Kleiner Klub, Saarbrücken

Geschrieben von Pensen

Leicht angefröstelt wache ich auf. Schickes kleines Dachzimmer mit Chlorduft. Vielleicht hätte ich die Badezimmertür doch zu machen sollen, obwohl das überdeutliche Schwimmbadfeeling ja auch n büsch Sommer und Freibad suggeriert. Wie wunderbar, jetzt ne Pommes und n Maracuja-Splitt. Bzw eigentlich noch geiler, dieses Eis am Stil, komplett mit bunten Zuckerstreuseln bedeckt. keine Ahnung mehr wie das heißt, aber es war das beste was ich jemals für immer erlebt habe. Ich meine das innen Schoko war und außen wie gesagt diese Zucker/Streusel Glasur. Hach, ich muss zu hause auch mehr mit Chlor arbeiten. Jetzt aber erstmal Frühstück.

Ich bin der letzte, ausser Totte, der noch gar nix auf dieser Tour gegessen hat, und setze mich zu den Kollegen. Ich werde direkt mit den aktuellen Buffet-Infos versorgt. Butter kommt erst nächste Woche, weil die andere abgelaufen war, und die bestellte Neue noch nicht angekommen ist. Gekochte Eier wiederum gibt es erst ab Zehn Personen. Wir sind nur sechs. Also im ganzen Hotel. Verstehe. Langsam kann ich nachvollziehen, das es gestern echt schwer war die Zimmer vor 16h fertich zu kriegen. Na egal. Zumindest gibt es Milch für den Kaffe und das Ei kann man sich auch denken.
Auf der Fahrt nach Saarbrücken werden wir immer wieder lustich durchgeschüttelt, denn die windige Natur ist zum Scherzen aufgelegt. Das beste ist aber, dass das klasse Hotel 74m vom "Kleinen Klub" entfernt ist, so dass wir noch n gutes Stündchen dumm sein dürfen. Also Zack, Wintersport im Halbsommer gucken. Erbärmlich. Ich zutzel n büschn an meiner Bumm-Gitarre herum und dann passiert's: Urs und ich werden Zeuge der erstaunlichsten Werbung aller Zeiten. Der "Maroon 5" erzählt uns von seiner verpickelten Jugend, doch Mittel XY+C war dann echt für ihn der "game-changer". Entgeistert werfen wir uns unfassbar vielsagende Blicke zu. Unsere lebenslang uneigeschränkte Abneigung "Maroon 5" gegeüber ist dem Expickelgott ab heute zugesichert. Was für ein Vollspasti.
Dann Aufbruch in den Klub. Ich fang grade erst an zu pöbeln, dass wir die ganze Strecke zu Fuß gehen müssen, sind aber im zweiten Satz schon da. Na gut, is ok.
Ein freundlicher Asiate öffnet uns um Punkt 16h die Tür auf dessen Klappe "Hallo Klappe" steht. Ich probiere mich an den speziellen Humor der Saarländer zu gewöhnen, könnte nachher helfen.
Leckerstes Catering, wie gewöhnlich in der Garage, wir Laden den Bus und bebauen die Bühne. Meine Gitarrenbox steht sympathischerweise heute auf dem Tresen, so kann man sich zumindest nicht verlaufen. Die Stimmung in der Gruppe ist gut und wir kichern um die Wette. Dann ist schon Einlass und wir hören oben noch ein wenig "Beach Boys" bis der Flotte Totte mit dem Spektakel beginnt.
Heute ist VIP-Konzert, nur wenig Tickets haben wir rausgegeben, aber diejenigen welche, sind alle gekommen. Andächtig beginnt Totte heute mit einer vorgelesenen Geschichte und setzt später seinen Akkustik-Punk tatsächlich komplett unplugged fort. Sjupernice.
Wir haben Bock auf diesen exklusiven Abend und die Weltpremieren scheinen nicht abzureißen, denn: Heute machen Timmey und ich zum allerersten Mal auf der Welt ein Intro fürs Intro. Verkleidet als Tom & Jerry in Trenchkote und Bademantel kündigen wir, um Mysteriösität bemüht, den IntroStargast Dennis Genial an. Alle flippen regelrecht aus, vor Vorfreude. Unter Blumenhagel und BehelfsTeddy-Salven betritt Dennis die Bühne. Extase pur.
Seit heute ist mein neuer Künstlername "Graythe Anthonie" und alle flippen aus. Das schick gestreifte Polo-Hemd ziehe ich den ganzen Abend nicht mehr aus und die gute Stimmung wird unter anderem dadurch auf höchstem Niveau getragen. Timmey ist auch besonders redseelig und so erläutern wir nicht nur die lateinische Herkunft des Wortes "Situation" (lat. situare, gemeinsam gegenseitiges Missverstehen) sondern spielen auch "Alle Menschen tot" in der sagenumwobenen JazzVersion. Endlich versteht man mal den Text, denn dass der so gut ist, wussten nur einige Wenige. Am Ende steh ich auch nur noch auf dem Tresen und singe ohne Mikrofon "Fass mir an die Füße" in die exklusiv Masse hinein. Welch besonderer MusikAbend. Später am Merch wird noch nett geschnackt, nur für ein einziges Selfie kommen wir nach dem GetränkeNachfüllen zu spät, da warn sie schon weg. Najatjanaja.
Der Bus läd sich wie von selbst und in der nächsten Szene sitzen wir Sechs komplett in der gemütlichen Hotelbar und Merchschnitt-ProKopf-König Soelve läd auf einen leckern 43'ger ein. Kannte ich pur noch gar nicht, aber er passt sich sanft meiner Zahnform an, nicht umgekehrt wie sonst öfter. Geselligkeit, die ein oder andere, neue oder alte Geschichte wird erzählt, bis wir damit aufhören. So was Klasses. Morgen ist Off Tag. Kein Konzert. Schade. Ich freu mich schon.
Bei Vampir TV schlummer ich vergnügt hinfort und werde, ohne es jetzt schon zu ahnen, vom Mittelalter träumen.
Saarbrücken und Umgebung, ihr ward zu gut zu uns. Auch der mitgebrachte Hula Hoop Reifen hat uns beglückt. In diesem Sinne Gute Nacht und bis bald. Das war echt n game-changer.

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