Act Positive Festival, Münchberg

Geschrieben von Flozze

30.07.2011 DAS PACK live auf dem 'Act Positive'-Festival in Münchberg Heute haben wir wieder eine schöne Reise vor der Brust. Ich habe mich bereits gestern mit Dennis getroffen, unserem lieben, alten, erlebnisorientierten Backliner-Freund, um den Bus zu laden und ihn in die Geheimnisse unseres Equipments einzuweisen. Also treffen wir uns um 10 Uhr und ab auf die Autobahn. Erster Zwischenstop ist Hannover, meine liebe, gute Heimat. Hier sammeln wir Urs ein, der nach gefühlten Jahren der Abstinenz endlich mal wieder bei uns an Bord ist. Auf den ersten Blick bereits sehe ich die Kampfeslust in seinen Augen, und weiss: dieser Mann wird sich heute betrinken, ohne Rücksicht auf Verluste. Dann weiter nach Rhüden wo wir auf dem McDonald`s Parkplatz Timmey einsammeln. Er hat unsere neuen Shirts im Gepäck. Aufgeregt tanzen wir im Kreis. Dann nochmal jeder alleine. Dennis tanzt sogar seinen Namen. Das hat er in der Schule gelernt, sagt er. Die neuen Shirts sind rot mit unserem Wappen drauf, in sonnengelb. Wirklich hübsch, quasi die Surfer-Spasti-Version des Klassikers. Als wir in Münchberg ankommen, gegen 17.00 Uhr, beträgt die Temperatur noch gefühlte 10 Grad, es regnet. Der Wettergott ist ein mürrischer, alter Mann. Trotzdem gibt es ein paar unverwüstliche Ausharrer. Menschen die sich trotz alles (!) nicht die Laune verderben lassen und Party machen vor der Bühne. Die Bands vor uns sind tendenziell jung, gut und wütend auf die Welt. Sie tragen Rasta-Frisuren und machen Meinungs-Mucke. Das ist erstmal an sich ok, finde ich. Besonders interessant ist eine Band aus Tschechien, die alle aussehen als könnten sie kein Wässerchen trüben und als kämen sie grade aus der Schule, neunte Klasse. Aber dann machen sie laute Schrei und Hau Musik, ein bisschen wie 'Rage'. Wir fangen langsam an unseren Scheiss aufzubauen, vorher gab es noch sehr gute Spare-Ribs. Ich esse sowas ja eigentlich nicht, habe aber heute beschlossen es gut zu finden. Der Backstage liegt in einem DLRG-Vereinsheim, überall stehen Pokale für tolle Taucherei und schnelles Schwimmen, trotz Schnauzbart und Killerplauze. Dann beginnt das Konzert und ich finde uns heute richtig süß. Auch mein kleiner gefiederter Freund ist heute wieder mal wirklich witzig und wir funkeln uns an und haben Spaß. Wenn es nur nicht so scheisskalt wäre.Ich glaube ich habe noch bei keinem Konzert so wenig geschwitzt wie heute. Nach uns kommen noch '4Lyn' und Eine lustige Band namens 'Pitschu Patschu' oder so. Meine Freunde betrinken sich alle schlimm mit Wodka und Red Bull, in der günstigeren Ausführung vom Norma-Merkt um die Ecke. Ein toller Haufen, mit Niveau. Die Schwester vom Veranstalter Franz (Der Veranstalter, nicht die Schwester) fährt uns in`s Hotel und alle benehmen sich sehr anstößig und schlimm. Außer ich. Und Dennis. Der ihr erstmal erklärt er wäre sexistischer Antifaschist. Was ich grundsätzlich eine sympathische Ausrichtung finde. Aber die anderen, allen voran Timmey (freestylt auf die Musik von 'Josephine': 'Und deann kommst du mit denem Scheidenpilz vorbei, lachst mich an und lutscht ihn auf' (Aber der Rhyme ist fett, der Rhyme ist fett)) benehmen sich wirklich unter aller Sau. Ich denke zurück an meine Zeit bei den Pfadfindern und fange an zu weinen. So möchte ich nicht sein. Im Hotel geht die Sause weiter. Urs, dem noch auf dem Festival-Gelände die Augen beim reden immer stecken geblieben sind beim in die Gegend starren, geht mit seinem Party-Koffer voran. Wer den noch nicht kennt: bei dem Partykoffer handelt es sich um einen Alu-Reisekoffer, mit eingebauten Speakern und einer Lichtorgel. Ich verabschiede mich und überlasse die Meute ihrem Schicksal. Auf meinem Zimmer schaue ich mir die hervorragende, berührende, deprimierende, ermutigende, zauberhafte, beängstigende Dokumentation über eine Heavy-Rock-Band aus den 80ern an. 'The Story of Anvil'. Ein absolutes Muss für jeden Musikliebhaber. Wer verstehen möchte warum Menschen wie wir tun was wir tun, muss sich das angucken. Eine solche Liebe und Hingabe zur Musik, zur Freundschaft untereinander, zur Mission die man gemeinsam zu erfüllen hat, wirklich beindruckend, schön und schaurig zugleich. Für mich ein wirklich bemerkenswerter Film. Während ich da also liege und mir (unter einem laut aufgedrehten Kopfhörer) dieses Meisterstück der Film- und Musikfilmgeschichte kredenze, höre ich aus einer nicht allzu weit entfernten Ecke dieses Hotels 5 bis 10 erwachsene, sehr betrunkene Männer, zu voll aufgedrehtem Partykoffer 'Das schlimmste ist wenn das Bier alle ist' von den Kassierern singen, aus voller Kehle. Debile 30 jährige im Vollrausch. Aber meine Friends und damit unfehlbar und gut. Wer was anderes behauptet kriegt gescheuert. Love and everlasting Respect, Motherfuckers! Und schaut euch 'The Story of Anvil' an.
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