Club Vaudeville, Lindau

Geschrieben von Pensen

11:34h. Draussen scheint die Sonne zu scheinen. Ist das hell. ich rumpel aus unserem riesen Gefährt hinaus und verstehe, warum es zu dieser dermaßenen Lichtentwicklung kommt. Meterhoher Schnee. Aufgehäuft von straßenbenutzender Menschen. Verständlich.Wenn man seinen Blick etwas schweifen lässt sind am Horizont Berge zu erkennen. Schneebedeckt versteht sich. Skiurlaubsgefühle sind nicht zu leugnen. Gaahl. Der 'Guckmahiergibtskaffe'-Raum ist nur durch eine Tür zur Außenwelt getrennt. Wunderbar einfach für einen fast schneeerblindeten Mann wie mich. Jetzt noch n Jeti und Reinhold kann kommen. Haha. Wenns bei ihm damals alles so gut organisiert gewesen wäre… Armer Teur. Er- abgefrorener Zeh, ich- Hohes C. Jeder wie er kann. Lecker Brötchen esse ich und höre Metal und Punkgeballer aus der Küche nebenan. Der Koch, der schon am Abendessen fummelt, liebt Knoblauch und laute Gitarren. Erinnerungen an das letzte Mal Lindau mit den Ohrbooten 2008 kommen auf. Überhaupt ist der Club Vaudeville sehr nett geführt. Also noch viel Zeit bis zum Soundcheck und die Sonne scheint, frische klare Luft und der Bodensee ist 20min zu Fuss von hier. Geil, ab in den fensterlosen Backstageraum und Timmey beim rauchen zugucken und Tourberichte schreiben. Und zwar für immer an diesem Tag. Bzw. bis es das, schon vorhin vermutete, leckere Essen gibt. Wirklich gut. Kurz bevor wir dann die Bühne stürmen laufen wir dem Besuch des Tages Rüdi Bierhorst in die Arme. Was für eine Freude! Und er bringt mir sogar die neue Bob Dylan-CD mit. Ein guter Mensch, beide. Der große Raum ist mit kleinen Leuten gefüllt, bzw müssten sie größer sein damit er gut gefüllt wäre. Sprich: kein Schwein vor der Bühne und ein etwas schüchterner Fleischkringel bildet sich im hinteren Teil, nachdem wir lautstark den Anfang des Konzerts ins anliegende Foyer skandieren. Ich mag ja solche Szenerien sehr, wir moderieren uns n Wolf und es wird sehr lustig, das Ganze. Lindau ist eh für seinen Humor bekannt. Der Abend entwickelt sich weiterhin sehr gelungen, und bei der Sondaschule tanzen Montreal, Das Pack, Bierhorst und co ausgelassen am Bühenrand so gut sie können. Mein Favorit ist heute der gelenksteife Moonwalk. Costa hat auch mächtig Freude und immer wieder wechselnde Tanzpartner auf der Bühne. Die, die ich mitbekomme sind als erstes ein hochtalentiertes Mädchen, ca. sieben Jahre alt, welches Pirouetten in Paartanzkombination beachtlich gut kann. Als zweites kommt ein Breakdance-tanzender Punk, den Didi anfänglich noch versucht zu verscheuchen, aber Punks verscheuchen haben schon ganz andere versucht.. und hats geklappt? Eben. Eben dieser singt Timmey und mir (nachdem er bemerkt hat, dass Timmey einen 'Monsters of Liedermaching' Pulli trägt) später 'Blasenschwäche' am Merchstand auswendig und fehlerfrei bis einschließlich dem ersten Refrain vor. Um uns zu beweisen wie geil diese Band ist. Er guckt uns vielsagend beim singen an, damit wir auch ja die Pointe nicht verpassen. Tun wir nicht und finden das Lied und die Band witzig, klug und gut. Und live wohl auch der Knaller… Hingehen! Nach dem Konzert sitzen wir oben noch zusammen und lauschen, wie es einem Märchenonkel gebührt, den zauberhaften Geschichten des Tourlebends von Sondaschule, erzählt von Mirko. Er könnte meiner Ansicht nach auch ein Abendfüllendes-Soloprogramm als Rentenversicherung seinerseits anbieten. Erste Reihe, ich. Danach wird gepackt und der einzige Schlüssel für den Hänger/Bus, Bus-Hänger, Hängerbus gesucht. Derweil gehen Max Power und ich durch den Schnee zum unweit entfernten Schnellrestaurant mit gelben 'M' als Zeichen. Nachts, im bitterkalten Winter, zu Fuß durch McDrive latschen ist kein Geschenk, zu mal sich die Sammelbestellung auf ca 1500 Burger beruht. Muss man nicht soo lange warten. Das nächste Auto ist Didi, auch zu Fuß. Wen man nicht alles so trifft in Süddeutschland. Das Gespräch zwischen Didi und Max handelt von Fernreisen und überhaupt der zu spürenden Freiheit an sich. Reisen, gut essen, entspannende Hobbys. Kiloschwere Burgertüten werden kurz darauf den beschwerlich Weg durch den Schnee zum Bus zurück getragen. Ich mümmel schon und lausche aus der zweiten Reihe. Mittlerweile geht es um die Lieblingsbeschäftigung 'Angeln'. Zitat gefällig? Didi:' ..denn der Aal hat sein Nervensystem am Arsch. Da bringst auch nicht wenn du ihm aufn Kopp kloppst. Wissen viele gar nicht..' Nervensystem am Arsch. Nicht schlecht. Am Bus hält mir Costa triumphierend eine riesenhafte Plastiktüte mit frisch geschmierten Sandwiches vor die Nase. Vom Club für unser Nachtmahl. Wir kontern mit Kiloweise Schrottfraßtütenhochhalten. Sticht. Ok, alles einfach aufessen. Aus Pflichtbewusstein dem Nervensystem gegenüber. Mmmhh, gut. ich komme die kleine Wendeltreppe zu meiner Koje nur noch schwerlich hoch, aber es funktioniert. Vielen Dank Lindau, ein voller Erfolg. Morgen Off-Tag in Saarbrücken.Nervensystem am Arsch, wieder was gelernt.
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