Fahrtzeit wie im Flüge vergehen und als wir wieder aus den (verdunkelten) Fenstern hinaus schauen: pitoreske Sträßchen, einladende Cafés und muckelige Häuser. Aaaahh, Weimar. (Jetzt müsste es nur noch schneien träume ich im stillen vor mich hin). Kein Mensch war je vorher dort. Zumindest keiner den ich kenne. Schon deshalb sind wir gespannt auf die 'Schützengasse'. Nebst einem Sack Brötchen gefällt mir besonders ein bunt beleuchteter Weihnachtsbaum direkt neben der übersichtlichen Bühne. Ich nehme mir vor ihn nachher zu beklettern oder ihn zumindest zu entnadeln. Na ja. Das wird klasse. Wir haben auch zum ersten mal ein unfassbar selbstgebautes Schlagzeugpodest ( Danke Brandenburg!) dabei, dass den äusserlichen Charakter von Onkel nachzeichnen soll. Wir sind überzeugt. Die Bühne ist klein und nächstes mal bringen wir auch n Podest für eben jene mit, so dass nicht nur das Schlagzeug zu sehen ist , sonder auch die Bühne. Es ist so schön Pläne zu haben. Sollte man immer im Hinterkopf behalten. Pläne sind gewünschte Zukunft mit Eigeninitiative. Klingt cool. So, Krzinga und ich trinken Waldmeisterbrause und Bier und die Heroen unser Reisegruppe bauen oben auf. Die Kellerkatakomben und Flure sind dermassen kompliziert und zeitfresssend-verwinkelt, dass ich irgendwann Krzinga 'ich hab aber auch ne Orientierung wie ein totes Schwein!' pöbeln höre. Treffender Vergleich.Langsam gesellen sich aber alle in die sogenannte Raucherlounge, die mich an frühere Reihenhaus-Partykeller Anfang der neunziger Jahre erinnert. Schummeriges Licht auf Schlangenlinien bemalten rotschwarzen Wänden. Zum wohlfühlen. Langsam setzt Hunger ein , aber noch ist ja nicht 20:00h. Schnell Sound gecheckt und um zehn vor neun fluten Menschen den Raum, während die 'Urbans' noch ihre neuen Hits durchgehen. Interessant für alle. Dann schnell im Keller noch den Durst gegen den Hunger löschen und dann geht's auch schon los. Ich als nachgewiesener Urban Majik-Fan darf natürlich nix verpassen und latsche den Jungs hinterher die Treppe hoch. Und dann passierts: Ein Mensch ruft 'Halt'! Ich drehe mich um und sehe den Veranstalter, der die Nudeln mit Ketchup fertig hat. Ich mache ein freundliches 'merkst du noch was' -Gesicht und gebe mir die Johnsons. Einfach herrlich. Und der Raum ist mit locker sechzig netten Leuten gefüllt. Das gefällt mir sehr. Onkel, der ja diese Tour abendfüllend am Schlagzeug sitzt, macht seiner Idee 'Trommeln für Olympia' alle Ehre. Und die neuen Lieder. Einfach schöm. Und so soll es dann auch bei DAS PACK weitergehen. Die Stimmung ist ausgelassen und nach einem Highlight durchdrungenem Konzertabend und nettem Plausch bei Timmey am Merch, treffen sich die sieben Superheinis im winzigen Backstage und löffeln bedürftig & lächelnd lauwarme Sattmasse. Am Ende wird nimmich doch immer noch alles gut: Als wir die Tür zur Außenwelt öffnen, um Dinge in den Bus zu tun, werden wir von ihrer Farbe überwältigt. Alles weiß. SchneeSchneeSchnee. Hab Ichs mir nicht insgeheim vorhin gewünscht? Danke lieber Träumemann für die Wahrmachung. Ein geiler Typ. Du kannst gerne öfters vorbeikommen und dein Ding durchziehen. Aber vielleicht träum ich dafür zu wenig. Wir latschen durch das winterliche Weimar angemessen johlend in die vorgesehene Jugendherberge und finden sie. Das ist selten aber lässt uns noch besser drauf kommen. Aha, Betten selbst beziehen. Das ist doch Scheisse! Stellung ja, aber Betten? Na gut. Gackernd teilen wir die Zimmer auf und rauchen noch so viel wir können draußen im Schnee und sinieren über einen formidablen Tourstart. Weimar, dafür Danke! Gute Nacht.
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