Stadtgarten, Erfurt

Geschrieben von Pensen

Selten so guten schlechten Kaffee gehabt. Die asiatische Frühstücks-Cheffin des als Ibis getarnten Etap Hotels zieht sich grad noch schön ein aufpeppelndes Heißgetränk aus der Supermaschine. Latte Grande mit Schirmchen und Keks. Ich frage freundlich und noch leicht zerschellt ob es auch noch einen Kaffee für mich geben könnte, doch das ginge nicht mehr. Sie muss die Stimme leicht anheben, weil das Gurgeln und Aufschäumen doch recht laut ist. Innerlich muss ich mich, überfordert des Paradoxums wegen erwischen, wie ich doch etwas machtlos in mich hineinkicher. Steht sie tatsächlich da, neben der geilen Maschine und zeigt auf den KackeAutomat im Flur. Ja, auch im Etap gibt es noch die zwei Klassengesellschaft. Egal wie fertich die oberen sind, nach unten ist treten immer machbar. Und sei es nur den etwas süßsäuerlich riechenden PäckchenSänger in die kulinarische Unterschicht zu befördern. Zycho Digga zycho.
Ich genieße aus tiefstem Herzen, neben Schikane-Gestöhne meinerseits, den im braunen Becher automatisch kredenzten Kaffee. Ob sie auch n Schluck will? Aber nein, sie hätte schon. Zu dumm um verarscht zu werden.
Meine Bandfreunde Timmey & Olli waren im Gegensatz dazu schon im Baumarkt (das Etap Ibis befindet sich im Niemandsland des Industriegebietes) und haben leckerst belegte Brötchen geholt. Für alle. Das nenn ich doch ma vorausschauende Nächstenliebe. So geht's auch, direkt kommt die Sonne raus. Wun der schön.
Die Fahrt nach Erfurt verläuft gut und nicht so lange, ich schreibe Tourbericht und Timmey dampft. Schon um 14:30h biegen wir auf den Dezembersonnendurchfluteten Hof des Stadtgartens. Gemütlich hier und locker 15 Grad. Weihnachten kommt mir dieses Jahr etwas spanisch vor. Ich bin kurz vorm Lispeln. La citronas!
Friedliche Fröhlichkeit herrscht, der Laden ist hübsch, romantischer Ostschick in Optik und Geruch. Friedel legt Exiltabellen an, die Madsens empfehlen Goulaschsuppe, die heute sogar noch der Erbsensuppe vorgezogen wird. Ich schlage zu und bin entzückt. Auch betört mich eine gewissen Vorfreude, denn heute kommt das Geburtstagskind Herr Klose vorbei. Es wird unsäglich.
Dann wird geladen und gesoundcheckt, ich zum ersten mal mit meiner roten SG Gitarre, und lasse es mir gefallen. Schweinefilet und Rosenkohl im Anschluss und dann heißt es Besuch empfangen. Danach werde wiederum ich eingeladen am Ende von "Nachtbaden" den SplätterTodesEndRefrain mitzusingen, es prickelt vor zuteilwerdender Ehre. Herrje hab ich Bock.
Mücke, Katze und ich räuchern im Innenhof während im Saal die Türen aufgehen. Von dem überdimensionalen Spezialbalkon lässt sich das Leben im untern Bereich gut beobachten. Wenn ich ne Kaffemaschine hätte, müssten die alle zum Automaten. Is eh klar. Wie schnell man selbsterleidete Misgunst aufnimmt und weiterlebt. Herrgott wie menschlich.
Die Ansage von Nico wird heute vom Subbass unterstütz, kommt hervorragend an und Erfurt dann auch bei uns. Und andersrum. Das kann ja noch was werden heute. Saschas todesengelsgleiche Stimme zerschneidet schreiend die Luft, Timmey spielt ein sensationsverdächtiges Stadionbreak und Herr Klose winkt von der Ballustrade. Mehr geht ja nu wirklich nicht. Dabei hätten wir fast ohne unser hübsches Banner spielen müssen, weil die lokale Feuerwehr schwer auf Zack ist. Zum Glück haben wir unser B1 zertifikat immer in der Hosentasche, falls man mal eins brauch.
Die Temperatur im Saal ist hochsommerlich, Schweiß der Liebe tropft aus allen Richtungen. Offensichtlich gibt es eine seit Jahren bestehende Beziehnung zwischen Madsen und Erfurt. Man hat sich gern. Maxi macht mörder Licht und wir sind beschwingt, wenn nicht sogar hin und weg. Dann darf ich auch noch meinen Senf zur final-musikalischen DelikatessWurst geben, Sebastian und ich als eng verschlungener Brüllwürfel. Zu schön.
Danach heißt es sich wieder auf die Fischmarktinstinke besinnen und Cd's in rauen Mengen sanftem Publikum zu unterbreiten. Wird gern genommen, und so feiern wir uns noch durch den Restabend hindurch, denn Gründe gibt's es ja heute reichlich.
Irgendwann zutzeln wir los Richtung Weimar, nicht aber bevor ich Mückes NovemberrainSolo bei "Kompass" explizit gelobt habe. Lob unter Gitarristen? Hab ich ja noch nie gehört. Es muss Liebe sein.
Familie Klose wird mit in den Bus geladen und so gurken wir mit "Don't stop me now" auffe Ohren durchs nächtliche Thüringen. Dieses mal ist das Ibis Budget aber mal wirklich das Etap von damals, mit blauem Plastikmamor in der NassbereichsEcke und ein aus Kunststoff gegossener Bad-Einteiler. Ohne Brille und sonstigen Schnickschnack, eh klar. Dafür gibt's aber einen megageilen Suppenautomat unten im LobbyFlur mit Internetstation neben dran. Sofort wir "Baum" von K.T. Clue aufgelegt, später zum tanzen Ingwey Malmsteen. Welch gelungener Ausklang eines nicht minder klassen Tages. Und Leute, Herr Seagal lässt uns auch diesmal nicht unbeschützt in den wohlverdienten Schlaf entschwinden. Danke Madsen, Steven, Erfurt und Herrn Klose, dass wir dabei sein durften. So, nun schieß die Bösen allaalle tot Steven, Danke. Eine gute Nacht euch, auf bald.

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