Museumskeller, Erfurt

Geschrieben von Flozze

DAS PACK live im Museumskeller/Erfurt am 20.10.2010 Am Morgen werden wir geweckt von zwei jungen, südamerikanischen Frauen die unser Hotelzimmer putzen wollen. Sie schimpfen dass wir noch da sind und versuchen uns Angst zu machen mit lautem Gepöbel und sagen wir müssen mehr Geld bezahlen wenn wir nicht gleich weg sind. Nett aber gemein sind sie. Dragan ist krank und jammert die ganze Zeit rum. Was für ein wehleidiger Schwächling. Wir fahren heute viel über Landstraßen und bestaunen das schöne Thüringen. Später am Abend sehe ich im Fernsehen noch eine Reportage auf Phoenix in der ein langhaariger Vollspast mit seinem Hund die ehemalige innerdeutsche Grenze entlang spaziert. Der frühere Todesstreifen ist zu einem Band des Lebens geworden (Zitat von Mongo-Kalle) der langsam, mehr und mehr, von der Natur zurück erobert wird. Timmey, mit dem ich ein Zimmer teile, hält mich für geistesgestört sowas anzuschauen, aber ich mag so gerne die Tiere und die Landschaften. Zurück zum Thema. Wir kommen in Erfurt an und stehen erstmal kurzfristig vor verschlossenen Türen. Aber Dragan der Oberchecker lässt seinen mazedonischen Charme spielen und wir dürfen rein. Heute geht`s eine steile Treppe runter, in ein Gewölbe, in dem alles hübsch und neu gemacht ist. Wir kriegen belegte Brötchen und Spreewald-Gurken. Prima. Dann aufbauen, Soundcheck, und dann proben wir noch ein bisschen. Wir wollen ja bald ein neues Album aufnehmen. Dann gibt es schon wieder Essen, Gulasch mit Nudeln. Und ganz viel Liebe zubereitet. Wir waren im Mai mit den Ohrbooten gleich nebenan im 'Haus der Gewerkschaft', aber wir fragen uns trotzdem ob heute irgendwer kommen wird. Dragan sieht inzwischen aus wie nach zehn Jahren in einem sibirischen Straflager, und wir entlassen ihn. Das heißt, wir schicken ihn, gegen seinen Willen, schon vor Konzertbeginn in`s Hotel. Schlafen soll er. Tee trinken, Fernsehen und nicht zu viel rauchen und ein Einzelzimmer haben wegen der Quarantäne. Außerdem fühlen wir uns ganz wohl ohne ihn. Dann gehen die Türen auf und ich bin so gespannt, ob Leute kommen, dass ich mich vor lauter Aufregung erstmal schlafen lege. Ich liege wie ein kleiner Embrio auf dem Boden im Backstage. Das Stimmen-Gewirr im Saal wird lauter und lauter, das ist ein gutes Zeichen. Als Urs endlich das Intro abfährt und wir den Raum betreten bin ich erstaunt bis sehr, sehr glücklich. Es ist schön gefüllt, knappe 100 Leute, und die Erfurter sind von vorn herein ein völlig verrücktes Partyvolk. Und wie schon gestern in Erlangen mit einer angenehmen Mischung aus Tanzwut, schmuddeligem Party-Gegröle und Gehirn und Sensibilität. Da ist es bei den Balladen ganz leise und dann schreien sie uns wieder unaufgefordert 'Slayer' in`s Gesicht dass einem Angst und Bange werden kann. Herrlich. Nach dem Konzert hängen wir noch einen Moment am Merch rum, geben ein Interview für 'Radio HSF 98,1' und dann das ewige Laden. Das ist ein Teil der Tour auf den ich mehr als gut verzichten könnte. Zum Glück helfen uns drei charmante junge Damen. Dann gibt es Irritationen weil der Busschlüssel weg ist und Pensen vergessen hat dass er ihn in seiner Reisetasche hat und ab in`s Hotel. Eine kleine Pension, der 'Rad-Hof'. Betrieben von einem äußerst freundlichen Ehepaar, SO nett, dass wir sogar nicht im Zimmer rauchen. Und das soll was heissen. Außerdem dürfen wir lange schlafen und kriegen (ein hervorragendes) Frühstück um elf Uhr, das ist Luxus. Das Haus liegt mitten in Erfurt an einem Dom oder so, und die Stadt zeigt sich von ihrer besten Seite. Kleine Gassen, alte Fachwerkhäuser, und sogar die müde Herbstsonne kommt ein bisschen hervor und scheint uns auf den Lachs, äääh, Bauch. Dragan kann wieder aus den Augen gucken und ich schiebe mit den Füssen das Laub zusammen und mache einen schönen Haufen. Indian-Summer. Eines Tages werde ich doch noch Einsiedler oder Trapper. Ciao.
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