Kassablanca, Jena

Geschrieben von Flozze

DAS PACK, 18.12.2009 im Kassablanca in Jena Wir reisen an aus Köln, mit der deutschen Eisenbahn. Ein vertrauenswürdiges Unternehmen der Spitzenklasse, über das, vor allem unter ihren Nutzern, viel zu häufig schlecht geredet wird. Denn die Bahn ist ein Unternehmen mit Tradition, das den gemeinen Bundesbürger seit Jahrzehnten sicher, pünktlich und bequem durch unser schönes Land chauffiert, und bei dem der Kunde noch König ist. Über Frankfurt/Flughafen landen wir in der Stadt der Kunst, der Dichter und Denker, in Weimar. Spontan werde ich ergriffen von Wogen und Wellen der Sympathie, für diese schöne Stadt, die schon so vielen Köpfen der Kulturgeschichte obdach bot. Ganz toll. Wirklich. Und dann beginnt der Hass sich von hinten, heimlich still und leise Platz frei zu räumen in meinem Gehirn. Es herscht eine unfassbare Kälte, kombiniert mit einem hinterhältigen Nordwind, der einem mit Freude die herschenden Minusgrade um die Ohren peitscht, und dabei zu lachen scheint: „Sterbt ihr kleinen Menschen, erfriert, langsam und qualvoll...“. Einfach schlimm. „Ihr Zug verspätet sich um 5 Minuten.“, „Ihr Zug verspätet sich um 5 bis 10 Minuten“, „Ihr Zug verspätet sich um 15 bis 20 Minuten“, „Ihr Zug fährt jetzt ein“, „die Weiterfahrt verzögert sich um wenige Minuten“, „die Weiterfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit.“. So die Moderation unserer Odysee ins Nichts! Wir befinden uns in Weimar. Immer noch. Es dauert gefühlte Ewigkeiten bis dieses Schandluder von Zug sich endlich in Bewegung setzt und tut was wir wollen. Ich stand die ganze Zeit am Ausgang, und eine Horde kleiner Schulkinder entscheidet sich auszusteigen, und sich von Mama abholen zu lassen. Natürlich schön nacheinander und immer im 2 bis 3 Minutentakt. Jedes mal wieder steige ich aus dem überfüllten Wagon aus um die kleinen Blagen aussteigen zu lassen. Jedes Mal wieder setze ich mich unmenschlichen Temperaturen aus. Hin und wieder gebe ich einem der kleinen Drecksviecher einen kleinen Klaps mit, mit der flachen Hand, schön auf den Hinterkopf. Das macht unseren Nachwuchs nicht nur schlau, sondern gibt mir auch ein gutes Gefühl. Ich kann meine Agressionen abbauen, und wenigstens irgendwer steht grade für das Unvermögen, wegen dem ich hier in diesem verdammten Bahnhof ein tristes, sibirisches Dasein friste, anstatt mich im Kassablanca mit wärmender Suppe und der Gesellschafft guter Freunde zu verwöhnen. In Jena kommen wir am Westbahnhof an. Es gibt kein Taxi. Natürlich. Nach ca 20 Minuten haben wir doch noch Glück, und ein netter älterer Herr, der mich stark an Hans Meyer (Ein legendärer Fussballtrainer) erinnert, fährt uns. Als wir den Hügel/Berg zum „Kassa“ hochfahren, sehen wir den Rest unsere Crew, Teile der Ausrüstung mit bloßer Hand, im Schneesturm, den Berg hinauf hiefen. Na denn. Wir sind ganau richtig. Alles ist nun fertig getragen. Hihi (diebisches Lachen). Da hat diese ganze Scheisse wenigstens ETWAS gutes gehabt. Heute haben wir einen entspannten Zeitplan. Die Türen öffnen erst um 21.00, der Konzertbeginn für DAS PACK erst eine Stunde später, um 22.00 angesetzt. Der verzögert sich dann aber nochmal um eine Viertelstunde, weil die Securities sehr streng sind und draußen eine riesige Schlange Menschen steht, die nur sehr langsam herein gelassen wird. Nun denn. „Falbanka“ sind heute auch wieder dabei, nice. Wir legen eine gute Show hin, finden wir. Jena reagiert freundlich aber zurückhaltend. Ein bisschen komisch. Wir fühlen uns gemocht, aber ein wenig unverstanden. Aber das Konzert ist heute sowieso nebensächlich. In Gedanken bin ich schon beim Laden. Mit der Hilfe einiger lokaler, heldenhafter Helfer (klingt gut irgendwie, „heldenhafte Helfer“, spricht sich einfach schön.), bringen wir den ganzen Scheiss in drei Fuhren zum Bus, der circa 300 Meter vom „Kassa“-Gelände entfernt geparkt ist. Auf dem Gelände des Justizzentrums, oder Minesteriums, keine Ahnung irgendwie so.... Haha. Wenn ihr wüsstet, ihr tumben Staatsdiener, auf EUREM Gelände... Koks und Nutten und alles. Immer. Viel. Haha... Ein Gefühl wie wenn man dem Herrn Lehrer in die Aktentasche kackt. Gut so. Schließlich geben wir Soelve, aka „Just an ordinary Guy with exeptional hair“, aka „Soelve, lieber Gott“ noch Hilfestellung beim den-Berg-runter-fahren, und sperren die Seitenstraßen ab, wegen Schneegestöber und dem ganzen Kack. Ich laufe inzwischen nur noch auf meinen Hacken, denn ich spüre meine Zehen seit geraumer Zeit nicht mehr, und ich zittere so doll, das ich es nicht mehr schaffe mir eine Zigarette zu drehen. Dann haue ich mich in meine Koje, dort ist es wiederum sehr warm und mir trocknet der Hals aus und meine Lippen platzen auf. Geil. Ein runder Abschluss für einen tollen Tag. Auf wiedersehen.
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