Lido, Berlin

Geschrieben von Pensen

Ahh, wir passieren die Gedächtniskirche. Berlin, bist du es? Ja, denn die Kirche ist hässlich, steht aber für was gutes und den Aufbau an sich. Das heisst hier freaky! Supecrazy und freaky ist es auch, dass uns als erstes schön ma drei Reisetaschen vor der Tür des Clubs, auf der Strasse von freaky Leuten weggeklaut werden. Ich dachte alle sind peacig drauf und so… Also bei uns in Hamburg kann man einen Hundert-Euroschein sorgenfrei auf der Strasse verlieren und er ist stunden später immer noch an Ort und Stelle. Vermutlich mit Tesafilm von einem guten Geist fixiert, so dass alle Spitzbuben wissen: 'Nein, den darf man nicht. Das gehört nicht mir, obwohl ich es mir doch so sehr wünsche. Dann lasse ich ihn mal besser dort, damit keiner traurig ist und ich nicht zu unrecht glücklich.' So wäre das, glaube ich zumindest. Bzw mache ich das so, wenn ich Hundert-Euroscheine finde. Immer Tesafilm dabei. Noch vor ner Zahnbürste. Aber zurück in die bittere Realität: Costas Bühnen Klamotten samt SuperSondaSacko sind weg, Yonas hat nur noch das was er am Leib trägt und mir fehlt auch beträchtliches. Kot. Sherlockmäßich schlendre ich mit Röntgenaugen durch den Block. Kann ja sein , dass jemand das Diebesgut durchgeguckt hat und dann die für ihn unbrauchbaren Dinge freundlicherweise am Strassenrand zurücklässt. Man weiss ja nie. Aber schon bald verlässt mich der Glaube. Gegenüber vom Lido Zelten die Menschen. Weil sie keine Häuser haben. Also Zelten. Langsam werden mir die Dimensionen und Zustände klar, die hier herrschen. Costa, Yonas und ich stimmen überein, dass ein frierender, trauriger und einsamer Mensch die Gelegenheit beim Schopfe gepackt hat, vermutlich unsere Hightech-Klamotten zu Geld macht, um seinen Kinder einen Studienplatz zu finanzieren. Und zack wird das Opfer zum Wohltäter. Ein Glück hat man auch mal die Chance zu geben. Dafür Danke Berlin. Nun zum musikalischen Teil des Tages. Sascha kommt niedergeschlagen zu mir und muss gestehen, dass sein Keyboard hoffnungslos zugebaut ist. Introklänge unmöglich. Schiete. Aber wir sind ja eine Gruppe von Freunden, die sich bedingungslos helfen. Kurzerhand wird Mirko der Drummer, Chris spielt Trompete und Sascha Kazoo (Mini-Tröte). Alle haben jahrelang auf diesen Instrumenten das Lied 'Final Contown' geübt, quasi ihre komplette Jungend dafür geopfert. So klingt es auch. Als sie fertich sind grölen wir nach Wiederholung, weil es doch so schön war. In diesem Durchgang kommt sogar noch die doppelhändige Disko-Hihat dazu. Wird sind zu Tränen gerührt. Nach bestem Gewissen versuchen wir die Qualität zu halten und Berlin lacht und lebt. Auch Montreal sind nicht das erste mal hier, merkt man gleich. Die totale Ekstase erlebt am Ende die Sondaschule, so dass Mirko mir nach der Show sagt, dass als er 'Tanz mit mir' zu Hause am Rechner komponierte, er so eine Crowd/Stimmung im Saal vor Augen hatte. Endlich wird das wahr. Kann man quasi nicht besser Planen. Später schwärmen alle noch in verschiedene Kneipenrichtungen aus. Ich Futter leicht fiebrig Schawarma und denke noch ma über die verschwundenen Klamotten nach. Und hoffe auf zumindest drei, momentan und durch uns, nicht mehr frierenden Menschen. Gern geschehen. Bis bald Berlin und gute Nacht.
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