Deichbrand Festival, Cuxhafen

Geschrieben von Pensen

Es ist 14:23h, gefühlte 53°Grad, und es sitzen ausschließlich nette Menschen um mich rum. Vom feinsten wird gegessen, die letzten Eindrücke des wunderbaren Serengeti-Festivals dieses Jahr. Die Monsters of Liedermaching hatten die Ehre diesmal sogar zwei Tage hintereinander den Tag zu eröffnen. Mehr dazu wie immer auf www.monstersofliedermaching.de . Busfahrgott Soelve wird die Jungs dann nachher sicher nach hause bringen, Timmey und ich hingegen werden auf eigene Faust bzw Auto nun Richtung Cuxhaven ablegen, dem Deichbrand Festival entgegen. Wir haben nicht besonders viel Zeit um die gut 300km zu meistern, gönnen uns aber trotzdem einen sommerlichen Abgelenktheitsumweg durch das pittoreske Bielefeld. Das lockert die eh ausgelassene Stimmung. Denn die eigentliche Beruhigung ist in Form zweier Supermenschen bereits vor Ort: Dragan und Claudio. Ein Segen. Als wir ankommen ist dementsprechend schon alles aufgebaut und wir setzten uns ins gemachte Nest. Auch dieses ist sehr heiß und staubig. Die Sonne brennt selbst um 18:30h noch erbarmungslos vom silberblauen Himmel. Staubüberzogenes, gebackenes Fröhligkeitsvolk besiedelt die temporäre Kleinstadt. Restlos ausverkauft, denn nach uns Spielen Die Toten Hosen. Diese Reihenfolge halte ich für angemessen, denn auch sie sind erfolgreich. Zur Belohnung dürfen wir aber im schattigem Zelt spielen, in dem zum Ausgleich kein Lüftchen weht. Alles ist sehr groß und die Deichbrand -Crew aufgeweckt und hilfsbereit. Aufgrund eben dieser Größe machen wir uns nicht all zu große Hoffnungen auf den Füllzustand der Lokation. Aber als wir dann pünktlich um 20h loslegen ist das Zelt voll! Unwahrscheinlich.. Dragan hat sich fürs Intro extra noch ein Podest gebaut, um das Szenario zu unterstreichen. Der Idee geht auf, wir gehen rauf, und innerlich die Sonne auf. Tagelang sind diese Helden des Festes schon auf den Beinen und haben dennoch nix an Energie eingebüßt. Circle-Pits & Spalten der Schanden, Geklatsche und Gemache, Schweissmobs und Gejohle. Herrlich. Ich habe, zur Unterstreichung von irgendwas, heute zum ersten mal einen Zusatz-Trenchcoat für 'Vanillebär' im Gepäck. Der Papst wäre stolz auf mich gewesen. Aber vermutlich sitz der am Strand, auf seiner Yacht, weil er ja bekanntlich Seekrank ist. Nun gut. Uns war zu Ohren gekommen das die Jungs von 'Le Fly' gestern um die Mittagszeit mächtich einen abgetrümmert haben. Auf meine Nachfrage hin wird dies auch dementsprechend laut bejaht. Ein paar geile Heinis, diese Fleischboys. Nach unserem einstündigen Schwitzhüttenpolka gibt´s noch nette Begegnungen an unserem Behelfsmerchstand am Bühnenrand und im Hintergrund beginnen die Hosen mit Liedern. Glücklich zerfladdert packen wir ne halbe Stunde später mit den freundlichen Helferlein unser Gerödel in den Bus und verabschieden Timmey, der ja nu noch 400km nach Goslar zurück ballern muss. Gute Fahrt mit Marzipaht. Wir anderen tüdeln noch ma übern Platz und geben uns das ernsthaft beeindruckende Ambiente. Tausende im Sonnenuntergang, verzaubert von allem. Wir kommen kaum durch, weil uns jeder erkennt und sich noch mal für das wunderschöne Geschenk dieses Konzertes bedanken möchten. Ach nee, doch nich. Macht aber nix. Denn das