Rocken am Brocken, Elend

Geschrieben von Pensen

Schiete. Bevor wir überhaupt auch nur eine Klampfe in unseren Bus gefüllt haben, ist bereits die Polizei anwesend um den Schaden aufzunehmen. Beim Einparken unseres über hunderte Meter langen Busses haben wir unbemerkt einen Cinquecento Sporting in pisse-gelb überrollt. Ein Glück ist der in ihm lebenden Großfamilie nix passiert und so können wir nur 2 1/2 Stunden später, finanziell ruiniert anfangen unser Vehikel zu beladen. Die Telefonleitung zu Timmey steht nicht still, denn keiner weiss ob wir ansatzweise noch pünktlich ins Elend kommen. So heisst tatsächlich heute unser Zielort. Geht ja auch alles dementsprechend gut los. Schali und ich holen dann Dennis Auchegal in Maschen ab. Maschen ist weltberühmt geworden durch die Superschtars in Country: Truckstop. Unser Truck stoppt auch, auf einem kleinen Parkplatz just beim Eingang der Stadt. Und wer sitzt in seinem Weingrünen Benz sympathisch hinterm Steuerrad? Wer kann es sein ausser dem, ja DEM, Frontmann Cisco. Unwahrscheinlich. Auf n paar Sachen im Leben kann man sich zumindest noch verlassen. Durch die ganze Aufregung bedarf es nun endlich einer emotionalen Abkühlung in Form von 'Lamb of God', die fröhlich aus dem Radio schallen. Heute gibt es noch eine Besonderheit was unsere Crew angeht. Zum ersten mal ist Carsten, auch bekannt als Merchcowboy, mit von der Partie, der mütterlich von Timmey in Goslar vom Bahnhof abgeholt wurde. Als wir nun dieses erste Zwischenziel erreichen ist das Hallo groß und die kindisch-diebische Freude nicht minder ausgeprägt. Seit der formidablen Februartour mit Sondaschule & Montreal sind wir eh ein eingespieltes Team bei dem der eine oder andere 'Nussblick' nicht fehlen darf. Da Dennis früher sehr viele Untergrund-Tourenwagenrennen gewonnen hat kommen wir dermaßen pünktlich an, dass die guten, vor uns spielenden 'Kapelle Petra' grade beginnen. Das 'Rocken am Brocken'-Team nimmt uns herzallerliebst auf und stellt uns außerdem noch zwei Biertische zur Verfügung, dass Carsten auch ganz dicht bei uns, weit weg vom Zentralmerchstand, aufbauen kann. Was für ein Bild: Carsten und Timmey bestücken zusammen unsere Verkaufsladenwand neu, unter anderem mit den wunderbaren DAS PACK Jogginghosen. Also nur mit einer damit wir die restlichen unters Volk bringen können. Schon bei 'Kappelle Petra' wird klar, dass das Publikum zum Vergnügen hier ist. Da wollen wir nahtlos anknüpfen und spielen das gute Soundcheck- Lied 'Harz, Harz, Harz'. Die Leute? Begeistert. (aus Heinz Strunk 'Fleisch ist mein Gemüse') Das Konzert wird klasse und Carsten ist die gefühlte Hauptperson und verteilt glücklichst Aufkleber während seinem Bad in der Menge. Unsere Bühnenshow lässt auch kein Auge trocken und ja, wir wechseln sogar einmal die Positionen. Die Leute? Begeistert. Nachher lungern wir beseelt vom Leben am Merchstand rum und probieren so gut es geht den überrollten Kleinwagen von vorhin wieder wett zu machen. Dann, nach einer ausgiebigen Frikadellenpause, mehreren eis-durchfluteten Getränken zum ominösen Partyzelt. Wir vermuten zumindest, dass es eins gibt, denn die BummBumm-Geräusche sind über das ganze Festivalgelände gut zu hören. Es kommt aber noch viel besser. Nach einer Stärkung in Gestalt eines Hanfburgers für Dennis und einem herrenlosen Popkornspenders, wird das generelle Ausmaß der Situation klar. Kein Partyzelt. Nein, ein Zauberwald, bestückt mit einem überdimensionalen Holzgesicht als DJ-Haus und bunten Lichtern im Gebälk. Carsten und ich sind fasziniert und eiern via dem Absinthgeschäft in Richtung Naturspektakel. Überall zwischen den Bäumchen sind Monitorboxen am Boden aufgebaut, aus denen angenehm brettlaut Tanzmusik schallt. Unsere Lenden beginnen sich plastisch und ganz von alleine zu den heissen Rhythmen der Nacht zu bewegen. Wir stoßen an und heissen Rhythmen bzw unseren gemeinsamen beruflichen Einstand gut. Die einzige selbstpenetrierende Auflage ist die zur Treffpunktzeit am Bus zu sein. Halbseidene Absprachen lassen Carsten nur nörgelnd hinter mir her trotten aber als wir am Bus angekommen sind wird uns die andere Art der Belohnung klar. Es ist natürlich kein Schwein am Treffpunkt, jedoch der nichts ahnende Blick ins Himmelszelt beim Urinat lässt uns ehrfürchtich die Bedeutungslosigkeit unseres Daseins verstehen. Im positivem Sinne. Jaja, dies bleibt dem urlaubslosen Großstädter ein Leben lang verwehrt. So nicht uns. Dem fahrenden Volk. Danke für den. Beballert suchen wir des einstige Speisezelt auf, in dem bestgelaunt unsere restlichen 'Freunde' sind. Da wir durch Zauberwald und Flammendrink dermaßen fluffich drauf sind entstehen Gespräche von unschätzbarem Wert. Schwer einzuschätzen wie lange wir noch reden, aber aus Solidarität Herrn Auchegal gegenüber, satteln wir bald die Pferde und reiten in leichtem Trab durch den Zauberwald ins Hotel Harzblick. Passt doch wie die Faust auf eben dieses Auge. Wir binden die Zossen am Geländer zum Salon an, durchtreten die Schwingtür und verhauen den Wirt und essen die Pferde. Mit kleinen dicken Bäuchen graben wir uns Knietief in den Strand und schlafen, beruhigt durch ein kleines finnisches Schlaflied, welches wir zufällig alle gleichzeitig alle einfach auswendig können, zufrieden ein. Welch schöner Tag, vielen Dank liebes Elend und bis morgen. Gute Nacht.

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