The Tube, Düsseldorf

Geschrieben von Pensen

Geknickt betritt Soelve unser Zimmer: "Es gibt keine Milch für den Kaffee, ich wurde grade von 19 Jährigen angemeiert, dass ich doch bitte das Marmeladenmesser nicht für die Butter nehmen soll und mein Teller musste ich auch noch abwaschen..". Beim Thema Essen ist mit Soelve nicht zu spaßen. Zwischen Mitleid und Dankbarkeit der Information wegen, mache ich mich kurzerhand auf eine kleine spontan Trefffung mit Carsti und Frühstücke auswärts. Schön extra Milchkaffe mit MarmeladenMessern satt. Auch mein Geschirr muss ich nicht abwaschen und komme trotzdem etwas verspätet zur Abfahrt, weil ein unsäglicher Wind mir das Schritttempo versaut. Ein Fortbewegungskampf vom allerfeinsten, ich mag Wind. Am liebsten Westwind an der Nordsee. Herje.

Lange fahren wir aber nicht, denn kaum einer hat gut gefrühstückt. Hä? Ach so. Interesse in der Gruppe untereinander lässt unser Wohlbefinden nicht abbrechen. Deshalb steuern wir ein riesenhaften Baumarkt an, denn nicht nur das FoyerCafe bietet frische Mettbrötchen, Kaffe und Laugenkonfekt, sondern wir erstehen auch 25kg Spielsand im Sack. Och schön. Das ganze Leben ist ein Quiz.
Beim nächsten Rastenhalt gefällt mir ein um Sauberkeit bemühter KFZ-Besitzer. Mindestens Windstärke 9 und er mit voller Wucht am HochdruckWasserReiniger am Sprühen. Herrgott. Und immer schön gegen den Wind. Vielleicht hat er ja trocknenden Humor.
In Düsseldorf sind wir schon 14h und checken ins Hotel ein. Erst das dritte Zimmer ist mir genehm. Aus Kraftlosigkeit meiner Beschwerdefähigkeit wegen. Die Heizung geht zwar auch nicht , aber zumindest kann man das Fenster zumachen. Drei Sterne. Ich dachte wir hätten seit dem Sommer vier. Najatja. Kleiner Pennematz mit Selbstwaschung folgt. Dufti dufti.
Um 16:30h wollen wir zum Klub, aber schikanierende Düsseldorfer haben uns so assotial zugeparkt, dass wir alle schon über eine Berufsumschulung nachdenken, als der pfiffige Urs eine aufgedruckte Handynummer auf einem der besagten Autos findet. Anrufen, 1Minute warten, und denn kommt auch schon der hilfsbereite Spielothek Besucher und setzt zurück, während die beiden falafelgestärkten Benzfahrer von vor uns langsam los wollen. Meterweise Platz, hinten und vorne. Aus Nettigkeit setzt Dennis Völlichklar noch 30cm zurück, damit sich Spielo-Gerry nicht umsonst gerufen fühlt. WIr sind einfach auch gute Menschen.
"The Tube" befindet sich in der legendären düsseldorfer Altstadt. Ein schlauchförmiger, überschaubarer Musikklub mit netten Betreuern. Es wird geladen, Bus weggebracht, aufgebaut und gesoundcheckt. Dann gibt's chinesisches Essen am Tresen. Meine Hühnersuppe und die folgende Süßsaure Ente macht n glücklichen Eindruck, nur Ursi ist etwas von seinen geschmacklosen Nudeln enttäuscht. Zumindest ist unser Leben gut gewürzt und vor Schreck zerdresche ich die uns hingestellte VodkaFlasche im Mini-Backstage. Cool. Klebt auch gar nicht. Totte geht weitsichtig direkt ne frische kaufen, lieb.
Dann haben wir noch ein Interview mit Bine & Stefan Üblacker und klären endlich, wie wir den Spargel am liebsten mögen. Timmey möchte als Mond wieder geboren werden und Totte auch.
Oben ist bereits Einlass und schon der Vorverkauf lässt eine gewisse Füllung des Ladens voraussagen. Aber viele spontan Entscheider sind auch dabei, so das Totte bereits vor brechend vollem Klub beginnt. Geil. Die Leute sind höchst Textsicher und singen schon der ersten Song "Brennt die kleine Kerze" aus vollen Rohren. Schon jetzt sind die Temperaturen für Winter untypisch. Hu, es wird schlinn.
Wir kämpfen uns während Dennis introiert durch die geschmackssicheren Leute und denn wird auf die Kacke gehauen. Alter Schwede, es wird warm. Und wie. Gesoffen und Getanzen, aber alle. Herje wie Untergrund. So will man es doch. Ein halbnackter Stagediver inflationiert sich ohne es zu merken sehr bald sehr doll selber, so dass ein dankbares Raunen durch Mauerwerk huscht, als ein Dame sich dem Springen von der Bühne annimmt.
Düsseldorf, Respekt. Ernsthaft gut. Der Schweiß fließt in Strömen, die Stimmung ist ausgelassen aber nicht aggressiv und alle geben Vollgas. Soelve brilliert auch wieder am Merch und selbst die Klofrau schließt uns ins Herz.
Nachdem Dennis den Bus geholt hat laden wir durch die Leute, ein Glück ist es noch nicht wieder so voll. Dafür sind die Strassen der Altstadt unfassbar gefüllt mit ebenso gefülltem Partyvolk. HimmelHerrgott. Urs und Soelve gehen als PlatzmachSchreier vorne weg und wir schleichen im Schritttempo mit dem Bus hinterher. Is n büschn wie damals nach der Wende an den Grenzübergängen. Unfassbar voll, und alle hämmern mit ihren flachen Händen aus Freude auf den schönen Autowagen ein.
Die "Mäusefalle", eine Kneipe gegenüber unseres Hotels hat schon zu, und so tüdel ich hoch und zieh mir was warmes über, guck noch "Knicks vs Bulls" von '95, Michael Jordan 55 Punkte. Das is eh klar. Zumindest wird einem warm ums Herz.
Vielen Dank liebes Düsseldorf! Knallermäßich, wir ihr abgelullert habt. Bis bald und gute Nacht.

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