Muz, Nürnberg

Geschrieben von Pensen

"Mach das Licht aus oder ich reiß die Lampe ab!" Die Stimme ist brüchig, schmerzverzerrt aber doch von Ernsthaftigkeit durchzogen. Sie gehört Max Power, der über mir im Stockbett liegt, ungefähr 50cm unter den an der Decke befestigten Neonröhren. Ohne die kann aber wiederum Yonas nicht ans zu findene Habndtuch gelangen. Patt-Situation schon am morgen, aber gehört dazu. Als nächstes qietscht Hirsch, der seine Lieblingsmütze (Cap) komplett mit weißer Schmatze bemüllert, angewidert in den Händen hält. "Waaaruum?" Verstehe, die Herrren waren noch übern Hof in der Kneipe um sich die nötige Bettschwere anzueignen. 

Nach und nach kommt Leben in die Bude. Als ich unter der Dusche stehe dringt ein lautes Geräusch der wiedergefundenen Erinnerung zu mir herüber. Hauptdarsteller in dieser Szene sind Hirsch und Max Power. Die Hose von Max ist nämlich ebenfalls mit der rätselhaften weißen Glitsche voll. Da muss es doch ein Zusammenhang geben. Und was für einen. Herzzerreißend: Gestern zur späten bzw heute zur sehr frühen Stunde hat Hirsch in einem unkoordinierten Moment seinen Bailey´s (Kaffee-Likör) Herrn Power über die Hose gekippt. Hirsch erkennt die Ungerechtigkeit und aus purer Solidarität und Freundschaft nimmt er das volle Glas von Max und schüttet den gesamten Inhalt sich selber übern Kopf. Quasi als Wiedergutmachung. Deshalb auch die ominösen Spuren der Nacht. Ist das nicht alles romantisch? Wie wir uns gegenseitig auch emotional unterstützen und Missverständnisse sofort aus dem Weg räumen? Unwahrscheinlich.

Es regnet seit gestern Nacht immer noch in Strömen aber geladen werden muss trotzdem. Vom Leben gezeichnet aber keinen Deut Pflichtbewusstsein verlierend füllen wir den Bus. Erstaunlich warum immer noch gute Laune herrscht. Zumal von Privatsphäre seit guten 60 Stunden nicht mehr die Rede sein kann. Fern ab von Beinfreiheit oder sonstigen niederen Bedürfnissen.

13h ist Abfahrt nach Nürnberg ins Muz. Yonas springt als Fahrer ein denn Hirsch wie gesagt, na ja, Stichwort "Baileys". Am Ziel gibt´s Brezeln satt, wegen Bayern. Und zum Abendbrot gibt´s Wurst (Nürnberger, is klar) und Sauerkraut. Also falls jemand schon mal irgendwelche Vorurteile gegenüber Bayern gehört hat, sind keine, stimmt alles. 

Heute macht Mo den Merch den Lisa ist auf dem Weg nach Streichkäseland. Max Power, Flugzeug-Nerd, freut sich schon per Flugnummer und Handy-App ihren Flug vom Bus aus zu verfolgen. Es gibt so viele Hobbies, und neben Eishockey-Flatrates ist dies ein weiteres des unwahrscheinlichen Mister Pi. Auf seinem I Pad läuft Bayern während wir Nürnberger essen. Auch schon wieder n Derby.

DAS PACK beginnt um 20:30h mit dem guten Konzert. Schon bald merke ich das meine Stimme doch schon leicht angefressen ist, aber das tut der Qualität des Gesamtkunstwerks keinen Abbruch. Denn endlich wird auch mal Live die Geschichte erzählt, wie damals die Raubritter in Europa und auch Amerika ihre Kettenhemden in T-Shirt Fabriken haben herstellen lassen. Wir hatten ja nix. Dragan ist teilweise so begeistert von uns selber, dass er hin und wieder in die erste Reihe umzieht und einfach mal genießt und nicht nur performend. Wobei wir eigentlich natürlich fähig sind, dies gleichzeitig zu tun. Is eh klar.

Die zweite Hälfte des Montreal Konzerts sitzen Dragan und ich hinter Yonas´ Gitarrenamps und feuern die Jungs noch ma extra an. Einfach eine wunderbare Band. Dann darf ich mir sogar noch "Wir sind die Gang" wünschen, denn heute ist ja schließlich fürs erste der letzte Abend von unserer Freundschafts-Doppeltour. Man mag gar nicht dran denken..

Um 23:00h ist heute schon Curfew und dementsprechend früh sind wir gepackt und auf dem Weg ins Hotel. Passt aber glaub ich auch ganz gut zu dem geschwächten Fleisch , was um unsere Gehirne wabert. In der Pension erwartet uns auf der Treppe ein beängstigend großer Menschenfresser-Hund. Ganz friedlich sitzt er da. Ich schleich mich auf Zehenspitzen an ihm vorbei. Als ich merke, dass er zahm ist, streichel ich ihn sogar. Aber am besten gefällt mir, dass er aus Stein ist. Den Abend lassen wir noch auf ne Cola bei Hirsch und mir ausklingen und lauschen den Tourgeschichten von Dragan. Lange halten wir aber nicht mehr durch, denn die letzten Tage haben Kraft gekostet aber mindestens so viel für die Zukunft gegeben, alles genauso wieder zu tun. Eine zauberhafte Viertagesrutsche ist nun vorbei und ich freu mich schon auf Dezember in Berlin, denn da kommt die Supercrew wieder zusammen. In diesem Sinne, vielen Dank an alle Beigewohnten und bis bald. WIr sind die Gang.

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