Studio 104, Ravensburg

Geschrieben von Pensen

Schüss Ursi, gute Fahrt! Er muss doch schon einen Zug früher nehmen, weil der Eigentliche ausfällt. Statt Streik, der ist schon zwei Tage vorbei. Schmiddl und ich gehen unten im fensterlosen Frühstücksraum kaffieren. Überall laufen komplett zerstörte Halbrussen durch die Gegend. Ich werde von einem beim Brötchennehmen angerempelt, weil er grad GläserNachschub hinstellt. Hä? Achso. Nee. Moment. Ah, Hotelbediensteter.
Schmiddl schnappt in Nebengesprächen auf, dass der Kollege doch noch etwas auf dem Zahnfleisch geht, weil seine MafiaFriends heute bis 9h morgens sich das haben gut gehen lassen. Es sei ihnen gegönnt, die Stimmung ist trotzdem interessant, weil man das Gefühl hat, dass es nicht grade unbedingt Blumenhändler sind. Nice.
Jetzt nach Ravensburg. Kein Mensch war jemals vorher da. Nicht Du, nicht ich, nicht alle. Also weit weg ist es schon mal. Müde bin ich. Immer noch. Ist es das Alter, die Gesellschaft? Wir sind beides. (Zitat "Smith&Smart"). Der Zusammenhang ist etwas weit hergeholt, aber egal.
In gewisser Resthelligkeit rollen wir auf den Hof, der gegenüber eine Tabledance-Bar zu bieten hat. Interessiert, keinen, lässt alle kalt, macht in uns Nix. Wir werden fröhlich empfangen und Tüdeln, Laden, Soundcheck und so. Noch gar nicht erwähnt habe ich in diesem Bericht, dass Schali seit heute Morgen dabei ist. Herzlich Willkonn! Er hat ein neues Gerät, sieht aus wie ein Tablett, mit dem man ferngesteuert das Mischpult aus, auch von der Büne steuern kann. Sehr gaal. So ne Klampfe bräuchte ich auch mal. Schön ausm Backstage den Gig spielen. Merkt vermutlich eh keiner.
Die Vorverkäufe sind heute so sympathisch gering, dass wir sonntäglich gute Laune kriegen. Schmiddlfinga hat schon angefangen und ich geh ma gucken, wie es so läuft. Tränen der Rührung rinnen über mein ledriges Gesicht. Junge Leute, leuchtede Augen, Sofa-artige Sitzbänke vor der Bühne, lachende Dritte und Drehende Räder. Zu schön. Wieder mal Schmiddls Höchstleistung. Alles was konstant ist, ist seine steigende Qualität. Da müssen wir aber heute ma schön mithalten. Gesagt getan.
Zum ersten mal lassen wir uns nicht vom Rock an sich die Anmoderation nehmen und lernen uns erstmal alle kennen und berichten von unserer Mission im Allgemeinen. Das scheint die Intimität noch zu unterstreichen und wir werden einen meiner Lieblingsabende auf dieser Tour haben. Zwar kommt ja noch einiges, trotzdem kann ich das schon mit Sicherheit behaupten. Zu schön.
Als ich nach dem Konzert in den Backstageberreich komme, läuft über Ursis Partykoffer das"Bacardi Feeling"-Lied, aber in Original. Vermutlich heißt es "What a feeling". Und what für eins. Ich find‘s so tierisch, dass ich es direkt von vorne anmache. Später schnall ich die von Schmiddl eingestellte Endloschleife erst. Richtich so. What a feeling. Schon bald bei DAS PACK als Outro. Ehrensache.
Die Gesamtstimmung ist erlesen gelöst und auch der Veranstalter Olli betüdelt uns vom allersfeinsten. Schmiddl Remixt sich in ungeahnte Sphären und wir wagen ua mit Dennis Jagut das ein oder andere Tänzchen. Die zwei Abschlusssongs (mit drei "s") sind heute "Küchenlied" von Danny Dziuk und "Vorbei" von Tempeau. Zauberschaum.
Dennis fährt uns mütterlich ins Hotel wo wir noch leckere Cola-MischMaschs vorbereiten und uns als echte Künstler herausstellen. Dann kommt auch schon der erste Gast, heißt Timmey, und berichtet, dass die "Ohrbooten" auf ZDF Kultur laufen. Wun-der-schön. Die ganze Familie sitzt auf den Betten und guckt zusammen Fernsehen. Es knallt ganz vortrefflich und wir feiern es ab. Danach kommt "Schandmaul" live aufm Wacken. Kannte ich nicht, sind bestimmt nette Leute. Das dazu. Langsam aber sicher löst sich die Runde auf, nur noch Schmiddl und ich, die Hausherren, harren. Der Dinge. Und jetzt kommt‘s. Des Schicksals Belohnung erfahren wir in Form vom laufenden Fernsehprogramm, denn im Anschluss gibt‘s jetzt "Kreator" live beim Wacken. Größer kann ein Unterschied in Sachen Geilheit nicht sein. Verliebt setzten wir uns auf die Bettkante, damit wir auch dicht möglichst an der Mattscheibe sind. Wir halten noch eine beträchtliche Weile durch und schlummern dann zu "Fleckenteufel" ein.
Welch ein Tag. Danke, bitte, Dschütz. Vom Allerfeinsten.

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