Halle 9, Meerbusch

Geschrieben von Pensen

Heute ist der Tag der Rivalität. In der Gruppe und überhaupt. Der kleine gegen den großen HSV. Hölle. Ab 17:30h wissen wir mehr...

Wir rudeln uns vorm Hotel zusammen, direkt neben dem KFZ Service "Papst". Slogan: "Die eiligen Heiligen schrauben am Glauben." Vermute ich. Sehr gaal. Na dann kann's ja losgehen. Auf nach Meerbusch, wo wir seinerzeit ein legendäres Monsters-Frühstück bei Krülli aufgegessen haben.
Wir sind die ersten vor der Halle 9 und setzen uns noch, durch die letzten Tage körperlich gealtert, in die Sonne und testen die Raspelkraft der Mauerfugen mit unseren eigenen Bärenrücken. Schubber, schubber, raspel, raspel. Ahh, Ohh, angenehm.
Dann kehren auch Krülli und Christian ein, der Tonmann bringt die Anlage, und alles nimmt seinen Lauf, Technik baut sich nicht alleine auf. Dann Soundcheck und dabei nie die Anpfiffzeit aus den Augen verlieren. Irgendwann sagt jemand: "Steht noch 0:0." Kacke, dass heißt die spielen schon. Sticks & Klampfe werden fallen gelassen und wir ziehen in die Lobby um. Erste Drinks und eine klasse Anfangsphase werden genossen. Sieben Minuten lang. Dann ist Bildstörung und der HSV liegt schon bald mit 0:2 hinten. Dann ist das Bild wieder in Ordnung doch der Spielstand bleibt. Ätzend. Ich interessier mich eh nicht so für Fußball und wenn dann für Altona 93. Die tun zumindest nicht so, als würden sie gewinnen können.
Da wir in der "Halle 9" sind fängt Totte heute um 20:09h an. Ist hier so Ouzo. Aber wie er loslegt, sag ich euch. Fliegende Haare, PogoChöre und sogar noch Zubrot-Labinski zum Ende hin. "Latottski" räumen wieder mal mächtig ab. Konkurrenz aufgepasst, da entsteht grade ein Duo Infernale. Hu. Anschnallen und Schnauze halten.
Jetzt schnell noch aufm Parkplatz im Bus mein UKB-T-Shirt anlegen und Dennis EhKlar & Labrimmli beim Introisieren vergöttern. Ganz, ganz groß. Dann wir. Es wird, und das kann ich jetzt schon sagen, das längste bisher gespielte Konzert von Timmey und mir aller Zeiten bisher. Skurril, verstörend schön, mit Hang zur guten Laune. So in etwa könnte man die nächsten 120 Minuten beschreiben. Zwei Weltpremieren gab's dann auch noch. "Zwerge" & "Punkermädchen", jeweils als Punkrockversion mit "Latottski". Wieder mal bahnbrechend. Später beim "Schlittschuh-Lied" stößt sogar Dennis Genial zum ersten mal mit als Sänger dazu. Auch schon wieder geil.
Irgendwann nach dem Konzert tummeln sich noch die letzten 15 Menschen auf der Eingangsbrücke und reden kluge Sachen durcheinander, wir geben noch ein begnadetes Interview für Andreas und sein "Mehr Davon-Radio" und dann geht's noch, nicht ohne den jetzt mit Sicherheit nicht mehr schlafenden Meerbuschern diverse Altona Hymnen aufzudrücken, in die Kneipe der letzten Hoffnung. Name ist Programm und es kredenzt der rührende Krülli noch (zumindest was meine Person angeht) einen letzten "Southern Comfort / Ginger". Fast n büschn wie damals beim Janis Joplin, nur das da noch keine Ingwer Brause erfunden wurde, weil Herr Cola den gesamten Brausemarkt für zwei Jahrzente aufgekauft hat. Andere Zeiten, andere Sitten. Da musste erstmal Michael Jackson von Paul die Beatles-Rechte zurückkaufen und der Weg war frei für die leckere Limo in gelb. Verzückt denke ich an vorhin zurück, als mein lieber Freund Urin Geller den Parkplatz durch seinen Namen verschönert hat, und wie nie zuvor auf sich selber flog. Mein Gott haben wir gelacht. Atemlos, durch die Pracht. Zu schön um Jan zu sein.
Timmey und ich sind die einzigen, die den Absprung nicht erst um 1000Uhr schaffen, Taxi, und in das hübsche Gästehaus SoundSo, mit Innenhof und balkonartigen Obergängen. Die Zimmer sind groß und duften nach frischem Holz, welches als Möbel dient.
Nach der wohlverdienten "Rainmaker"-Dusche, schaue ich noch leicht verträumt in den stillen Nachthimmel hinaus. Ganz friedlich liegt sie da, du meine Welt. Plötzlich hör ich beunruhigende Geräusche. Scharren, schlurfen, rasselndes Atmen. Gottogottogott, ein Jeti oder Gremmlin. Der Bambusvorhang im Hof wird zeitlupenhaft mit knöchernden Fingern auseinander gedrückt. Leicht gebuckelte Haltung, wirres weißes Haar. Der Pfähler von Meerbusch. Das muss er sein. Wie versteinert steh ich oben aus halbwegs sicherer Entfernung und mache keinen Mucks. Dann leuchtet sein feuerrotes Auge auf, ein Zyklop, auch das noch. Scheint aber harmlos und satt zu sein, denn als mich sein Laserblick beiläufig streift, werte ich dies als Desinteresse an meiner Person. Ein Glück, es gibt ein Leben nach Meerbusch. Danke dafür. Ich schleiche mich in meine Koje und mein durch Angst und Aufregung noch halbsteifer Körper nimmt langsam wieder Menschenkonsistenz an. Och, schön.
Das war ja was, liebes Meerbusch. Vielen Dank für diesen Abend, zauberhaft. Und überhaupt waren die letzten drei Tage eine wahre Wonne. In der Kombination werden wir wohl vermutlich erstmal nicht wieder losfahren, aber Bock hätte ich. Auf bald ihr heißen Hasen, gute Nacht, ohnd Dschütz.

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