Junge Bühne, Goslar

Geschrieben von Pensen

Es knirscht im Gebälk. Herrje, ich fühl mich wie tausend. Aber nicht von der Menge her sondern vom Alter. Aber Hey, dafür sind wir bereits in der Zielstadt. Ich schau mich um und entdecke durch die Fensterglasscheiben bewachsene Berge und blauen Himmel. Ah, Harz, aahh Goslar. Wun der schön. Timmey verfügt über einen SonnenDeckBalkon, da heißt es nun sitzen und vielsagend gucken. Mit Käffchen, eh klar.
Heute wird die Junge Bühne beim Altstadtfest bespielt, die im Innenhof der Hauptschule steht. Da wir ja sportliche Spezialfutzies sind, haben wir aber je zwei Gigs, gegen Langeweile und Faulheitsverleumdungen. Nachher kehren nämlich hier noch die Monsters of Liedermaching ein, Timmey seinerseits spielt mit seiner Band L.O.W. auf. Deren aktuelle Veröffentlichung ist von 2002, dafür sind aber die Bärte länger und dichter als damals und die Schultern breiter. Die ganze WiederauflebungsSache kam buchstäblich durch eine SchnapsIdee zu Stande und nun ist es nicht mehr zu stoppen. Schnaps ist Schnaps und Band ist Band. Da L.O.W. schon um 17h dran sind und die Monsters gegen vier hier bei Timmey wegen CDs-Abholung vorbei kommen, warte ich "Pensen allein zu Haus"-mäßig auf Besuch. Kommt. Schnettelmeier, der fluoreszierende Tornado, Bremmelmann mit Dame und Stabilitätzio, alle sind dabei. Wir bilden eine rauchende KartonKette und hüsern alles in den Sprinter. Dieser ist ein Upgrade mit einzelstehenden Ledersitzen aus lebenden Krokodilen. SchnappSchnapp, aua meine Armlehne.
Die Luftlinie beträgt ungefähr 500m. Da aber Goslar aus natürlich gewachsenen Einbahnstraßen besteht brauchen wir doch ne gute halbe Stunde bis wir Hilfe holen und Sabby uns den Trick der Bühnenfindung vermittelt. Unsere Tourfriends von der Rogers sind längst da und lümmeln gemütlich auf Bordsteinkanten. L.O.W machen bereits Soundcheck. Die Sonnen entschwindet langsam hinter den Häuserdächern, der Schulhof wird in spätsommerliches Licht gehüllt und dann geht's auch schon los. Herr Schmidt macht Sound, Timmey spielt Solo, Der Sänger singt, Ede spielt Grooves, Marv Gitarre und Volker sieht sehr sehr gut aus. Wir anderen tanzen vor der Bühne und machen touristenhaft Fotos. Sabby steht mit Goslar da, Nostalgie und anderthalb Bier im leuchtendem Blick. Zuckersüß.
Später stößt Rüdiger Bierhorst dazu, dann auch die heutige Hauptperson Jens Burger, der das Geburtstagskind ist. Hallihallöchen! Prost und Glückwünsche.
Der Backstagebereich ist im zweiten Stock, natürlich im Klassenzimmer, weil Schule. Da wurde aber ganz klar was dran gemacht, denn es gibt eine Kochstelle. Heidewitzka Herr Kapitän, ein Showkoch. Nicht schlecht. Wir sind ca 20 hungrige Mäuler, Nico Roger fängt mit der Bestellung an und es wird bald klar, das man seine Bestellung besser einfach hält, weil sonst eine Art Hungersnot zumindest ausbrechen könnte. ZeitlupenJerrys Essen schmeckt aber gut, Schali und ich mümmeln fröhlich Bolognese. Währenddessen macht Multifunktionali Tottovic noch ein Interview für eine Dame mit Schreibblock plus mittelalterlichem Fotograf. Nico Behr hättet ihr sehen sollen als er diese Szenerie erfasst. Er stößt mich ungläubig an und sagt "Guck mal, die schreibt das auf. Mit Stift auf Papier". Dazu muss vielleicht gesagt werden, dass Nico zehn Jahre jünger ist als wir und ihm ein Anblick von Karo-Blocks ungefähr das vermittelt, was für uns ein Telefon mit Kabel ist. Vergangenes, überholtes Material. Ich bin amüsiert.
Dem Presseduo gefällt es so gut, dass die nun langsam mit Futter ausgestatteten RestMusiker sich Teller balancierend ums Sofa drängeln, und der Esstisch weiterhin besetzt bleibt. Da ich zweiter bei der Essensausgabe war, hab ich noch einen Platz am Tisch ergattert zusammen mit JP und Dom. Vergnügt lauschen wir den gefährlichen Backstage-Geschichten des Presseteams und verfallen auch alsbald in verbal-sinnsuchende Dümmlichkeiten. Aber mit massenweise Fun.
