Cairo, Würzburg

Geschrieben von Pensen

Herje, aber schön. 11:23h. Um 10:45h ist Busladen und um 11h Abfahrt. Gottogottogott. Ich will mich zu einer Seite drehen, dauert einen Moment bis meine kompletter Körper die synaptische BewegungsInformation übernimmt. Ich hoffe auf einen neben mir schlummernden Soelve, aber das Bett ist leer. Ein Wahnsinn. Sind sie tatsächlich schon losgefahren? Muss ich nun, ohne Freunde und Bekannte, mein Leben selber in die Hand nehmen? Werden sie einen neuen Gitarristen mit Hang zum Gesang einstellen? Bin ich denn nicht auch ein bischen unersetzlich? Nur ein ganz kleines bischen?

Puh, auf der anderen Seite pennt Totte seelenruhig. Ich stehe auf und schlurfe an dem Rest vorbei. Ein Glück, alle in einem Boot. Ausser KörperWunder Soelve, der schon frisch frisiert unten in seinem portablen Büro wilde Tourleiterpläne schmiedet. Gestern hab ich ihn noch fast umgebracht, mit nichts als einem Storck-Schokoriesen. Die werden nämlich immer mehr im Maul, grade wenn man liegt und die Nase von Natur aus nicht besonders frei ist. Es wurde geächst und gekämpft, ich hab aufgepasst bis alles aufgegessen war. Mit letzter Kraft und Tränen der Anstrengung in den Augen, war ja auch spät.
Alle freuen sich schon ganz toll doll aufs Laden, denn unser Equipment haben wir gestern im Klub stehen lassen dürfen. Im Nachhinein unfassbar dumm, aber hey. Dennis bekommt von zu hause hervorragende DaumenHoch-Informationen und dann setzt sich der Karawane der Zerschellten in Bewegung. Da wir etwas spät dran sind, zieht Soelve durch und wir kommen pünktlich um 16h im Cafe Cairo. Über zehn Jahre ist es her, dass ich hier war. Legendäres Liedermaching Wochenende mit u.a. Frische Mische, Fred und KT Clue. In der Küche, die auch heute unser Backstage ist, haben wir seiner Zeit das gute Lied "Gehirn (Frieden)" geschrieben. Und das Plakat hängt auch noch im Flur. Süß.
Das allerschönste ist aber die steinerne Wendeltreppe mit den 1000 Stufen. Voller Vorangst und Schwäche gehen wir als aller erstes die Hochschleppung unseres Krams an. Die Treppe im mit Eigengewicht des Körpers war schon so, dass man denkt, joooaah, ich setz mich ma kurz. Und jetzt noch mit Gewichten. Ein Glück ist die ansässige Crew nett und hilfsbereit und so ist der Spuk auch bald vorbei.
Ich geb mir noch die letzten Minuten Tageslicht und latsche am Main entlang, über die SteinMain-Brücke. Ganz schön voll der Main, Stromschnellen des Irrsinns, und ich mitten drüber. Alles im Sinne der Wiederherstellung.
Als ich zurück kehre duftet der Treppenaufgang sehr nach schlimmen Dingen. Ob das an gestern mit der FleischbrötchenPause heute Mittag zusammenhängt. Zweifels ohne. Schlimm, wirklich schlimm. Dazu kommt noch der Umstand des zweitägigen Nichtduschens aller. An der Theke gibt es Ohrstöpsel gratis. Nasenstöpsel wären heute treffender.
Dennis baut alles im Schweiße seines Schweißgesichts auf, und berichtet, nicht ganz ohne Stolz, wie die Techniker um ihn einen gewissen Geruchsabstand halten auf der Bühne. Zumindest wird man so nicht in aufreibende Gespräche verwickelt.
Irgendwann kommt Urs in den Backstage und meint ich solle mal den Schlagzeuger bändigen, der wohl grad Gitarren-und SchlagzeugSoli gleichzeitig spielt und nicht mehr aufhören kann. Heute sind alle etwas grenzdebil mit Zwang zur Hangshandlung. Gottogott, wie das nachher werden soll. Timmey trifft mich mit schelmisch glasigem Blick, Gespräch überflüssig. Heute muss man einfach durchwinken, sich selber, alles und jeden. Aber fröhlich, Ehrensache.
Da das Cairo ein Jugendzentrum ist wird nicht im Haus geraucht. Dennis, Timmey und Totte machen die Wendelstrecke bestimmt zehn mal. Wer sagt da noch, dass Rauchen nicht sportlich macht. Kommt halt drauf an wo und wie gewissenhaft man raucht.
Als Totte sein Konzert beginnt ist es angenehm gefüllt. Ich werde auf unsere letztes Würzburg Konzert angesprochen und das wir uns ja zuschauermäßich verzehnfacht haben. Stimmt, denn im geschichtsträchtigen "Club L" waren ca 4-8 Menschen. Zwei sogar im Ballkleid.
Das Publikum ist angenehm schlau und aufmerksam. Totte räumt wie erwartet ab und wir erklären als erstes unsere seelisch-körperliche Lage, damit sich keiner selbst an die Nasen fassen muss, wenn's im Raum subtil nach nassem Iltis riecht. Ein schönes Konzert folgt. Uns schlägt eine Welle der Zuwendung entgegen, zum Genießen. Am Ende werden noch Liedwünsche wie "Unsterblich" und "Zu lang" erfüllt. Zwar nur Acapella und mit Rassel aber aus voller Kehle mit aller Kraft. Totte bringt auch noch mal ordentlich Schwung in die Zugaben mit, so dass wir alle nach dem letzten Ton nur im Guten über unser Durchhaltevermögen sprechen.
Beim Laden bekommen wir wieder Hilfe von der Crew, Yase und Sara, und natürlich von uns. Diese Dynamik kann man als Gruppe bezeichnen. Schön schön.
Allen geht es gleich, Wunsch nach Wasser auf der Haut und frische Bettwäsche. Chauffiert von Soelve erreichen wir das uns bereits bekannte Hotel aufm Berg, Sternenhimmel inklusive. Urs und teilen uns ein Zimmer im amerikanisches Motel Zimmer. Dazu gibt's das passenden Fernsehprogramm mit AutoCrash-Rennen und MammutBaustellen. Goil. Ich bin zu müde um zu pennen, noch. Wird schon werden. Vielen Dank Würzburg, auf in Bälde. Gute Nacht.

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