Trebur Open AIr, Trebur

Geschrieben von Pensen

Herjeh. Zauberwaldgehirn von gestern. War das schön. Ein tätowierter Arm kreuzt den Schlafbereich meiner Matratze. Daran hängt Carsten, der schon wieder leicht nach Eihunger aussieht. Im Frühstücksraum sitzen bereits die anderen Rocktypen unseres krassen Reisetrosses. Nur Eier sind alle. Carsti bekommt einen Wutanfall, zerschlägt Teile der Einrichtung, legt dann ein paar hundert Euro aufn Tisch, beruhigt sich wieder und meint: 'Das müsste reichen!'. Wir klingeln an einem Schalter in der Wand, der extra zur Ei-Nachbestellung erbaut wurde. Die freundlich und darauf hin einkehrende Dame nimmt unsere Bestellung auf und meint:' Das dauert dann aber so 10 Minuten..'. Carsti (Das Schwein) schaut mich vielsagend an. DAS PACK-'Hart gekocht' fällt mir als guter Plattentitel ein. Nach exakt 13 Minuten kommt die Dame mit einer Schale von gekochten Eiern zurück, was nicht mit Eierschalen zu verwechseln ist. Wir machen alle 'AAAhh' und 'OOhh' und 'DAAAANke' und überhaupt. Jedoch als wir die leicht zu zerschlagenen Hüllen knacken läuft uns die glibberige Innerrei schon auf halben Wege entgegen. So können und wollen wir nicht diesen Tag durchstehen müssen. Aber wir haben uns schon durch ganz andere Sachen gebissen, da wird uns doch nicht ein zu weiches Ei aus der Bahn werfen? Doch. Aber nur zweidrei Stunden. Dann müssen wir doch ein bisschen kichern, denn ein roter Kleinbus, dessen Berufsverwendungsbereich uns nicht ganz klar wurde, wirbt mit der Aufschrift 'Adolf - immer eine Idee besser'. Mmhh, vielleicht haben die hier kein Fernsehen oder nur amateurhaftes politisches Bewusstsein. Aber so viel Mut zur Dummheit ist fast schon wider respektabel, wenn es eben nicht so dermaßen dämlich wäre (der harzer Stadtname 'Braunlage' ist übrigens auch nicht politisch motiviert, sondern lediglich damals von Anus-affinen Menschen ungeschickt ausgewählt). Dafür bietet uns der Harz wunderbare Ausblicke auf Talsperren und pitoreske Gebilde zu denen Timmey heitere Geschichten aus seiner Kindheit erzählt. Da Carsten ein Stück Pizza sich aufs Bein hat tätowieren lassen, kriegen wir alle Hunger und beissen rein. Ach ja, Schiete. Er ist Vegetarier. 'Sind das doch nur Tomatenstücke und keine Salamischeiben' klagt Timmey sein unterernährtes Leid. 'War kaum zu erkennen..' Pflaster drauf und feddich. Wir freuen uns schon aufs Trebur Open Air, denn es war in den letzten Jahren immer gut. Als wir auf den Hof fahren kommen uns die Jungs von 'Liedfett' engegen, die wieder alles richtich zu machen scheinen. Im Arm eine Gruppenbadehose sind sie auf dem Weg ins benachbarte Freibad. Wiedersehensfröhlichkeit wird ausgetauscht und nicht mindere Vorfreude auf unsere gemeinsame Tour durch die Republik im Januar 2014. Nachdem uns Claudi und co nett Willkommen heissen fällt uns auf, dass überhaupt niemand ausser uns da ist. Also keiner. Ausser Claudi & co. Backstage leer von Menschen. Ich gehe ungläubig auf dem Festivalgelände nachgucken, aber auch da Fehlanzeige. Skurril. Als dann die erste Band doch tatsächlich anfängt zu spielen rotten sich ca 23 Menschen vor die Bühne. Da wieder mal 38°Grad im Schatten sind, sind vermutlich die anderen Zehn Tausend Festivalbesucher mit Liedfett grad im Freibad. Und so isses dann auch. Pünktlich um 19:20h sind alle frisch geduscht zurück und wir beginnen unser Konzert. Dennis Auchegal stellt sich neuerdings beim Intro nicht mal mehr vors Mikrofon und es klingt genauso gut wie sonst auch. Ein AudioVisueller Zauberkünstler, meiner Meinung nach. Wir spielen alle Lieder gut und richtig und werden durch das Netz der Sympathie der Zuschauer vorm freien Fall in die Überheblichkeit prophylaktisch geschützt. Danke dafür. Das hat mal wieder Spass gemacht. Aufgeregt erzählt Carsten, dass in einer guten Stunde 'Face to Face' spielen , eine seiner Top Five Bands überhaupt. Wir sind alle zu dumm, um die zu kennen, wo für wir wieder mal, einem Wutausbruch zur Folge, von Carsti, dem alten Inneneinrichter, regelrecht vermöbelt werden. Timmey und ich nehmen uns vor ihn 'Full Metal Jacket'-mäßich mit in Hadtüchern eingewickelten Seifen zu bestrafen. Dürfen wir nur nicht vergessen. Ich mach mir einen Knoten ins Taschentuch. Das wird gut. Vorher gehen wir aber 'Face to Face' gucken und es ist wirklich geil. Souverän und sympathisch ballern die Jungs seit zwanzig Jahren durch die Welt. Merkt man und ich bin Fan. Jetzt nur noch vier Stunden bis 'Liedfett' durchhalten. Der Backstagebereich hat sich über den Abend auch glücklicherweise mit Leben gefüllt. Wegen uns. Und so sitzen wir PackFett in einem großen Stuhlkreis und jeder berichtet von seinen Problemen. Immer wenn einer fertig ist wird teilnahmsvoll respektierend leise applaudiert. Tut uns allen ma ganz gut, hab ich das Gefühl. Da unser heutiges Hotel fußläufig ist darf Dennis Auchegal heute endlich auch ma bei. Schnapsglanz schimmert ihm seinen Weg. Zuckersüß. Chili con Carne eimerweise zur Stärkung darf nicht fehlen. Dafür aber Brot. Aber davon ist eh noch niemand satt geworden. Brot...Pfff. Hack soll es sein. Selbst wenn es vom Tier ist. Verzaubert beobachten Carsten und ich noch den Drummer von 'Yellowcard'. Unfassbar. Wenn jetzt nicht der Geiger so unwahrscheinlich scheisse und ekelhaft wäre, würden wir vermutlich immer noch da stehen und Schlagzeug gucken, aber er ist es halt. Und eben nicht auszuhalten. Wir sind alle schon mächtich fortgeschritten und die tapferen Leadphatboys entern die Bühne. Wir stehen in der zehnten Reihe und klatschen mit und rufen zustimmende Pfeifgeräusche. Uns gefällt was wir sehen und den übrigen Gästen offensichtlich auch. Irgendwann sammeln Timmey, Carsti und ich unsere letzten Kräfte und trotten in Richtung Hotel. Morgen muss Carsten schon wieder wo anders hin, deshalb finden wir uns gegenseitig noch mal extra künstlich nett und auch das TV Programm was er wählt, sagt mit immer doll zu. Er lobt mich für die klasse Texte und ich mag ihn noch ma mehr. Klasse Trebur, Danke dir und Euch. Bis morgen und Gute Nacht.
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