Karben Open Air, Karben

Geschrieben von Pensen

Mein Zug geht um 12:01h, fühlt sich aber wie fünf vor zwölf an, denn es ist endlich wieder Zeit zum Narben Open Air zu fahren. Unsere jüngsten Erfahrungen machten wir im Februar diesen Jahres, gemeinsam mit Montreal bei der Winter-Edition. Aber die Kopfverletzungen sind längst verheilt und das Herz hat ja eh nix abgekriegt.
Neben mir sitzt ein Mann im ArsenalTrikot, die über eine portable Playstation Autorennen fährt. Im Zug. Freak. Geil sind aber seine strategischen Selbstanfeuerungen, die er wegen seiner Kopfhörer nicht hören kann, ja vielleicht sogar gar nicht wahr nimmt, dass er sie ausstößt. Ich konter mit eigenen Stöpseln und bastel an der DAS PACK ihm seine neue Platte. Herrgotteswirdekelhansgut.
In Kassel-Wilhemlshöhe wirds direkt legendär, den Cyborg aka ChrChr mischt heute zum ersten mal eine DAS PACK-Show. Er ist der Neue. Direkt wird seine Klinke von unten mit Zahnpasta beschmiert und Wasserbomben entschärft. Kleine Späße, die in der Gruppe gut ankommen. Er besteht dann bravourös die nächsten sechs Mutproben, die bei einer Päckchen-Aufnahme-Zeremonie nicht fehlen dürfen. Frisch tätowiert geht's dann also weiter ins adipöse Karben. Olli befürchtet, dass wegen Humor ihm schon ein Helm bereit gelegt wurde, und tatsächlich: Ein leuchtend roter FahrradHelm liegt einsam und allein wie bestellt und nicht abgeholt im Backstagebereich. Dankbar schnallt er ihn sich direkt um. Da haben sich zwei gefunden.
Aber die eigentliche ÜberraschungsSensation ist ein gut aussehender, streunender, offensichtlich grade aufgewachter Mann, der unseren Bus kreuzt. Und ja, es ist unser liebster Soelve, der heute den Bus für Tourbostaat fährt. Freude aller Ortens. Arne Schikane stellt uns seinen KellerProberaum als Backstage zur Verfügung. Mit Kühlschrank. Lecker. Ich Versuch noch n büschn an meinem Tretbrett zu basteln, egal mach ich morgen fertich. Denn die Stagetime schreitet unbarmherzig näher. Hu.
Also ab zur Bühne und entspannt aufbauen, Heavy Checkings und ziemlich zeitnah am Fertigsein dann direkt auch spielen. Es bleibt keine Zeit sich umzuziehen, ein Glück, denn ich mein schickes "König Drosselbart" Shirt an. Ok, für den Aufgang schnell noch die ShowJacke drüber geworfen, aber denn auch zügig ausziehen.
Eine fröhlich, "Hosenpulli" skandierende Menschenmasse hat sich eingefunden, um aus den Vollen des Tanzes zu schöpfen. Wir sind an Lockerheit schwer zu überbieten und machen dolle Musik. Wicklich schirm.
Cyborg macht n klasse Sound, Soelve filmt und zieht neue Saiten auf, weil ich zu heftig Solo gespielt habe. Das kann passiert.
Nach dem wunderschönen Konzert, das mit einer Zeitscheknung von sechs Minuten seinen Höhepunkt noch steigert, latschen wir zu Sabby an' Merch. Gespräche mit Müttern und Töchtern werden geführt, später warm gegessen und dann geht's zum Video-Interview in den Video-InterviewRaum. Für die Uhrzeit strömt besonders viel Licht in unsere frischen Gesichter. Michaela ist top in Schuss und lässt das Gespräch von uns sicher durch die Nacht Leiten. Gute Antworten gute Fragen. So ist es beschrieben.
Dann, wie das schon früher war, trifft man sich nach Feierabend im KellerProberaum. Timmey schnappt sich eine funkelnde Fender Jazzmaster und ich geh mit Hottrods bewaffnet an das übersichtlich bestückte Drumset. Ausser der HiHat gibt es kein Blech, egal, wir sind Musicians.
Dann passiert die zweite legendäre Action des Tages, denn wir vollführen eine ohne Scheiß vermutlich 50 minütige Hippie Session. Timmey spielt weltmännisch Gitarren, während ich meinem Ruf als BackbeatBoy ekelhaft gerecht werde. Anfangs versuchen wir uns noch an "rage aigainst the machine" & "Pantera"-Riffs, dann aber ab in freie, große Gefühlswelten. Hin und wieder stoßen Menschen dazu, bleiben, gehen, trancen und gehen wieder. Timmey und ich bekommen aber nicht viel mit von der Aussenwelt mit, denn wir sind im Flash verwurzelt, eigenweltlich verzahnt. Inagaddadawida. Prost Mahlzeit, unsäglich.
Die Anderen lümmeln derweil am Hauseingang herum, wo Klimmzug würdige Trassen über den Köpfen angebracht wurden. Olli presentiert "Die Treppe", eine art LuftStufenKonstrukt im Klimmzug eingebaut. Erschreckend. Unklar, wie das überhaupt geht. Aber zum allerersten Mal scheint er das nicht zu machen. Dann kommt auch noch Cybie, kreuzt irgendwas im hängen, man ist vom Fach. Aber nun genug der Ertüchtigung und ab zum "BerlinerLuft"-Partybus. Ein VW-Van, in dem die MusikAnlage grade knapp reinpasst, Diskokugel mit Lichtshow, Nebelmaschine und eine drei Liter Flasche Luft. Cybie freut sich kleinkindisch, setzt an und atmet danach durch, als hätte er auf Gruben-Kumpel-Style seit Stunden die erste frische Luft geatmet. Tief und genußvoll.
Irgendwann greif ich mir mein Gerödel und mach mich auf den Heimweg ins Hotel. Letztes mal dauerte der Fußweg ne gute Stunde, da haben wir aber Schmidt getragen. Ohne das knappe zwölf Minuten. Süß.
Dann versuche ich innerlich bei dem vertrackten Fall "Überfall am Hafen" zu helfen, bin aber auch der Meinung, dass der sympathisch-verschrobene Kammler nix damit zu tun. Die Auflösung des ganzen bekomme ich aber nicht mehr mit, aber morgen ist ja auch noch ein Tag.
Ach Karben, vielen Dank wieder mal. Herrlich wars, bis zum nächsten mal und gute Nacht.

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