Oakfield Festival, Sittensen

Geschrieben von Pensen

Es ist maximal 10h morgens. Für Schichtarbeiter kann das spät aber auch sehr früh sein. Heute kommt es mir dann doch eher sehr früh vor. Wir haben gute 500km vor uns und ich erinnere mich etwas verunsichert, dass unsere beiden 'Fahrer' diejenigen waren, die nicht mit uns durchs nächtliche Trebur den Fußweg nach hause gesucht haben. Ganz geil. Wenn ich mich schon so fühle und sich leichte Verwirrung einstellt, wie sollen die Jungs dann bloß vom Ersten in den Zweiten schalten können, vorrausgesetzt sie finden den Knüppel. Ich latsche alleine runter zum Frühstück, weil Carsten noch allergische Niesanfälle vortäuscht. Unten sitzt Frische ausstrahlend Dennis und mampft Eier. Fröhlich berichtet er mir von gestern Abend und das er und Claudio im Ambulanz-Wagen ins Hotel gefahren wurden. Aha, sehr beruhigend. 'Ja nee, nur weil keiner mehr zum verarzten da war'. Aha, verstehe. Sanitäter helfen wo sie können. Carsten muss uns heute verlassen, weil er wo anders auch sehr gute Freunde hat. Das vollziehen wir nach und bestrafen ihn nur mit traurigen Blicken und mit Sätzen wie: 'Hey, kein Ding' oder 'Zumindest zwei Tage hatten wir es doch sehr schön' oder 'Vielleicht telefonieren wir dann mal'. Wir bringen ihn zum neuen, futuristisch-großen Frankfurter Fernbahnhof, der aussieht wie die Krankenstation für cracksüchtige Marsmenschen. In FlipFlops verschwindet Carsten in dem Koloss aus Glas & Stahl, nicht ohne eine Träne der Zerreissprobe zu vergiessen. Die sich athok einstellende Sehnsucht auf beiden Seiten lässt auf ein baldiges Wiedersehen hoffen. So lange stöbern wir einfach auf www.merchcowboy.de . Und weiter gehts. Ich schreibe Tourberichte und unterhalte mich mit einem sehr netten Mann, der eine Reihe vor mir im Bus sitzt. Deshalb kann ich sein Gesicht nicht erkennen doch als er sich umdreht-Zack-ist es Timmey. Ach deswegen haben wir uns so gut verstanden. Cool. Auf dem Weg zum Oakfiled-Festival sammeln wir Sabby in Rhüden ein, die sich heute verantwortungsvollst um den Merch kümmern wird. Und dann ist es soweit: Timmey zieht ein wunderschönes T-Shirt aus seinem Täschchen und erzählt dazu eine herzzerreissende Geschichte. Eine aufmerksame Tourberichtleserin schickte Timmey doch tatsächlich ein Paket nach hause. Denn seinerzeit im März diesen Jahres, wir waren mit Sondaschule & Montreal unterwegs, galt es für Timmey endlich das hässlichste Shirt der Stadt zu kaufen, weil er durch sein bestechendes Äusseres bei DAS PACK sonst zu sehr aus der Reihe getanzt wäre. Wir fanden auch was in Form eines KatzenLeuchtschwert-Überwurfs, doch der freundlichen Dame ließ es keine Ruhe. So, an uns denkend, muss sie wohl durch die Stadt gestreift sein, und als sie an dem unbestritten fürchterlichsten T-Shirt der Geschichte vorbei kam, kam sie wiederum nicht vorbei es spontan zu kaufen und eben Timmey zu schicken. Was für eine wunderbare Geschichte. Da Timmey nach eigenen Angaben noch eine Nummer zu groß ist bietet er es nun großherzig 'Dennis Genial' an, denn irgendwie muss es zum Einsatz kommen. Es sitzt wie angegossen und wir gehen beim benachbarten Hack-Geschäft Schweinefraß kaufen. Dennis Genial macht in dem dezenten gelb seinem Namen alle Ehre. Es sieht einfach unfassbar scheisse aus. Vielen Dank liebe Leserin für dieses aufheiternde Geschenk! Die Reise führt uns in die tiefe Natur Norddeutschlands hinein und irgendwann sehen wir hinter mannshohen Maisfeldern die Umrisse zweier Bühnendächer. Hin da. Nette Menschen empfangen uns und führen uns weiter in ein altes Bauernhaus, welches als Backstage und Catheringbereich eingenhändigst umgebaut wurde. Mindestens zehn verschiedene Kuchensorten kann ich erkennen, was natürlich den Modebewussten Dennis Genial beinahe aus der Fassung bringt. Er liebt Kuchen über alles. Dann stößt die wegen einer Sektdusche verspätete Annika dazu, die mit einem Supervorschlag um die Ecke kommt. Sieh bietet an uns mit samt Bus nachher ins Hotel zu fahren. Fantastische Idee, auf die erstmal angestossen wird. Noch ca vier Stunden bis zu unserem Konzert. Ein Erkundungsspaziergang führt uns an Schnapsverstecken von Teenagern in Kornfeldern vorbei zu einem schrankenlosen Bahnübergang. Es hat leichte Züge eines Spagettiwesterns, denn wir werfen hitzedurchzogen mit Steinen auf Steine, die wir auf die Schienen legen. Die Sonne geht langsam unter und Dennis Genial macht Flattergeräusche mit seinem Festival-Pass. 'Theaterdonner' erklärt er uns. Schon wieder bestätigt er seinen Namen. Genial. Ich meine eine Schlechtwetterfront gehört zu haben aber das war wohl auch wieder nur Herr Genial. Langsam ist die Sonne ganz weg, es wird etwas angenehmer und wir latschen zur Bühne und die heisse Vorbereitungszeit bricht an. Ich verlagere die Bar in unseren Bus, so dass man immer bei gehen kann wenn man denn möchte. Man möchte. Es wird ein ganz wunderbares Konzert. Timmey erzählt ordentlich einen vom Pferd und Dennis sieht in dem unsäglichen Shirt vortrefflich aus. Später am Merchstand bestätigt sich die gute Laune und zwischenzeitliche Ausflüge ins Kuchenhaus werden eingeschoben. Die AutoBar ist leer, unser Kofferraum wieder voll als schließlich Annika den von uns besetztenBus beginnt zu lenken. Es ist stockdunkel und wir alle bedürftig. Der Wagen wird souverän durch die Weiten des Nordens gelenkt. Sie hat uns jetzt in der Hand. Alles, aber auch wirklich alles könnte sie jetzt mit uns anstellen aber sie zieht nicht den Joker dieses Vorteils sondern liefert uns mütterlich beim Hotel ab. Herrgott werden wir hier nett betüdelt. Es werden noch eine Weile Betten gesucht, denn die feinem Damen und Herren möchten jeder eins haben. Kann ich verstehen, weil ich auch. In meinem Kopf drehen sich Kuchensonden im Backofenuniversum im Kreis hin und her und ein paar Wolltorten springen nacheinander über einen Zaun. Ich beschließe sie zu zählen und....ZZzzzzz. Vielen Danke liebes Oakfield! Gute Nacht.
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