Musikbunker, Aachen

Geschrieben von Pensen

21.09.2013 DP Aachen Musikbunker

Mmh, lecker. Guten Morgen lieber Fleischduft. Herrlich. Hoffentlich gibt`s Wurst zum Frühstück. Über dem Eingang unserer Pension prangt ein luftiger Spruch in strahlenden Lettern : "Wir schlachten noch selber". Gut und beruhigend zu wissen. Hirsch und ich latschen durch den Verkaufsraum der Metzgerei in den Frühstücksbereich. Tatsächlich liegen auch zweidrei Scheiben Käse zwischen dem restlich blaurotem Aufschnitt. Langsam trudelt der Rest ein und ich finde das Marv Mandel für seine gestrige "Gute Laune Verfassung" doch erstaunlich frisch aussieht. Ich lasse mir von Max die Kaffeemaschine erklären und erhalte einen 0,5 Liter-Riesen Macchiato plus Schaum. Schon das alleine ist eigentlich eine vollwertige Mahlzeit. Och schön. 

Gleich geht`s los Richtung Aachen, in den Musikbunker. Es ist immer wieder erstaunlich wie unfassbar abwegig es sich anfühlt ernsthaft noch heute ein Konzert mit lauten Gitarren zu spielen. Aber der Tag an sich, mit seiner Kraft und Energiespendungs-Eigenschaft macht es immer wieder möglich. 

Gegen 16:20h biegt unser Vehikel in die Bunker-Parklücke ein. Die Stimmung ist total scheisse. Zumindest bei Max und mir. Aber wie kann das sein bei einer Freundschaftstour, wie wir sie grade durchleben? Also, Max hat ein klasse Superhandy, auf dem man sehr gut Fußball gucken kann. Und heute Spielt der HSV zu hause gegen Bremen. An sich schon immer eine anstrengende Situation aber zu hause bei 0:1 in die Pause zu gehen ist schlichtweg die Hölle. Na ja, 4:1 kann ja noch werden.

Wir schleppen zügig unseren ganzen kram in die Kellerkatakomben und positionieren uns wieder um das Fußi-Abspielgerät. Vor Schreck fließt kühles Weizen unsere Kehlen herunter, hilft aber nix, da am Ende eine 0:2 Pleite auf dem Zettel steht. Ein Stapel Holzstühle muss sich dem starken Fuss von Herrn Power geschlagen geben. Wieder mal wird die Leidenfsähigkeit des hamburger Fußballherzens auf die Probe gestellt. Das Lied "Trotzdem HSV" von "Norbert und den Feiglingen" will einfach nicht an Aktualität verlieren. Un das ist jetzt auch schon über Zwanzig Jahre alt. Herrgott.

Interessanterweise kommt und kommt der Veranstalter des heutigen Abend nicht. Ein kompetenter junger Mann des Ladens übernimmt kurzer Hand seine Aufgabenbereiche und irgendwann erscheint massenweise Pizza. Das tut gut, während wir Schalke gegen Bayern untergehende sehen. Fünf Minuten nach Einlass kommt der etwas derangiert Wirkende Durchführer dann doch noch vorbei. Ich möchte nicht näher darauf eingehen aber es ist wirklich erstaunlich was und wen man alles so erlebt.

Durch zeitliche Desinformation muss leider die sympathische Vorband "Vollkommen Egal" nach vier Songs schon wieder aufhören, damit Montreal und wir zumindest ne gute Stunde jeweils Spielen können. Das ist aber auch immer Schiete, wenn Menschen Dinge ausbaden müssen für die sie nix können. Dafür ist der Raum aber sehr hübsch mit fröhlichem Samstagabendvolk gefüllt. Spätestens bei "Bernd" wird das auch mir klar. Geil, ich hab Bock. 

