Schlachthof, Wiesbaden

Geschrieben von Pensen

Schon wieder gemeinsames Frühstück. Ich sach euch das, wenn das so weiter geht, freunden wir uns am Ende noch alle an. Es ist die Hölle. Die Früchte im Obstsalat sind allerdings erwähnenswert frisch und wir stärken uns mit Teller-Vita-Mienen. Damit auch keine Verwirrung durch Veränderung entsteht, gibt's noch ein bischen Australien Open im TV, Nadal wird übel, aber bevor es ihm hochkommt müssen wir los.
Die erste Raste ist hübsch mit Schnee bedeckt und die Luft ist glasklar und beißend kalt. Grade als wir wieder loswollen, hält ein Auto vorm WC Häuschen, setzt aber noch mal zurück um direkt eben uns ein zu parken. Was für Assis, es ist so viel Platz, und grade wollen wir einsteigen. Sie steigen aus und haben auch so kernige Tourpässe um den Hals, genau wie wir. Aber irgendwie sind deren noch geiler, mit Gummiband dran und so. Dehnbar und mächtiger, denn wie sich herausstellt, sind es BeamtenAusweise, diese gehören der Polizei. Ob wir Waffen dabei hätten... Bis auf Totte, die alte Partygeheimwaffe fällt mir nix ein. Das scheint auch rechtens zu sein, denn nachdem sie wiederum unsere Tourpässe überprüft haben, dürfen wir weiterfahren. Sie fragen noch nach Musikrichtung und einer CD, aber bei aller Liebe, nö.
Die Fahrt zieht sich heute etwas, ich schreibe Tourberichte und sortiere Fotos, wie immer. Als wir am Schlachthof ankommen, sind wir alle etwas durcheinander, weil aus Schikane der Klub komplett umgebaut wurde. Es gibt Türen wo keine waren, altbekannte Durchgänge sind zugemauert und umgestrichen wurde auch noch. Der Schlafraum ist die Küche, die Halle ist zu, der Backstage hat jetzt Sofas und die Kacheln sind tapeziert. Herje, ständig muss man sich umgewöhnen.
Auch die Säule auf der Bühne zwingt uns heute die Seiten zu tauschen, und einer tragenden horizontal Stange über Timmeys Kopf kann nur, durch angegafferte Kissen, ihre Kopfaufplaztgefahr genommen werden. WIr kümmern uns total gegeneinander um uns. Süß..
Totte und ich eröffnen die tresenhohe Tischtennisplatte im Küchenschlafzimmer und spielen ein paar heiße Matsches. Der Soundcheck verläuft klasse und Dennis bekommt einen Sessel auf die Bühne gestellt, man muss es sich auch mal gemütlich machen.
Nach dem Essen und Einhühnern fängt Totte an zu rockern. Heute sind einige besonders vergnügt Partygäste da, die aus ihrer fortgeschrittenen Stimmung keine Hehl machen. Schon bald wird getanzt, geklatscht und gewunken, wie sich das gehört. Ähnlich geht es dann bei uns weiter, denn wir haben auch gute Laune. Mensch, ist ja richtich schön gefüllt hier, und ich meine es sei ein Mittwoch Abend. Hu.
Nach dem Dschidsch wird noch geschnackt und getüdelt und dann in den Katakomben der Diskokoffer angeschmissen. Haupt-DJ ist heute Timmerich, der von Lamb of God bis Kunze, von Eins Zwo bis Michael Jackson alles im Programm hat. Herje, es geht lange und mit wehenden Fahnen. Also so, das die Ränder fast schon ausfransen.
Da der Stockbettenbereich nur ein Tür weiter ist, muss man sich auch nicht mehr konzentrieren. Ausser, dass morgen die längste Strecke der Tour mit 630km ansteht und deshalb die Abfahrt assozialerweise auf 9h angesetzt ist gibt es nix zu bedenken. Himmerherrgott.
Soelve ist verantwortungsvoll, wegen erster Fahrschicht, auch der erste im Bett, ich glaube ich der Zweite, kann mich aber nicht entschließen einzuschlafen, weil ich keinem Song verpassen will. Sorgen muss ich mir aber keine machen, die Musik ist auch hier doch recht gut zu hören.
Immer wenn ein neuer Schlafkandidat dazu kommt, wird mein Welt komplett druch geschüttelt, weil ich unten liege und die Betten Dreistöckig sind. Könnt ihr euch vorstellen, wie die Gazellis zu dieser Tageszeit die Leitern erklimmen. Ein Hauch von schaukeligem Hochseefischen mit Sturmwarnung hängt über dem Kachelschlafsaal. Auch schon wieder gemütlich.
Doch irgendwann wird's auch bei mir Nacht und deshalb sag ich noch ma Danke Wiesbaden, und vor allem Danke an die Umgebung. Welch fröhliches Gelage. Australisches Waldfernsehen muss heute leider ausfallen, aber dafür wird's dann morgen um so spannungsdichter. Ich freu mich schon. Oooohhnnnnd Dschütz.

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