Schlachthof, Wiesbaden

Geschrieben von Pensen

Man sagt heute sei der letzte Sommertag des Jahres. Hochsommerliche Temperaturen, blauer Hamburger Himmel, frühe Tageszeit. In Anbetracht dieser Faktoren scheint ein Freibad-Besuch mit Pommes satt und Capri zum Nachtisch unausweichbar, unabdingbar, fast schon verpflichtend. Aber Freunde, weit gefehlt, denn wir haben uns für die Mission entschieden: Lebensverbessernder PlexiglasPop zum anfassen & loslassen. Deshalb tun die bevorstehenden 600km auch nicht weh, sondern schüren Autobahn-Vorfreude. Scheiß auf Freibad. Kann jeder, soll auch jeder, es wird schon seine Gründe haben.
Gestartet wird aus Hamburg, wo wir die letzten Tage im Studio verbracht haben. Neue Schande abklopfen, neue Klopfer abschanden, so halt. Um 8:47h verlassen wir das Haus und treffen nach längerer Pack-Abstinenz den hervorragenden Tacken, der uns bei allem hilft. Vor allem beim vergessen dieser "Es ist Sommer lass uns doch rausgehen"-Subkultur-Scheiße. Ab ins Auto und los.
Wie erwartet verfliegen die Kilometer wie im Fahren und Sekunden später bewundern wir den neuen Schlachthof. Die alt-erwürdige Räucherkammer mit anliegender Superhalle ist nun ein flaches Stück Fußboden aus Sand mit schickem Flatterband begrenzt. Hier waren wir auch immer gerne Gast, zum selber spielen aber auch Slayer hab ich mir hier reingezogen. In Originalbesetzung. Herje, wie unwiederholbar.
Dafür hat's die Alpentapete von damals auch in den jetzigen Backstageraum geschafft, es werden Posaunen Fotos geschossen, ausgeladen, Brötchen gegessen. Die Rogers sind schon fleißig am checken, Veranstalter Hannes betüdelt uns liebevoll und die landeshübscheste Tonassistentin schwebt mit XLR-Kabeln durchs Universum. Herje, ich geh Pute mampfen.
Heute kommen auch wieder die Drosselbärte dazu, Stereogold kommt auch an, ich glaube heute kommen alle an. Nur Nico nicht, aber hoffentlich auf Mallorca und JP hat Rücken. Gute Besserung an dieser Stelle nach Düsseldorf und ein fröhliches "Fickt euch" nach Mallorca. Wie gesagt wir wollen nicht in die Sonne und haben deshalb keine Gefühle.
Um das Schlachthof Gelände gibt's einiges zu gucken. Es wird geskatet, Beach Volleyball gespielt, selbst eine Band unter einem Aufstellzelt ist dabei. Ich zieh mit die Skater rein und bekomme den kompletten Soundcheck mit. Eine kleine Sängerin die lieblich französisch anbietet. "Zaz" und so was. Erzeugt immer wieder einen gewissen Zauber, wenn auf dieser Sprache gesungen wird. Die Welt ist ein Croissant. Der Herbst zeigt seinen schönsten Blätterteig.
18h, der Chef hat gekocht. Welch butterweiches Fleisch, man braucht nicht kauen sonder es zieht von alleine in die Zunge ein. Nice. Dann aber nur schnell jetzt keine Zeit verlieren, denn oben vor der Tür ist gleich AkkustikSession. Das Rodsch und Die Packers klampfieren sich gegenseitig zu, Stereogold spielt erstmals auch einen und dann übernehmen die Bärte. Alles draußen und mit E-Gitarre. Es wird amtlich angeboten, im Garten vor dem Haus. Schön Dickies. Dann alle Mann rein und Streptokokken-George fangen an.
Cyborg hat sich heute von uns das Keyboard gewünscht, soll er kriegen. Ziemlich pünktlich um 20:30h heißt es Päckchen. Heute gibt es einiges zu lernen über BananenShakes, Holzhobeln, The Cure und Argentinien. Also doll. Cybie wird dann tatsächlich sogar zweimal beklatscht, Olli spielt gottgleich Posaune und wir vergessen aber auch nicht uns alle hier einfach mal für unser eindeutiges MenschSein zu schämen. Und jetzt alle! Funktioniert. Alle wahnsinnig. Aber süß.
Später bei "Kreuzberger Nächte" wird wieder ordentlich rumgemüllert, SchickNick im Füße-Batik-Shirt, passt gut ins blümerante Gesamtgefüge. Da ja wie eingangs beschrieben noch Sommer ist, wird noch ausgelassen vor der Tür gelungert bis wir den Weg nach Weinheim antreten. Ja genau, wir ham noch n kleines Stück. Aber schon die halbe Miete nach Karlsruhe. So was klasses.
Das N&H Hotel hat musikalische Portiers und neuerdings auch Partypeople, denn Olli & Tacken zieht es noch ins 20km entfernte Mannheim, hier is ja nix. Ich knödel hoch ins Zimmer und geb mir noch "Alle Spiele , alle Tore" der Europaleague. Es gibt wirklich enorm viele Städte in Europa und die meisten haben einen Fußball Verein. Mein Glück, denn Trödeltrupp ist nu wirklich heute ganz arm. Da verkauft einer seine Playmobil Schiffe. Also sowas. Zum grünen Rasen einschlafen, herrlich.
Vielen Dank liebes Wiesbaden, das war doch schön. Bis bald und gute Nacht.

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