WIr ziehen nach Montreal das Schlagzeug vorne an den Bühnenrand und dann bitte: Es wird eine gute Stunde voller Tanz, Lautstärke und Schweiß. Heute werden im Verhältnis zu uns selber die Ansagen recht kurz gehalten und ein Song jagt den nächsten. Dementsprechend steigen die eh schon fortgeschrittenen Temperaturen ins Unwahrscheinliche. Ein Heidenspaß macht das ganze. 

Der Abbau muss heute schnell passieren, da gleich noch eine Techno Disko stattfindet. Wir wuseln zwischen Merch, Gesprächen und Equipment-Schleppung hin und her. So erfahre ich zum Besipiel, dass eine Gruppe aus Münster die 300 km hier her auf sich genommen hat, um mit uns zu schwofen. Guter Geschmack kombiniert mit starkem Willen überzeugt. 

Nachdem der Bus sicher abgeschlossen und voll mit Zeug ist begeben wir uns noch auf einen Schwank in den muckeligen Backstageraum. Die uns kredenzte Flasche "Kettenfett"* wird gut angenommen und ist schon in den letzten Zügen. (* Ich meine es ist Wodka mit aufgelösten "Türkisch Pfeffer"(Lakritz Bonbons)). Mein Bruder war seinerzeit ein guter Hersteller dieses Tropfens, ist aber schon mindestens ein Jahrzehnt her, dass ich es zu mir nehmen durfte. Es tut, was es soll. Wir werden bald gebeten, den Ort zu räumen, weil jetzt die Disko-Dj`s eintrudeln, die sich hier ordentlich und vor allem in Ruhe mit Kettenfett beballern wollen. Ha, schnell leergemacht und abgezappelt. 

Marv kann fantastischerweise noch fahren und tut dies bis zum Hotel. Einparkchef ist jedoch Hirsch, ich steig beim Fahrerwechsel besser aus, weil ich hab  dabei schon leichte Schwierigkeiten und Hirsch hat einen ähnlichen Breitengrad. Und da parkt der Chief schon grade schief. Traumhaft. Zimmer werden aufgeteilt, Hirsch und ich singen beseelt :"Ich wär so gern noch mal ein Kind". Funktioniert mit Kettenfett doch gut. Da wir rücksichtsvolle Menschen sind, die anderen nicht zur Last fallen wollen, vor allem was Schlafentzug angeht, verlagern wir unsere kleine Feier vor die Tür des Hotels nach draussen. Nach einzwei Stunden kommt der sehr gut draufe Hotelier zu uns und bittet um Entfernung. Wir nennen ihn Mathias Gutdraufski (vorhin konnte keiner sein Namensschild mehr lesen, aber die Silbenverteilung kommt hin), weil er uns einen Kiosk auf der gegenüberliegenden Strassenseite empfohlen hat.  Besonders die Öffnungszeiten und die Getränkepreise seien im Vergleich zu der Hotelbar unschlagbar. Wir erinnern uns dessen und eiern über die schwach befahrene Strasse hin zu bunten Lichtern. Das Spirituosen Geschäft hat tatsächlich alles was das Herz begehrt und es wird sich eingedeckt. Direkt am Kantstein der Kreuzung wurde vom Staat eine Art Diskolampe bzw Blinklicht aufgestellt. Es konnte nach unserem Geschmack etwas öfter die Farben wechseln, sind aber trotzdem begeistert. Zur Beschallung haben wir eine kleine portable Box dabei, die herrlich Musikabspielen kann. Hirsch und ich DJayen uns um Kopf und Kragen und sind wieder mal der Meinung das "A-HA" und "Münchner Freiheit" unterschätze Punker sind. Weder die Diskolampe, Mathias Gutrdraufski nennt sie später etwas nüchtern "Ampel", noch wir werden müde , doch als wir irgendwann ins Trockene geraten, naht das natürliche Ende. 

War das ein gelungener Abend. Wieder mal hat eindrucksvoll das "Wie" über das "Wo" und das "Wer" über das "Was" triumphiert. Wir sagen Danke Aachen und freuen uns jetzt schon auf ein baldiges Wiedersehen. Gute Nacht.

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