Arm, Kassel

Geschrieben von Pensen

Mein erster Blick des Tages fällt auf einen abgeschnittenen Schweinskopf. Och schön, Dickie! Zum Glück nur die Titelseite eines Feinschmecker-Magazins, denn wir befinden uns im "Mercure"-Hotel. Feine Leute, feine Sachen. Hirsch höre ich beim Vollbad nehmen, gute Idee, aber erstmal Käffchen. Dragan, Yonas und ich werden mit frischem Rührei verwöhnt, als Max Power den Saal betritt. Auch gestern gab´s n Lüttn, gut zu erkennen an der Frisur."Alder, Leute, ich gestern doch tatsächlich noch für 90Euro ne Eishockey-Flatrate gekauft. Auf süß, war nur ein Klick." Ich schwanke zwischen Respekt und Mitleid, er aber auch, sich selbst gegenüber. Jetzt bin ich auch bereit für die Badewanne. Herjeh, wie gaal.

Hirsch und Yonas holen heroisch den Bus vom Club und wir begeistern uns ne gute halbe Stunde für die Drehtür des Hotels. Einzellerhumor. Bitteschön.

Die Fahrt ist wie immer. Viele Menschen auf engstem Raum und Podcast und Tourberichte für die ganze weite Welt werden produziert. Überlegenes Material. Die Fahrt ist höchst überschaubar mit ihren 150km. Zur Abwechslung natürlich auch ma klasse, Kurzstreckenambiente. Das Ziel Kassel ist bald erreicht und wir biegen ins "Arm" ein. Kenn ich noch gar nicht, ist aber besonders nett und wir dürfen schon in die Künstlerwohnung und allgemeine Ablegung ist angesagt. 

17:30h ist Ladetermin und wir lernen auch den sympathischen Veranstalter Steffen kennen. Dragan nimmt sich Yonas` Gitarre an und entfernt dekadenaltes Klebeband, was Yonas ungläubig aber freudigst zu schätzen weiß. Der Soundcheck findet heute mit Dragan am Mikrofon statt, dafür hat er keine Hose an, also keine Lange. Der Pischifleck auf der Kleinkarierten Boxershort ist gut zu erkennen und wir machen alle "Aaah" und "Ohh". Haarteil ist stolz wie Oskar. Zu recht.

Unten in der an die Wohnung grenzenden Küche wird gekocht vom anderen Stern, was noch klarer wird als wir die Mahlzeit zu uns nehmen. Schweinemedallions vom Rind mit Süßkartoffel auf Kurbis des Irrsinns. Der Salat ist mit Äpfel und angebratenen Wallnüsse derart delikat, dass ich huldigend nachnehme. Ernhans gutes Essen. Etwas leid tut mir Mo, der angepfiffen wird die Grausame Schlagerschelle abzustellen. Widerwillig lenkt er ein, im Sinne der Gruppe. Zurücknehmen kann voranbringen.

Wir sind heute erste Band und beginnen gegen 22:10h. Der Club ist wirklich schön gefüllt und ab Sekunde eins wird um sich getanzt. Ach ja stimmt, heute ist ja Freitag. Da zieht sich die erste Tanzhemmschwelle nicht unnötig in die Länge. Es wird mehr musiziert als gesabbelt, was ich heute als angenehm empfinde. Eine bunte Mischung aus Kasslern, Umländern und Flairisten bilden das heitere Publikum. Schnell tropft auch hier der Schweiß von der Decke und es ist alles angerichtet für die Jungs von Montreal. Zauberhaft.

Nach dem Ab- bzw Umbau hängen Dragan, Timlord und ich für ne halbe Stunde in der Wohnung rum, ziemlich abgekämpft, aber glücklich. Wir sind schon ein alternder Jungbleibehaufen royal. Als ich dann zu "Bernd" wieder nach oben gehe ist die Superparty schwer im Gange. So schwer , dass Hirsch sich beinahe um Kopf und Song moderiert, wäre da nicht Thomas Fahrrad, der interveniert und mich auf die Bretter bittet. Danke Dickie, ich würde vermutlich sonst heute noch gespitzt wie´n Bleistift hinter der Bühne stehen und auf meinen Einsatz warten.

Beachtlich ist unser aller Durchhaltevermögen der Feier an sich gegenüber. Zum Ende des Konzertes ist die ganze Meute schon wieder am Tresen versammelt und lässt es sich gut gehen. Dragan tanzt sogar. Herjeh. 

Mein liebstes Stillleben (mit drei "L") ist ein mittelalterlicher Inder, der unter einem ausgestopften Raaben über der Tür sitzt und guckt wie der Raabe. Seine Verkaufstrategie erschließt sich mir nicht ganz und irgendwann verschwindet er so geisterhaft wie er gekommen ist.

Das Beisammensein wird bald auf den Vorplatz der Wohnung verlegt. Ich belausche ein Gespräch zwischen Dragan und einer schon etwas angeschlagenen Dame. Ich krich es nicht mehr ganz zusammen, probiere es aber trotzdem mal: "Hey Hi, kommst du auch noch mit auf die Party, die ist nur 30m von hier?!" Dragan: "Nee, weisst du, ich hab echt grad echt viel Kacke gegessen". Sie: "Das wird bestimmt gut". Dragan: "Auf jeden fall, aber wie gesagt hab ich eben doch recht viel Scheisse gelöffelt. Kennst du vielleicht, so Spritzwurstmäßig." Sie, verständnisvoll: "Ja hey, kenn ich. Die anderen wollen nicht mitkommen". Dragan: Ich glaube die anderen sind schon los, vielleicht komm ich nach, aber guck mal hier ist noch n büschn Kacke über in der Schale." Er bietet ihr eine Schale mit dunkler, angelaufener Bratensoße an... Dann verläuft sich das Gespräch etwas. Ich steh am Kühlschrank und breche vor Lachen fast ins Eisfach. Ich weiss, dass das hier zu lesen grad nicht besonders witzig erscheint, Situationskomik und so. Aber ich schwöre, es war das beste seit sehr langer Zeit. Alleine die Gelassenheit in Dragans Stimme und ihr "Drübersein" mit verständnisvollem Interesse. Haartool: Weltklasse. 

Schöner kann ein Abend nicht zu Ende gehen denke ich und gehe in den Schlafraum. Da wiederum läuft fantastischer Boygroup-Sound, zu dem sich Hirsch einwandfrei zu bewegen weiß. Das beste Show-Utensil ist bekanntlich der gute alte Vorhang. Den gibt es glücklicherweise einmal durch das Zimmer gespannt und Hirsch setzt ihn in ungeahnter Manier ein. Ich halte glücklicherweise mit meiner Kamera drauf und hoffe das Haarteil (der übrigens in dieser Sekunde neben mir im Bus sitz und den Podcast schneidet) es entsprechend einfügt. Tanzgott, Schnittgott. Ein Wahnsinn das alles.

So nun aber der wohlverdiente Pennematz. Vielen Dank Kassel, bis bald ooohhnd Dschütz!

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