Engelsburg, Erfurt

Geschrieben von Pensen

8 Uhr. Fuuaacck. Dabei hätte ich doch, könnte ich doch, hätte ich doch gekonnt. Doch die Wachheit bahnt sich ihren Weg, den ich schlafend nicht erkannt hätte. Hätte können. Na gut, dann lecker Speck. Ursi, bereits frisch gewaschen, und ich dödeln nach unten und kredenzen uns mit Kamera-Dame Susi Melone und Bohnen. Das Personal ist auffallend zahlreich und sich gut untereinander verstehend anwesend. Selten aber süß.
Die Rogers hingegen kehren schon wieder von der Terrasse zurück, prepariert für Fahrt und Tag. Olli hat dafür mit einer Herzchirurgin bis spät in die die die Ebenen der MolekularEnergie besprochen. Die erste Einheit Busfahren übernimmt dann ma Ursi.
Schon wieder ist Sommer obwohl wir auf HerbstTour sind. Petrus, das frech-anarchische GötterSchweinchen, tut und lässt, würzt und kürzt was es will. Hochsommer im Herbst, Ostern mit Spekulazius und Geburtstag mit Stiefel rausstellen. So wird's zumindest nie langweilig.
Unser heutiges Ziel ist das von uns gemochte Erfurt, heute zum ersten mal in der Engelsburg. Diese ist gut mit dem Zug erreichbar, so dachte es sich auch Nico, der tourleiterisch bereits 5min vor unser Ankunft nackt mit wedelden Pässen auf uns wartet. In Absprache mit Kreativ Ov´berhaupt Shcmiddlfinga, bekomme ich den mit der zauberschumen Aufschrift "Pimmelqueen". Damit es auch keine Missverständnisse gibt. Tatsächlich ist dieser sympathische Kosenamen in der Stadt entsstanden. Seiner Zeit im formidablen Museumskeller, wo Schmidll für uns Support mit Schnapsrad des Taodes gemacht hat. Ich wollte sein Konzert für'n Moment von hinten filmen, und enterte in understatemännisch die Bühne. Der Kommentar übers Mikrophon für alle: "Ah, Pimmelqueen". Hölle aber liebenswert.
Nun also mit Tourpässen ausgestattet kann das ganze seinen geregelten Lauf nehmen. Auch des Punksrocks wegen. Der Soundcheck stellt sich heute als störisches, altes Pferd heraus. Ständig piept uns pfeift es, nicht leicht im säulendurchtrennten Gewölbekeller die Schöhnheit mit brutaler Lautstärke zu verbinden. Wird aber selbstverständlich gemeistert.
In der folgenden Stunde Freizeit gönne ich mir ein Stück Kulturkuchen mit Sahne. Ich schlender Richtung Dom, der witzigerweise genauso wie der Rogers Drummer heißt. Crazy World. Auf dem Vorplatz herrscht musikalische Idylle. Denn das Erfurter-Weinfest ist im vollen Gange. Es gibt sogar eine Bühne mit Alleinunterhalter Jörg Enkelmeier (Name nur angelehnt), der HitsHItsHits spielt. Dazu noch einhändig trompete. Ein Übermensch. Die Sonne knallet und die Tische sind spärlich mit rosroten Weintrinker Gesichternbesetzt. Da, ein Tanzpärchen. Ich ? Erste Reihe. Digga ahn ma. Ich wippe wie es sich gehört schwofend mit Füßen und und summe "Ein Stern" Gedanken versunken verliebt mit. Es kann doch eigentlich auch alles so einfach sein. Auch sehr geil "Ich fang dir den Mond mit einem goldenen Lasso". Kannte ich noch gar nicht. Welthit. Muss man erstmal drauf kommen. Tourmütterchen Nico schreibt, dass es nun Essen gibt.  Ich schlender in den uhrigen Hinterhof, weil da eine Kukuksuhr hängt. Eine lange Tafel ist bereits angerichtet, es gibt Fleisch mit in Scheiben geschnittenen Knödeln, die aber hier zu Lande eventuell Klöße heißen. Gemeinsam mit Stereogold Speise ich am Katzentisch. Mat lässt es sich so gut schmecken, dass auf Grund des zusätzlichen Fleischgewicht die Bank unter ihm ächzend zusammen bricht. Immer diese jungen Punkrocker. Und es geht schlag auf Schlag. Just in diesen Augeblicken stoßen auch "König Drosselbart" aus Geismar an der Röhn dazu, die heute weltsensationelles vorhaben. Sie werden die Vorband der Vorband sein, nachdem wir uns wiederum selber schon akkustisch vor der eigentlichen Vorband supporten. Kaum einer blickt da mehr durch, lässt aber einiges für den Abend erwarten.
