Kippenrock Festival, Arnsbach

Geschrieben von Pensen

Pizza Endstationi. Die soll heute verteilt werde, in üppig großen Stücken, sportlich gesehen. Denn das Viertelfinale dieser in Fahrt kommenden EM ins unwideruflich nachher. 21h ist Anpfiff, und wir zum Kippenrock nach Anrsbach. Spielzeit 23h bis 0:30h. Das sind die Eckdaten. Hu.
Ich gurke wie gewohnt mit dem Zug los, in Kassel werde ich eingesammelt und bekomme die Information, dass tatsächlich auch eine Band um 21h spielt, 90min. HerrgottimHimmel. Wie das nur alles werden soll.
Diese Frage klärt sich relativ schnell nach dem Ankommen, denn  es ist liebevoll und nett hier, fröhliche Menschen die DInge tun. Erstmal ne Bockwurst mit selfmade Insalada, um einen Hauch südländischen, beinah italienisches Flair zu erzeugen. Nachher ist nämlichSchluss mit lustig. Wir bauen jetzt schon so viel wie möglich auf, in einem leeren LKW neben der Bühne, damit es später schnell gehen kann. Denn der eigentliche Plan sieht vor, dass wir ab der 75min Change Over, also Umbau haben. Ein Wahnsinn das alles.
Die Leinwand ist direkt neben der Bühne, ohne Ton, aber mit Bild. Die "Beatburners" rockern gut ab, ich möchte grade nicht tauschen. Fußball wird null erwähnt, und ich sitze neben Urs auf ner Bierbank und applaudiere an unmusikalischen Stellen. Sorry, but Fußi is now. Doch der großherzige SportMusikGott hat ein einsehen, denn es passiert folgendes: Exakt mit dem letzten Ton der Band macht uns Mesut das 1:0. Jubel und Liebe brandet auf. Jeder Mensch darf sie für seinen persönlichen Moment einordnen und beanspruchen. Ist das geil.
Am Ende bleib ich natürlich dann doch nicht bis zum Ende des Spiels von der Bank aus gucken, sondern fröne meinem Beruf, so wie die anderen Päckchens auch. Von der Bühne aus ist die Leinwand nur sehr schräg und durch schwarze Netzplane zu erkennen, es sei denn man klemmt sich ganz vorne in die Ecke und linst um selbige. So bekomme ich nur schemenhaft Jeromes Arm mit, ein unerhörter Pfiff (Kein Ton) und das anschliessende 1:1. Verdammte Axt. Hölle. Fasst ein Glück, dass wir weiter aufbauen müssen, gut fürs Herz und dessen Schlagfrequenz.
Das einzige was heute schon früh fest stand war, dass es auf gar keinen Fall in Verlängerung gehen darf. Der Nerven wegen, aber natürlich in Wahrheit wegen Dschidsch. Ich ahne Gewissheit. Wir beginnen unser Konzert in der 86. Minute. Alle fühlen das gleiche, aber auch alle müssen da jetzt durch. Wir bleiben in regem Informationsaustausch mit dem Publikum, sie sehen das, was wir nicht sehen. Tatsächlich, Verlängerung. Unfassbar.
Ab Minute 117 spielen wir das gute Lied "Ecke, Tor". Darauf können wir uns einigen. Kann man auch gut mitsingen den Track. Und als hätte ich's nicht schon vorher gewusst, es kommt zum Äußersten. Elfmeterschießen. Ganz ehrlich, was tun? Konzert ist natürlich völliger Quatsch, aber nix auch. Wir lassen einfach die Instrumente sprechen. Ich quetsche mich in die vorhin beschriebene Ecke der guten Sicht und los geht's. Leid, Spannung, Pure Freude und Verzweiflung lagen in der Musik bisher vermutlich nie so dicht zusammen. Atonale Schrottmusik für anlaufende Italiener, PartyDänceMusic a la "Kopenhagen"-C-Teil wenn Deutschland trifft. Manchmal auch absolute Ruhe, mal wegen Konzentration, mal wegen Schock. Timmey & Olli sind quasi Blind und hauen meinen Gesichtzügen folgend in die Tasten. Herrgott wie lautmalerisch. Wir befinden uns in einer Art Zeitvakuum, ungefähr tausend Elfer werden geschossen, gehalten, verwandelt, verschossen. Am liebsten Spiel ich die "Tor Melodie". Langsam gewöhnt sich auch das Publikum dran, so dass pawlowscher Jubel schon beim erklingen der Musik aufbrandet. Aber immer nur bis der nächste anläuft. Schweini drüber, ich brech zusammen. Noch mal 600 Strafstöße später ertönt DIE Melodie als letzter SportSong des Abends, dafür aber extra lang. Wir sind weiter verdammt. Es ist so wunderwunderschön. Zur Belohnung unserer aller geschundener Herzen und Nerven spielen wir direkt das Schlittschuhlied im Anschluss, kann man gut mitsingen, wer will auch mit dem Text von "We are the Champions", eh klar.
Alter Schwede, was ne Farce. Kompliment. Puh. Wir hams. Das anschliessende, echte Konzert ist besonders ausgelassen, man mag sich gegenseitig, verständlicherweise. Tanzende StrohMenschen, lachende Gesichter und FunFunFun.
Später hängen wir noch in dem frisch gewischten BackstageBereich und finden uns gut, Ursi fährt den Bus in die 10km entfernte Pension und wir sitzen noch bis in die Verpuppung. Endstationi. Hiermit senden wir Grüße an unseren Lieblingsitaliener Schalio Malaguti. Aber halb freust du dich doch auch, oder Schälchen? Klario.
Liebes Kippenrock, es war uns ein ganz besonderes Ereignis, wird's auch immer bleiben. Wir sagen 1000 Dank und kommen gerne wieder. In zwei Jahren ist WM. Bis bald und gute Nacht.

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