Massenweise Fun gab's wohl auch laut Nico noch gestern Nacht bei der Erfurtschen Hotelsuche, denn es gab keins. So, und nun finde mal um kurz vor Tauend in Erfurt ein Hotel. Eben. Ab nach Weimar und die letzten Suiten mieten. Geld bockt nur wenn es ausgegeben wird. Hu.
Dann sind die Rogers dran. Der Platz füllt sich erfreulicherweise langsam mit Menschen. Ich zieh mir meine Sportsocken über und dann geht's auch schon los und zwar ohne technische Probleme. Das eben die komplette Anlage bzw der Strom ausgefallen ist lag nämlich nur daran, dass eine Kamerafrau unmerklich den Haupstecker mit dem Fuß rausgezogen hat. Hupsi, das kann passiert.
Schali macht n klasse Sound, wir spielen wieder "Creme dich ein" und "Meilenweit" aber natürlich auch unseren heutigen Spezialhit "DruckausübeGerät (wär schon wenn es schneller geht)". Das "Schlittschuh-Lied" wird mit den Monsters gemeinsam performt, ausser Pfeif-Labinski, der grad Bier holen ist. Auch das kann passiert.
Nach dem Dschidsch ist vor dem Dschidsch. Verschwitzt knutsche ich noch die Rogers Goodbuy und ziehe mir flugs ein unbeflecktes Hemd an, denn jetzt kommen die Monsters. Der Platz ist voll und wir auch alsbald, denn die Forderung nach 6 Cola Korn wird vom aufmerksamen Bühnenpersonal in Rekordzeit ausgeführt. Herje, ernsthaft eins zu eins gemischt. Hellbraun und durchsichtig, ungenießbar und effektiv. Das Landvolk weiß Dinge, was Städtern so nicht erklärbar zu machen ist. Gottogottogott, und jetzt "Trink mit mir". Schnetti, Totte und Labinski verteilen von Nico geöffnete Biere und die Konfettikanonen stehen nicht mehr still. Unbedingt erwähnenswert ist noch die Version von "4 Meter". Totte freestylt das Lied komplett neu, Strophen wie Refrains. "..und ich wünschte dies Mische wär 4 Meeeeter lang.." Genial. Fred fällt vor ihm huldigend auf die Knie.
Irgendwann später, nachdem wir am Merch und überall waren werden wir ins Hotel gefahren. Rüdi, Timmey und Volker gehen noch in die Kneipe, uns zieht es in den Wald. Schon bald gibt es keine Strassenbeleuchtung mehr und es holpert doch ordentlich. Die Entschädigung ist der sternenklare Nachthimmel, der aus einer Hügellage bewundert werden kann. Ein bunter Getränkekasten lässt uns noch zusammensitzen um uns bereit für die Panoramaterrasse zu machen. Diese haben Nico und ich entdeckt, denn wir sind in Haus 1. Da wir uns als Gruppe vor dem hunderte Meter entfernten Haus 2 niedergelassen haben, heißt es irgendwann Aufbruch zum Panoramaidyll.
Die etwas gruselige Stimmung kreativt bei Totte Horror-Geschichten zum Vorschein. Und zwar solche, die aus der Perspektive des ersten jugendlichen der die Gruppe Richtung Wald verlässt spielt. Nicht die langweilige Variante, wo die Gruppe den Einen Nichtwiederkehrer sucht. Nee Nee. Schauerlich.
Auch auf der Terrasse bietet sich ein Gruselfilm-würdiges Ambiente. Die Sicht ins Tal ist durch die Tageszeit (4h morgens) getrübt, die Bergkuppen aber gut sichtbar. Das Zentrum des Horrors bildet aber eine Art Zwergensiedlung mit vereinzeltem Restlicht hinter den Fenstern. In der Mitte der kreisförmig aufgebauten Minihäuser glimmt noch ein Lagerfeuer, sich nicht mehr lange selbsterhalten könnend vor sich hin. Crazy das alles. Aber wir gruseln zurück und zwar mit Schalis Stableuchte. Zwar nur Daumendick aber mit brutaler Überpower im Innern. Klack klack. Die Untoten Insassen der Häuser denken bestimmt gleich donnert's, denn die übernatürlich hellen Blitze peitschen bereits im Sekundentakt durch das Lager. Hehehe...
So endet dieser zauberhafte Tag, Goslar das war schön. Nächste Woche geht's in Wiesbaden weiter, aber für heute erstmal vielen Dank und gute Nacht.

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