anonyme Bad in der Masse ist das erfrischendste. Die kühlende Nichtbeachtung verankert den Charakter. Die Hosen geben Vollgas und Campino oben ohne macht ne Top-Figur. Aber das haben mit Mitte 30 auch schon andere geschafft. Der Backstagebereich sieht einladend und mit Leckereien bespickt aus, die wir einfach essen dürfen. Scheisse, satt. Na ja, eine Limonade passt immer. Dieser Rock macht mich feddich. Claudio tüdelt auch langsam los, weil er ja schließlich auch noch (mit eigenem Auto) nach Hamburg muss. Ca eine Stunde später, wir sitzen grade bei einem romantischen Pläuschchen mit den fabulosen 'Grossstadtgeflüster', ruft Schali (Claudio) wieder an. 'Dickies, ich bin bis jetzt 500m weit gekommen, Staubstau bzw Staustaub macht das Vorankommen unmöglich. Das kann sich hier aber ma so was von in die Länge ziehen. Esst doch noch ne Wurst oder so, falls ihr noch nicht los seid..'. Ein guter Tip wie wir finden und latschen zum Auto um endlich los zu fahren, denn wir wollen ja schließlich auch noch nach Hamburg. Auf dem Weg zum Bus, der noch immer an der Zelt-Bühne parkt, kommen uns Zehntausende entgegen. Die auch langsam los wollen. Hu. Und Claudios Anruf ist nun auch schon 20min alt. Zumindest prasselt ein Abschlussfeuerwerk auf uns ein, das himmelwärts leuchtverpufft. Hübsch, aber falsch rum, weil wir ja in die andere RIchtung gehen. Nach zweieinhalb Minuten Fahrt kommen wir an. Am Stau Ende. Verstehe. Ein doch etwas niedergeschlagener Ordner empfiehlt uns zurückzufahren und noch ne Wurst zu essen. Das kommt uns alles sehr bekannt vor. Hätte Schali uns ja ruhig ma Bescheid geben können. Telefonisch oder so. Ein anderer Ordner vor fünf Minuten, den wir auf eine eventuelle Options-Ausfahrt ansprechen, murmelt irgendwas von einem Schleichweg, aber man weiss es nicht, und wenn würden wir den auch nicht finden etc.. Die Entscheidung fällt: Lieber Schleichen als Laichen. Wir wenden und gucken ma was passiert. Und tatsächlich. Ich: 'Haartool (Dragan), siehst du die zweidrei Autos da vorne am Ende des Horizonts? Die stehen doch nicht etwa eventuell vor dem ominösen zweiten Ausgang'. 'Herjeh', sagt Holzkneuel,' Dem ist augenscheinlich wirklich so'. 'Hui', rufen wir, machen noch ein paar quietschende Revolverschuss-Geräusche und satteln die Hühner. Einfach hinterher. Eine symbiotische Autofahrgemeinschaft von Outlaws, die es einfach wissen wollen. Es werden Huppelwege und dunkle Ecken zurückgelassen und am Ende sogar ein Tor beiseite gehoben. Wir lassen es aus sicherem Drei-Auto-Abstand passieren und freuen uns unseres Anhängsel-Zustands. Nach wenigen Minuten sausen wir durch die laue Nacht auf wenig befahrenen Landstrassen. Wir überlegen ob wir Claudio anrufen, kommen aber dann doch aus freundschaftlichen Gründen von dieser Idee ab. Kann man nich bringen. Glück still geniessen. Der pralle Vollmond leuchtet uns den Weg und nach einigen Tälern und Bergen kommen wir endlich zu dem Haus, in dem die Krippe liegt. Wir überreichen unsere Gaben der Mutter, lassen Zepter und Krone links liegen und gehen mit dem Vadder ein Saufen, bis dieser in den ersten, frühmorgentlichen Sonnenstrahlen zu Staub zerfällt. Ende. - Danke Jesuff, vielen Dank liebes Deichbrand & auf bald. Euer DAS PACK.
Zurück zur Übersicht

Podcast


Fotos