Kulturfabrik, Krefeld

Geschrieben von Flozze

DAS PACK in der Kulturfabrik/Krefeld, 16.12.2010 Heute ist ein schöner Tag. Es ist eisig kalt. Wir stehen am Parkplatz vor dem Underground in Köln und sind relativ gut gelaunt denn wir haben heute die Möglichkeit frühzeitig in`s Hotel einzuchecken, warm zu duschen, ein bisschen Fernsehen zu gucken, die durch das enge Tourleben angestauten Körperflüssigkeiten aus der Haut zu massieren oder ähnliches. Klingt alles sensationell und wir sind voller Vorfreude. Wir packen unsere Sachen ein und steigen in den Bus und machen den Motor an. Da klopft es an der Scheibe und Christian, Sänger und Bassist der 'King&Killers' verrät uns dass wir einen platten Reifen haben. Die Tragweite die hinter dieser Botschaft steckt ist und zunächst durchaus nicht klar. Denn wir haben ja zeitlich einen dicken Puffer und ein Reserverad dabei. Kann ja nicht so schwer sein alles. Wegen dem ganzen Versicherungswahnsinn rufen wir über tausend Umwege (Autovermietung/VW Mobilitätsgarantie-Fick-die-Kunden-Center usw...) einen Mann der uns den Reifen wechseln soll. Ungefähr zwei Stunden nachdem wir angefangen haben zu telefonieren kommt ein typisch kölscher Abschlepp-Mensch. Er riecht auf dem Kopf nach Kotze stellen wir fest, als er im Auto die Mütze abnimmt und seine vom Wetter und Schweiss zerstörte Frisur in die Lüftung hält. Ekelhaft. Und weil es so gut läuft stellt er fest, dass unser Reserverad ein Sommerreifen ist, und hält das für eine dumme Sache, weil Heckantrieb und voll beladen. Und außerdem hat es inzwischen angefangen zu schneien wie Hölle (wenn das in diesem Zusammenhang der passende Begriff ist...). Also müssen wir einen Winterreifen besorgen. Und das scheint ziemlich schwer zu sein. Abschleppmann, Autovermietung und ich telefonieren ungefähr 1 1/2 Stunden wie die Idioten durch die Gegend um den letzten in Köln befindlichen Reifen unseres Models aufzutreiben. Es wird immer schlimmer und die Nerven liegen langsam blank. Schliesslich landen wir bei den netten Damen und Herren von A.T.U. um die Ecke. Wir beschwatzen die Dame am Tresen und drücken ordentlich auf die Tränendrüse, allerdings ist das nicht an den Haaren herbei gezogen denn wir kommen langsam zeitlich echt in Schwierigkeiten. Und zum Glück sind die Menschen gut zu uns und nehmen uns sehr schnell dran. Der Herr Monteur findet es zwar (in seiner Eigenschaft als echter Kölner) schlimm dass wir nach Krefeld fahren und als ich was von 'emotional angeschlagen' fasele um ihm die Schlimmheit unserer Lage zu verdeutlichen zischt er 'Hier drin gibt es keine Emotionen', aber trotzdem zieht uns sofort den neuen Reifen drauf. Wirklich nett. Wir schenken dafür ihm und der Tresenfrau eine CD und außerdem kaufe ich noch irgendwelche Minderwertigen Bootlegs von 'Guns`n`Roses' und den 'Red Hot Chillie Peppers'. Dann schnell zu McDonalds, den Fleischhaushalt auffüllen. Dann ab nach Krefeld. Das ist eine Strecke von strammen 65 Kilometern und wir brauchen etwa zwei Stunden weil es einfach nicht aufhören will zu schneien, im Gegenteil, es wird immer schlimmer. Aber als wir endlich ankommen werden wir belohnt. Die überaus freundliche Crew des Hauses geht uns vorbildlich zur Hand und ab jetzt läuft alles wie geschmiert. Große Freude. Nach dem 'Kings&Killers' ein wahres Feuerwerk abgebrannt haben gehen wir auf die Bühne und werden von einem freundlichen Publikum emotional umarmt und umgarnt. Einfach schön. Heute sind wir, vor lauter Müdigkeit und Hass auf den Tag und unser Auto richtig gut gelaunt und machen eine super gute Show. Dann geht es sehr schnell. Ein kurzer Klönschnack mit netten Gästen, dann packen und ab in`s Hotel. Ich teile ein Zimmer mit Timon von K&K, wir reden noch kurz über Fussball und ich dusche und dann ab in`s Bett. Allerdings nicht ohne vorher noch eine Zigarette zu rauchen, auf dem Balkon, mit Blick auf die Grothenburg. (Mit oder ohne 'h'???) Ein legendäres Stadion. Große Schlachten haben hier statt gefunden in den 1980er Jahren. Große Spieler, die Funkel Brüder, Kleppinger, Matthias Herget, Wolfgang Rolff und auch Brian Laudrup und Stephan Chapuisat haben mal kurzzeitig da gespielt wenn ich mich recht erinnere. Und dann ist alles den Bach runter gegangen weil dem Bayer-Konzern verboten wurde bei mehr als einem Verein in der Bundesliga als Hauptsponsor tätig zu sein. Und da fiel die Entscheidung natürlich auf das wesentlich erfolgreichere Leverkusen. So geht es manchmal im Leben, aber ungerecht ist das schon. Heute heisst der Verein nicht mehr Bayer 05 Uerdingen sondern KFC und dümpelt in der Bedeutungslosigkeit herum. Da konnte selbst Ailton nicht helfen. Glück auf, liebes Krefeld. Die Zeiten werden sich wieder ändern.
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