Und zack steht auch schon die autarke Drosselbart-Backline im Raum, es darf getanzt werden. Locker 30 40 Leute sind schon zur Unplugged-Session gekommen, RogersPäckchen sind stromlos, fröhlich ins Gemäuer. Im fließenden Übergangs das die Bärte, die sich der Trio"-Erkänntnis hingeben, dass Bass in der Bänd hektisch überbewertet ist. Die Leute feiern es, ich bin unter den Leuten. "Ich rate dir den Griff zum Bier". Okidoki, amch ich mit. Während dieser Klänge zutzelt auffällig geschäftig der Lichtmann an der Lampen. Immer seine Kleine Trittleiter im Arm, untersucht er stirnschwitzend die Hellmacher. Nach Drosselbart dann die Ansage im Backstage: Die Lichtanlage tut was sie will. Unbändbar. Es gibt zwei Stimmungen im Angebot. Nummer eins: DiscoPutzlicht im ganzen Raum oder stockdunkel mit etwas roten Schimmer auf der Bühne. Okjklacool. Dann das mit dem Rotlicht, passt auch besser zu unserer Mucke. Hu. Stereogold haben selbstverständlich auch noch programmierbare Stab-Scheinwerfer im Auto. Eh klar. Ham wir auch sonst immer nur halt heute nicht. Diese Beleuchtungsituation schreit nach ausgleichender Gerechtigkeit und so laden wir kurzerhand alle Ticketbesitzer gratis zum Konzert in Leipzig am 23.09 inder Moritzbastei ein. Grünes Licht für Wiedergutmachung. Haben die bestimmt.
Heute spielen wir schon wieder zwei Weltpremieren. "Mein hartgekochtes Herz" und "Wann kommst du vorbei". Dazu auch noch das allerersteMal "Schwach sein" mit Posaune und "Treue oder Pflicht". Läuft alles wie am Schnürchen, der rote Faden gut erkennbar. Ach so, wegen Scheinwerfer. Fadenscheinig. Arm.
Nach unser Zugabe schwellen "Hula Hoop" EinforderungChöre auf, wir tun wie uns geheißen. Herrlich. Unsäglich schweißlastig auch das alles. Im Backstage spielen die Rogers noch Couch-Kneuel, wo beliebig viele Teilnehmer mitmachen können. Ich trockne meine klatschnasse HippieMähne mit roten Papierservierten, die unter der Last der Feuchtigkeit alsbald in Trümmern zu Boden fallen. Dann n büschn frische Luft schnappen und Rogers gucken. Später bei "X-Berger Nächte" und "Anders als ihr" ist wieder das liebgewonnende MassenTohuwabohu. Nick und ich im schicken Füße dress, Nico im Blink 187 Shirt und JP der KabellagenMeister. Leider ist das tropische Bühnenklima etwas stromfeindlich und zersetz so manche Verbindung. Dazu kommen ekelhaft große Kabelknoten die im Schummerigen eher wie gepimpte Teranteln aussehen als wie helfende VerstärkungdSchnüre. Deshalb fällt Akkustikgitarre heute aus, kann ich wieder beim heute Erfurter Dom ordentlich mit auf die Kessel hauen. Nice. Chri verschönert noch per Gitarren Kopf den Tourleiterkopf, ich sleide ( von engl "slide") mit Drumsicks auf Nicos Klampfe und die anderen machen auch alles was. Zauberschaum.
Ein vierstündiger Musikabend kommt zum Ende, wir sitzen ob an der Luft im Eingang, schnackel hier und da und rödeln den Bus voll. Teile von uns bleiben in Erfurt andere ballern schon nach Goslar. Alle wohl wissend, dass das heute Freude bereitet hat.
Erfurt du Heißsporn, es war mal wieder zuckrig. Obwohl ich schon die Museumskellerschen Wurstplatten vermisst habe, die sich immer wieder von Geisterhand gezaubert, von alleine auffüllen. Wir hoffen auf bald, bzw sind wir ja nu alle in zwei Wochen verabredet, Leipzig wir konn. Vielen Dank euch allen und eine Gute Nacht.

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